• Michael Kurt Sonntag

Leda und der Schwan in Numismatik und Kunst

Der antiken griechischen Mythologie zufolge war Leda die Tochter des aitolischen Königs Thestios und der Eurythemis, sowie die Gemahlin des spartanischen Königs Tyndareos. Da Zeus ein Auge auf die schöne Leda geworfen hatte, verwandelte er sich in einen Schwan und erzählte ihr, er werde von einem schrecklichen Adler verfolgt. Daraufhin bot Leda ihm Schutz an und nahm ihn bei sich auf. Zeus aber verführte sie in Schwanengestalt, einer anderen Version nach vergewaltigte er sie, und zeugte so zwei Sprösslinge. Leda, die in derselben Nacht allerdings auch mit ihrem Mann schlief, brachte nach einiger Zeit zwei Eier zur Welt. Aus einem schlüpften die Zeuskinder Helena und Polydeukes und aus dem anderen Klytaimnestra und Kastor.


Einer weiteren Version zufolge schlüpften Kastor und Polydeukes aus demselben Ei. Nun, wie dem auch sei, Polydeukes und Kastor waren Zwillinge und bis zu ihrem Lebensende unzertrennlich, d. h. Polydeukes war im Gegensatz zu Kastor unsterblich, da er von Zeus und Kastor von Tyndareos stammte. Helena, die später wegen ihrer außerordentlichen Schönheit viel gerühmt wurde, heiratete den Spartanerkönig Menelaos, wurde aber bald darauf vom Trojanerprinzen Paris entführt und nach Troja gebracht, was dann von den Griechen zum Anlass für den Trojanischen Krieg genommen wurde. Doch das ist eine andere Geschichte.


Obwohl der Mythos von Leda und dem Schwan den alten Griechen auch sehr geläufig gewesen sein dürfte, so fand er in der antiken griechischen Numismatik kaum Niederschlag. Die einzige Münze, die Leda und den Schwan thematisiert, ist nämlich eine Elektron Hekte des 4. Jh. v. Chr. aus dem mytilenischen Lesbos, die vorderseitig das nach rechts gewandte Porträt Ledas und rückseitig einen nach rechts stehenden Schwan zeigt, der einen Flügel hoch hebt und seinen Kopf zurückwendet. (Abb. 1)


Mytilene (Lesbos). Hekte (377-326 v.Chr.), Elektron, 2,49 g, 10 mm, Münzstätte Mytilene. [Bildquelle: Classical Numismatic Group – Triton XII (6. Juni 2009), Los 285].

Nun könnte man zwar annehmen, dass die junge Frau, die auf einem nach links schwimmenden Schwan lagert, ebenfalls Leda ist, zumal die Frau und der Schwan sehr vertraut wirken und schließlich auch Europa auf dem in einen Stier verwandelten Zeus ritt. Allein die Fachwelt interpretiert diese Frau als die Nymphe Kamarina und nicht als Leda. Vorderseitig ist der Flussgot Hipparis abgebildet. (Abb. 2)



Kamarina (Sizilien). Didrachmon (um 415-410 v. Chr.), Silber, 8,55 g, 21 mm. [Bildquelle: Numismatica Ars Classica, Auktion 72 (16. Mai 2013), Los 301].

Um Leda handelt es sich dann erst wieder bei der nachfolgenden römischen Provinzialprägung aus Nikomedia in Bithynien, die zur Regierungszeit des Kaisers Severus Alexander geprägt wurde.

(Abb. 3)

Römisches Kaiserreich / Provinzialprägung unter Severus Alexander (222-235). Nikomedia, Bithynien. Bronzenominal (222-235), 4,97 g, 18 mm, Münzstätte Nikomedia. [Bildquelle: G&M, Auktion 191 (11. Oktober 2010), Los 1787].

Auf dieser sehen wir rückseitig die halbnackt von vorn stehende Leda, die ihren Blick dem Schwan zuwendet und mit ihrer Linken den Gewandzipfel hält, an dem der Schwan mit seinem Schnabel zieht. Gekoppelt ist diese Rückseite mit der strahlenbekränzten Porträbüste des Kaisers Severus Alexander.


Durch die bildende Kunst späterer Jahrhunderte wurde der Leda- und Schwan-Myhtos jedoch so populär, dass sogar die Numismatik des 20. und 21. Jahrhunderts diesen wieder aufgriff. So finden wir beispielsweise auf der Rückseite einer spanischen 80.000-Pesetas-Goldmünze von 1995 ein Bildmotiv von Leda und dem Schwan. (Abb. 4)


Königreich Spanien, Juan Carlos I., 80.000 Pesetas, Gold 999er, 27 g, 37 mm, Münzstätte Madrid, Auflage: max. 5.000 in PP. [Bildquelle: MA-Shops, Emporium Hamburg].

Ein Bildmotiv, das offensichtlich dem Gemälde „Leda Atomica“ von Salvador Dali (1904-1989) aus dem Jahre 1949 nachempfunden wurde und das einen um die nackt sitzende Leda schwebenden Schwan zeigt. Übrigens, das Porträt der Leda trägt die Züge von Dalis Frau Gala. (Abb. 5)


„Leda Atomica“ (1949). Salvador Dali (1904-1989). Standort: Dali Theatre and Museum, Figueres, Spanien. [Bildquelle: Wikipedia].

Und auch die Cook Islands emittierten 2014 im Rahmen der Serie „Masterpieces of Art“ eine 20-$-Silbermünze auf Leda mit dem Schwan. (Abb. 6)


Cook Islands, 20 $ 2020, Silber 999er, teilweise farbig, mit 17 Swarovski® Kristallen, 93,30 g (3 oz. fein), 55 mm, Münzstätte Cook Islands. [Bildquelle: MA-Shops, Kapaan & Mades, Bochum].

Die Leda, die hierauf dargestellt ist, ist eine Wiedergabe des berühmten Rubens-Gemäldes „Leda mit dem Schwan“ (1598-1600), das sich heute in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden befindet. (Abb. 7)


„Leda mit dem Schwan“ (1598-1600). Gemälde von Peter Paul Rubens (1577-1640). Standort: Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden. [Bildquelle: Wikimedia Commons].

Die jüngste und bisher letzte Münze, die diesen antiken Mythos aufgreift, ist eine zypriotische 5-€-Silbermünze von 2020. (Abb. 8)


Republik Zypern, 5 € 2020, Silber 925er, 28,28 g, Ø 38,61 mm, Münzstätte Bank of Greece/Printing Works Department, Athen. [Bildquelle: Central Bank of Cyprus, Zypern].

Auf dieser erblicken wir eine mosaikartige Darstellung von Leda und dem Schwan, die jedoch kein Phantasieprodukt eines modernen Münzdesigners ist, sondern in der Tat ein antikes Mosaik nachbildet. (Abb. 9)


Antikes Bodenmosaik „Leda und der Schwan“ [Detail] (ca. 3. Jh. n. Chr.) aus dem Heiligtum der Aphrodite aus Alt-Paphos. Standort: Museum von Zypern, Nikosia. [Bildquelle: Ken and Nyetta, Wikimedia Commons].

Das Bodenmosaik, auf dem Leda und der Schwan ein eindeutiges Interesse für einander zeigen, entstand wohl im 3. Jh. n. Chr. als Teil des Heiligtums der Aphrodite aus Alt-Paphos auf Zypern. Heute wird es im Museum von Zypern in Nikosia aufbewahrt.



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