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Leitfaden Münzensammeln: Prägezahlen bzw. Auflagehöhen, Pseudomünzen und Verkauf einer Sammlung


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


In den Katalogen und auch im Neuheitenteil der Fachzeitschriften finden wir neben anderen Daten, wie Nominalwert, Metall, Durchmesser und Gewicht auch die Prägezahlen bzw. Auflagehöhen von Münzen. Diese Zahl sagt aus, wieviel Münzen tatsächlich geprägt wurden oder in welchem Rahmen sich die Prägung gesetzlich bewegen darf. Die Prägezahl bestimmt in gewisser Weise die Seltenheit einer Münze. Bei den Neuheiten müssen die Ausgabebanken sehr gut überlegen, welche Prägezahl optimal ist. Werden zu wenige Stücke geprägt, so sind die Sammler unter Umständen verprellt, werden zu viele Stücke gefertigt, kann die Nachfrage fehlen und man bleibt auf einem Teil der Auflage sitzen.


Bei alten Münzen ist kaum bekannt, wie viel tatsächlich einmal geprägt wurden. Hier finden wir in der Literatur und Angebotslisten dann Seltenheitsangaben, wie R (von: Rarität oder rar) aber auch RR oder RRR. Unter R wird verstanden: Das Stück ist selten, RR bedeutet, dass das Stück sehr selten ist und RRR steht für „Stück ist von außerordentlicher Seltenheit“. In einigen Ländern gibt es ein Zahlensystem von R1 bis R8. Während R1 für selten verwendet wird, besagt R 8, dass weniger als fünf Exemplare bekannt sind.


Bei den meisten Münzen des 19. und 20. Jahrhunderts sind die Prägezahlen bekannt und in den Katalogen aufgeführt. Doch niemand vermag zu sagen, wie viel Stücke bis heute erhalten geblieben sind und dem Sammlermarkt noch zur Verfügung stehen. So kann durchaus eine Münze, von der mehrere 100.000 Stück geprägt wurden, heute sehr selten zu finden und entsprechend teuer sein.


Pseudomünzen

Von nicht wenigen Ländern gibt es so genannte „Pseudomünzen“. Die Münzen werden nur für Sammlerinnen und Sammler geprägt, und die Staaten haben nicht einmal eine entfernteste Beziehung zu dem Thema der Ausgabe. Auf solche Stücke wurde schon kurz eingegangen. Bei solchen Prägungen wird oft mit dem Argument „niedrige Auflage“ oder „nur ... geprägt“ geworben. Solche Münzen sind nur theoretisch Zahlungsmittel. Ein Münzhändler berichtete von einer Urlaubsreise auf eine Südsee-Insel, wo er solche „Raritäten“ zum Bezahlen einer Rechnung verwenden wollte. Dieser Versuch endete auf einer Polizeistation, weil niemand je eine solche Münze im Lande gesehen hatte.


Für „Papstsammler“ produziert: Fantasiestück zu 30 ECU statt Zloty, allerdings mit Rechtschreibfehler ...

Fließende Grenzen

Auf Seite 43ff. wurde an Beispielen erklärt, dass bei vielen Ländern der Nominalwert, also der angegebene Geldwert der Münze oft in keinem Zusammenhang mehr zu dem Metallwert oder Kaufpreis steht. Keiner übersieht mehr, wo neue Rekorde bei fiktiven Wertangaben gebrochen werden. Leider hatte auch die Bundesrepublik Deutschland den Pfad der „realistischen Nominalwerte“ im Jahre 2001 verlassen, als man eine „goldene 1- DM-Münze“ ausgab, was die Sammler vergeblich zu verhindern versuchten.


Der Begriff „Pseudomünze“ ist nicht klar definiert, wie viele andere Begriffe, auf die sich Sammler stillschweigend geeinigt haben, denken wir nur an Erhaltungsgrade. Ein Kardinalproblem ist, dass heute viele Münzen private Ausgaben sind, was vor 50 Jahren z. B. noch undenkbar war. Private Firmen erhalten von staatlichen Behörden eines Landes die Genehmigung, unter dem Landesnamen Münzen auszugeben. Hier gibt es unbewohnte Inseln oder solche mit ein paar Hundert Bewohnern, nicht selten mit Königin Elizabeth II. als Staatsoberhaupt. Wird die Genehmigung des Buckingham-Palace erteilt, darf die „Queen“ auf einer Münze erscheinen.


