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Leitfaden Münzensammeln: Qualität und Erhaltungsgrade, Teil 4


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Sehr gut erhalten und „gut erhalten“ – „s.g.e.“ / „g.e.“

In beiden Fällen sind die Bezeichnungen nicht nur geschönt, sondern gänzlich irreführend. Bei derart beschriebenen Stücken wird vorausgesetzt, dass man gerade noch die Identität der Münze, also Herrscher und Land noch bestimmen kann. Diese Münzen gehören nicht in eine Sammlung. Man kann solche Münzen als so genannte „Belegexemplare“ in die Sammlung aufnehmen, wenn es von diesem Herrscher oder Typ keine besseren Stücke gibt. Die Abkürzung „s.g.e.“ oder „g.e.“ kann schlicht und einfach auch als „gering erhalten“ ausgelegt werden, was der Realität näher kommt als der Begriff „gut“. Noch zutreffender wäre der Begriff „schlecht“ oder gar „sehr schlecht erhalten“. Auch in anderen Sprachen lauten die Erhaltungsgrade ähnlich und werden ebenso wie im Deutschen geschönt.

Es gibt vielleicht noch einige Besonderheiten, die der Vollständigkeit halber erwähnt werden sollen.

5 Mark mit dem Erhaltungsgrad „gering erhalten“.

Handgehoben

Manche Münzprägestätten, wie Österreichs Münze, deklarieren ihre Stücke als „handgehoben“. Dies bedeutet, dass die Stücke besonders vorsichtig nach dem Prägen aufgefangen wurden und nicht in ein Behältnis zu anderen Münzen gefallen sind, wo sie sich gegenseitig beschädigen, wie bei vielen bundesdeutschen Gedenkstücken. Diese Stücke sind natürlich immer etwas teurer, aber wegen der hohen Qualität auch beliebt.


Ohne Fehl und Tadel sind Österreichs handgehobene Münzen, die in einem Blister verkauft werden.

Grau ist alle Theorie – auch bei den Erhaltungsgraden

Bei den Erhaltungsgraden werden manchmal auch römische Ziffern zur Abkürzung verwendet. Doch hier gibt es von Land zu Land und selbst von Firma zu Firma Unterschiede. So werden die „PP“ mal mit „0“ oder auch mit „I“ bezeichnet, entsprechend verschiebt sich das Nummerngefüge. Wird bei den „PP“ mit „0“ begonnen, so bedeutet eine „I“ Stempelglanz oder „unzirkuliert“ bzw. eine „II“ vorzüglich. Beginnt man bei „PP“ mit „I“, so ist mit der „II“ Stempelglanz gemeint und vorzüglich ist „III“. Es empfiehlt sich daher, immer auch das „Kleingedruckte“ in Katalogen und Preislisten genau anzusehen.


Zutreffend formuliert der Volksmund: „Grau ist alle Theorie“, was auch auf die Festlegung der Erhaltungsgrade von Münzen zutrifft. Man muss auch hier Erfahrungen mit dem Material sammeln.


Es gibt für subjektive Dinge keine exakten wissenschaftlichen Kriterien und Prüfmethoden, so auch für diese Erhaltungsgrade. Sie festzulegen, ist immer eine Sache des persönlichen Empfindens. Im Handel und bei Tauschgeschäften unter Sammlern ist es letztlich eine Frage, wie und auf welchem Preisniveau man sich einigt.


Qualitätskriterien bei Medaillen und Banknoten

Sie haben nun die wichtigsten Definitionen für die Beurteilung der Qualität von Münzen kennengelernt. Sie gelten zugleich auch für Medaillen, doch da diese von vornherein nicht zum Umlauf produziert wurden, sind hier besonders strenge Maßstäbe anzuwenden. Dies trifft auch für Stücke zu, die 50, 100 oder noch mehr Jahre alt sind.


Bei den Banknoten gilt das gleiche wie bei Münzen. Qualität ist – von Ausnahmen abgesehen – wichtiger als Seltenheit. Mit der Einführung des Euro haben 300 Millionen Menschen neue, druckfrische Scheine erhalten. Sehen Sie in Ihr Portmonee und stellen Sie fest, welcher Geldschein wirklich noch „kassenfrisch“ ist, so wie er die Druckerei verließ und an die Bankschalter kam.


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