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Leitfaden Münzensammeln: Münzen als Wertanlage, Teil 1


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Münzen sammeln soll in erster Linie Freude machen. Wer eine größere Erbschaft gemacht hat oder mehr verdient als er ausgeben kann und will, sollte zur Geldanlage die Dienste von Finanzberatern in Anspruch nehmen. Banken oder seriöse Anlage-Spezialisten werden eine Vielzahl von Produkten zur Auswahl anbieten. Es gibt sehr sichere Wege, sein Vermögen mit kleinen Renditen schrittweise zu erhöhen, aber auch waghalsige Experimente mit hohem Risiko. In den letzten Jahren haben einige ein Vermögen mit Aktien, speziell beim „Neuen Markt“ gemacht, andere Sparer wiederum steckten das Geld in als sicher angepriesene Aktienfonds – und haben viel verloren.


Wer ohne Sachkenntnis wahllos Münzen kauft, wird mit hoher Sicherheit mehr verlieren als gewinnen. Und seriöse Münzhändlerinnen und Münzhändler werden und können auch garantiert keine „todsicheren“ Tipps für Münzen geben, die man – wie Aktien – nur kaufen und liegenlassen muss.


Immer wieder wird berichtet, dass Investitionen in Münzen auf lange Sicht hohe Renditen bringen, sogar Immobilien in dieser Hinsicht überflügeln. Diese Aussage ist sicherlich nicht prinzipiell falsch, kann aber auch nicht ohne weitere Erklärungen hingenommen werden. Wer beispielsweise in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts Reichsmünzen in bester Qualität gekauft hat, konnte sie Ende 2000 mit einem riesigen Gewinn verkaufen, unter Berücksichtigung von Zins und Zinseszins. Doch vielleicht wäre die Investition in Bauland noch günstiger gewesen, wer kann das schon nachrechnen? Doch mit Sachkenntnis und etwas Glück kann man sein Geld sehr wohl gewinnbringend in Münzen anlegen, nur ist es wie bei der Liebe – erzwingen lässt sich hier nichts.


Die „goldenen Sechziger“ für Münzsammler

Wie schon berichtet, gab es in den 1960er Jahren einen „Boom“ bei Münzen. Die Leute in Ost und West verdienten mehr und konnten sich auch einem nicht ganz billigen Hobby zuwenden. Mit steigender Sammlerzahl verknappte sich das Angebot bei gesuchten Mün- zen sehr schnell, entsprechend stiegen die Preise. Besonders deutsche Münzen der Weimarer Republik und des Kaiserreichs wurden immer teurer, weil es keinen „natürlichen“ Nachschub gab, wie auch bei Grund und Boden.


Zu Beginn des „Dritten Reichs“ wollte kein Münzhändler die Münzen der Weimarer Republik kaufen, wie man aus dem Tagebuch von Viktor Klemperer erfahren kann. Er war froh, als er bei der Reichsbank 1934 seine Gedenkmünzen von 1925 bis 1932 gegen Geldscheine umtauschen konnte, um Rechnungen zu begleichen. Und die Bergarbeiter im Ruhrgebiet freuten sich keineswegs darüber, als sie 1952 eine silberne Gedenkmünze zu 5 DM auf das Germanische Nationalmuseum in ihren Lohntüten fanden. Immer wieder wurde darüber berichtet, dass diese heute heiß begehrten Prägungen bei den Banken liegen blieben, weil niemand sie haben wollte.


Ein alter Sammler erzählte, dass er 1964 einige „Fichte“ (5 DM) bei der Bank erhalten hatte und diese nach zwei Jahren für 12 DM verkaufen wollte. Er fand keinen Käufer, immerhin wollte er mehr als 100% verdienen. Doch schon nach wenigen Jahren wendete sich das Blättchen bei dieser Münze und er hat schließlich nicht die „ganz schnelle Mark“, aber ein gutes Geschäft damit gemacht.

5-DM-Gedenkmünze J. G. Fichte von 1964.

Anders sieht es mit den Gelegenheitssammlern aus, die 1972 die 10-DM-Gedenkmünzen auf die Olympischen Spiele in München in großen Mengen „weggelegt“ hatten. Für die meisten dieser Stücke wollte zum Ende der DM kein Händler mehr als 10 DM geben. Bei nur 3 % Zinsen verdoppelt sich das Kapital in 20 Jahren. Normalerweise hätte ein Silberzehner der Olympischen Spiele bei der Einführung des Euro mehr als 20 DM wert sein müssen. Dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass es auch 1972 schon interessantere Anlageformen gab, bei der mehr als „mickrige“ 3 % Zinsen herausgekommen wären. Erst mit Einführung des Euro gaben viele Gelegenheitssammler enttäuscht ihre „Schätze“ von 1972 zur Bank, zum Nominalwert. Und viele schworen sicher, nie wieder etwas in Münzen zu investieren. Wer jedoch 1972 andere Münzen gekauft hätte, könnte sich heute sicher über einen schönen Gewinn freuen. Doch wie oft im Leben nutzt die Überlegung „Hätte man nur ...“ nichts.