Bei manchen afrikanischen Staaten, die gar keine funktionsfähige Regierung haben oder wo kein Mensch sich darum kümmert, ob Münzen mit dem Staatsnamen und Wappen erscheinen, kommt es schon mal vor, dass die Landeswährung Schilling ist, die Phanta- siemünze hingegen auf Dollar lautet. Schließlich gibt es sogar „Münzen“ von nicht existierenden Staaten oder Gebieten, die keine eigene Währung ausgeben dürfen.

Absoluter „Schrott“ sind auch Proben und Essay-Stücke, die auf Euro lauten. Einige Länder wie Polen gehen gegen die „Produzenten“ von „polnischen Euro“ konsequent vor, andere Staaten unternehmen nichts. In Deutschland sollte eigentlich die „Medaillenverordnung“ greifen, die verbietet, dass irgendwelche Stücke durch Angabe von Zahlen einen Geldwert vortäuschen. In der Praxis passiert oft nichts, denn wie das Sprichwort sagt, gibt es ohne Klä- ger auch keinen Richter.


Den Begriff „Pseudomünze“ verwenden einige konsequente Numismatiker sogar für solche Stücke, die nicht problemlos von der Ausgabebank beschaffbar sind. Bei ukrainischen Münzen beispielsweise können die Sammler vor Ort ein Lied davon singen, wie man bei der Bank abgespeist wird, wenn man die Neuheiten haben will. Münzen sind Visitenkarten eines Landes. Nicht nur die Motive geben Auskunft zu dem Ausgabeland, auch die Ausgabepraxis. Für Rumänien ist es nicht sehr schmeichelhaft, dass die Prägezahlen manchmal nur 250 Stück oder noch weniger betragen, bei immerhin 21,6 Millionen Einwohnern. Es liegt auf der Hand, dass diese Münzen nicht für den Verkauf bestimmt sind, sondern irgendwo „versickern“.


Viele Sammlerinnen und Sammler stört dies aber nicht, sie sammeln, was ihnen gefällt, auch Pseudomünzen. Doch um auf das Ausgangsthema zurückzukommen, derartige Prägungen stellen meist keine Wertanlage dar, auch wenn Ausnahmen die Regel bestätigen.


Scheiden tut weh – der Verkauf der Sammlung

Leider gelingt es nur relativ wenigen Sammlern, Kinder oder Enkel an ihr geliebtes Hobby heranzuführen. Immer wieder wird beklagt, dass sich niemand in der Familie für die Schätze interessiert. Dennoch wird fleißig weiter gesammelt, kaum ein Sammler trennt sich ohne Not von seinen Stücken. Und so werden manchmal vermeintliche oder wahre Schätze vererbt, die dann beim Münzhändler landen, um verkauft zu werden.


Wer sich von seiner Sammlung oder Teilen trennen will, sollte sich gut beraten lassen. Bei einigen gängigen Gebieten kann man einen anderen Privatsammler suchen, der bereit ist, z. B. Bundesrepublik oder DDR komplett zu kaufen. Doch häufig sind die Angebote gar nicht so lukrativ und ein ehrlicher Händler hätte unter Umständen gar den gleichen Preis, vielleicht sogar mehr bezahlt?


Man sollte sich daher stets mehrere Angebote im Handel einholen, dies gilt besonders dann, wenn es sich nicht um gängige Standardware handelt. Der Verkauf an einen Händler bietet gewöhnlich den Vorteil, dass dieser alles übernimmt, auch Literatur und Zubehör. Bei besonders wertvollen Sammlungen sollte man sich bei einem Auktionshaus erkundigen, ob und zu welchen Bedingungen man diese versteigern lassen kann. Hier bekommt man unter Umständen höhere Preise als beim Direktverkauf, aber es können auch einige Dinge unverkauft bleiben. Und auch auf den Verkaufserlös muss man unter Umständen längere Zeit warten, was sich jedoch meist ganz gut rechnet, wenn man das Geld nicht sofort braucht.