• WJM / SK

Leitfaden Münzensammeln: Qualität und Erhaltungsgrade, Teil 5 Erhaltungsgrad und Preis


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Auf die Tatsache, dass der Preis von Münzen, Medaillen und Geldscheinen ganz entscheidend vom Erhaltungs- grad abhängig ist, wurde mehrfach hingewiesen. Um es gleich vorweg zu nehmen, es gibt auch keine Formel, um einen Preis von „vz“ in „ss“ umzurechnen. Die Relationen können extrem schwanken, was auch verständlich ist. Für einen prägefrischen Taler von 1700 kann man keinen Preis am Schreibtisch festlegen. Moderne Münzen mit groben Beschädigungen haben hingegen nur noch Materialwert. Die meisten Kataloge geben zumindest zwei, manchmal aber auch drei bis vier Erhaltungsgrade an. Hier kann man sich ein gutes Bild machen, wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen Qualitätsstufen sind.


Besonders gute Kataloge geben aber nur real anzutreffende Erhaltungsgrade an und bewerten auch nur diese. So finden wir hier bei Stücken des 19. Jahrhunderts keine „Traumerhaltungen“ mit erfundenen Preisen, sondern nur solche, die wirklich erreichbar und im Handel beziehungsweise in Sammlungen anzutreffen sind.

So werden in der Regel bei Münzen des 20. Jahrhunderts die Stücke in „PP“ oder „unz.“ und „vz“ angegeben, die Ausgaben des 19. Jahrhunderts hingegen werden nur in „ss“ und „vz“ bewertet, bei manchen seltenen Stücken wird sogar noch „s“ aufgeführt. Auch bei Banknoten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts finden Sie in guten Katalogen häufig nur Preisangaben für die Bewertungsstufen II – III, manchmal sogar für IV.


Kompromisse sind notwendig


Zusammenfassend muss man nochmals sagen, dass bei Münzen, Medaillen und Geldscheinen hinsichtlich der Qualität Kompromisse notwendig sind. Man kann nicht alles in Superqualitäten bekommen, selbst wenn man bereit ist, Superpreise zu bezahlen. Gerade Anfänger haben zunächst Probleme, die Erhaltung richtig einzuschätzen. Meist erlangt man aber schnell ein Gefühl für die richtige Qualitätsbestimmung. Gespräche mit anderen Sammlern und Händlern sind hier besonders hilfreich. Wo sollte man nun Kompromisse bei den Qualitäten eingehen? Als Richtlinie darf man vielleicht folgendes angeben:

Bei modernen Münzen, auch Ausgaben ab ca. 1970 sollte man möglichst nur „perfekte“ Stempelglanz- (unzirkulierte) oder PP-Erhaltungen sammeln. Frühere Münzen bis ca. 1870 sollte man in „vz“ anstreben und bei älteren Stücken kann auch „ss“ schon Freude machen. Welche Kompromisse ein Sammler gewillt ist einzugehen, hängt schließlich vom verfügbaren Angebot und auch dem Geld ab, das man bereit ist zu investieren. Münzen, die grobe Fehler (z. B. Löcher) aufweisen, sollten nur in Ausnahmefällen als so genannte „Belegstücke“ Eingang in die Sammlung finden, wenn ein gut erhaltenes Stück finanziell unerschwinglich ist.


Spätere Nachprägung eines sächsischen Sophiendukats 1616, der nachträglich mit einer Öse versehen und als Schmuck getragen wurde.

Münzen wurden schon in früheren Zeiten gern als Schmuck an einer Kette getragen. Im schlimmsten Falle wurden sie dazu durchbohrt. Häufig wurden sie mit einem Henkel versehen, der direkt an die Münze gelötet oder in einer teilweise aufwendigen und kunst- vollen Fassung befestigt wurde. Solche Münzen sind nicht in jedem Fall wertlos, besonders Stücke vor 1800. Man sollte solche Stücke so belassen wie sie sind. Denn beim Entfernen des Henkels bleiben immer Reste zurück, die man „Henkelspuren“ nennt.


Doch wie gesagt, Münzsammler sind Individualisten. Es gibt hier wahre „Erhaltungs-Fetischisten“, die der kleinste Mangel stört. Andere sehen die Dinge lockerer. Was dem einen schon zu schäbig erscheint, mag den anderen gefallen. Und Freude ist in jedem Fall – auch in Bezug auf die Qualität – das wichtigste Kriterium allen Sammelns.