DDR-Münzen hoch im Kurs

Gedenkmünzen gab es auch in der DDR, die ersten erschienen 1966. Sie waren von den Sammlern in der DDR sehr gesucht und schwer zu bekommen. Doch die Nachfrage im Westen hielt sich sehr in Grenzen, obwohl sie teilweise sehr gut gestaltet waren und viele interessante Motive und Persönlichkeiten der gesamtdeutschen Geschichte zum Gegenstand hatten. Auch die Prägezahlen waren, besonders im Vergleich mit Gedenkmünzen der Bun- desrepublik, sehr klein. In der DDR gelangten die meisten der Gedenkmünzen nie regulär an die Bankschalter. Nur ausgewählte Personen erhielten sie zum Nennwert. Der Kulturbund der DDR hatte durchgesetzt, dass er für die organisierten Numismatiker ein gewisses Kontingent bekam. Schließlich wurden 6.000 Stück pro Auflage zum Nominalwert plus 1 Mark für das Etui und eine weitere Mark Schreibgebühren an die Mitglieder verteilt. Wer sich als Sammler in den örtlichen Kulturbund-Fachgruppen am Vereinsleben aktiv beteiligte, hatte eine reale Chance, diese Münzen praktisch zum Nominalwert zu erhalten. Selten hat sich die Mitgliedschaft in einem Verband so gut gerechnet wie für die Kulturbund-Numismatiker. Allerdings gab es auch nicht selten „böses Blut“ bei der Verteilung.


Nach dem Fall der Mauer stiegen Nachfrage und folglich die Preise für fast alle DDR-Münzen drastisch an. Nur die ganz häufigen Kupfernickelprägungen, so einige 10- und 20-Mark-Stücke, erwiesen sich später als unverkäuflich. Vom Wendeherbst bis zum Sommer 1990 stieg der Preis für eine komplette Münzsammlung der DDR mit 123 Typen (ohne Kleinmünzen) auf über 30.000 DM. Bis zum Mauerfall kosteten sie in der DDR gerade einmal 12.000 Mark der DDR. In der Bundesrepublik wurde damals im Ankauf oft nur der Nominalwert 1:1, und das auch nur für die besseren Stücke in DM bezahlt ...


Ähnlich wie die DDR-Briefmarken wurden die Münzen schnell Objekt der Spekulation, doch was hoch steigt, kann auch tief fallen. Alsbald beruhigte sich der Markt wieder. Vor wenigen Jahren kostete die Komplettsammlung noch 6.000 Euro, heute ist sie deutlich günstiger zu bekommen. Nach mehr als 20 Jahren hat die junge Generation keinerlei emotionale Bezie- hung mehr zu jener zweiten deutschen Republik, die 1990 abgewählt wurde. Wer jedoch in DDR-Zeiten im Kulturbund die Stücke fast zum Nominalwert erworben hatte, kann auch heute noch auf eine schöne Rendite schauen.


Neuheitenflut – Auswahl tut not

Immer wieder gibt es Gebiete oder Einzelmünzen, bei denen die Preise unaufhörlich steigen, weil die Auflage begrenzt und die Nachfrage immens ist. Schon in den sechziger Jahren ha- ben viele Staats- und Nationalbanken schnell erkannt, dass man mit Sammlermünzen ordentlich verdienen kann.


Von vielen westeuropäischen oder US-Münzen und Ausgaben anderer Länder könnte man berichten, die bei Ausgabe sehr günstig zu haben waren, dann aber schnell im Preis stiegen. Die Gunst der Sammler ist nie vorauszuplanen. Mal wurde der „Polarbär“ aus Kanada in preislicher Hinsicht in die Höhe getrieben, dann schienen alle Sammler das „Weiße Haus“, eine Dollarmünze der USA, für sich entdeckt zu haben. Solche Preisbewegungen, und zwar sowohl auf als auch ab, gab es immer. Wer Münzzeitschriften der 60er und 70er Jahre aufgehoben hat und durchsieht, wird von Booms oder Krisen ganzer Gebiete lesen können.


So wie bei Aktien ist auch bei Einzelmünzen und Gebieten eine todsichere Prognose unmöglich. Es gibt auch in der Numismatik Leute, die immer den „richtigen Riecher“ für einzelne Münzen und Gebiete haben, andere hingegen kaufen immer das falsche Material zum ungünstigsten Zeitpunkt. In dieser Hinsicht haben Aktien einiges gemeinsam mit Münzen. Und Münzbörsen, so wenig sie sonst mit dem klassischen „Parkett“ zu vergleichen sind, zeigen schnell, ob man das „große Geschäft“ gemacht oder „mit Zitronen“ gehandelt hat.


Jährlich erscheinen Unmengen von Münzneuheiten aus aller Welt. Manche Staaten überschütten die Sammler förmlich mit Neuausgaben, einige sind zurückhaltender. Münzen werden als Produkte sehr professionell „vermarktet“, ähnlich wie Waschpulver oder Bier. Die wirklich interessanten Stücke herauszufinden, die preislich „etwas werden können“, erfordert eine „gute Nase“, die der eine hat, der andere aber nie bekommen wird. Auch ein bisschen Glück gehört dazu. Doch eigentlich ist die Wertentwicklung ja nicht der wichtigste Aspekt für die Sammlerin oder den Sammler.