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Künker Frühjahrs-Auktionen 2021: 2.300 Bieter, von 4,8 auf 9,3 Mio.

Künker, Osnabrück

Frühjahrs-Auktionen 347 bis 349

22. März - 26. März 2021


Dank der 2.300 Bieter aus aller Welt beträgt der Gesamtzuschlag für die letzte Künker-Auktion fast das Doppelte der Schätzung. Ein Grund dafür waren die herausragenden Sammlungen. Wir stellen Ihnen die Top Five aus Sammlung Tesmer Brandenburg-Preußen vor sowie die Top Three der einzigartigen Sammlung von Münzen aus Alexandrien.


Die Künker Frühjahrs-Auktionen 2021 bestätigen, dass die Preise aktuell auf einem Allzeit-Hoch sind. Das Gesamtergebnis addierte sich auf 9,3 Mio. Euro und betrug damit knapp das Doppelte der Schätzung von 4,8 Mio. 2.300 Bieter aus aller Welt nahmen an der Auktion teil, viele von ihnen live über das Internet.

Wir präsentieren Ihnen in diesem Nachbericht die Höhepunkte aus zwei besonderen Sammlungen:

Wir beginnen mit den Top Three unter den Münzen des römischen Alexandria aus der Sammlung eines Altertumswissenschaftlers.

Es folgen die Top Five aus der Sammlung Tesmer von Münzen aus Brandenburg-Preußen, und zwar vor der Erlangung der Königswürde. Die Preise, die hier realisiert wurden, geben einen Vorgeschmack darauf, was wir zu erwarten haben, wenn im Herbst der zweite Teil dieser einzigartigen Kollektion auf den Markt kommt.

Wie immer schließen wir unseren Bericht mit einer kleinen numismatischen Kostbarkeit, die für ein Taschengeld zu haben gewesen wäre. Denn auch wenn sechsstellige Preise natürlich beeindruckend klingen, ist die historische Bedeutung einer Münze vom Preis unabhängig. Münzsammeln macht eben Spaß - und das in jeder Preiskategorie.


Münzen des römischen Alexandria: Die Sammlung eines Altertumswissenschaftlers

Münzen aus Alexandria sind eindeutig die Favoriten der Sammler, wenn es um Prägungen der römischen Provinzen geht. Die Preise, die in diesem Bereich erzielt werden, sind enorm. Fünfstellige Ergebnisse sind keine Seltenheit.

So gab es unter den 325 Nummern alexandrinischer Münzen der Auktion Künker 347 allein neun Lose, die es auf ein fünfstelliges Ergebnis brachten; elf Münzen realisierten ein Ergebnis zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Dies ist insofern von Bedeutung, als Münzen des römischen Alexandrien nichts sind, was für Investoren interessant sein könnte: Sie sind dazu nicht attraktiv genug, und um ihre wahre Bedeutung schätzen zu können, braucht es ein profundes Vorwissen: Deshalb können wir davon ausgehen, dass ausschließlich Sammler auf die alexandrinischen Münzen boten. Trotzdem explodierten die Preise, ein Zeichen dafür, dass der Münzmarkt nicht nur wegen der Investoren so stark ist, sondern weil ihn eine breite Schicht von Sammlern trägt.

185 - Alexandria. Antoninus Pius, 138-161. Drachme, Jahr 8 (= 144/5). Aus Sammlung Dattari. Sehr selten. Sehr schön. Taxe: 4.000,- Euro. Zuschlag: 19.000,- Euro.

Römisches Alexandrien: Platz 3

Zur drittteuerste Münze der Sammlung wurde mit einem Zuschlag von 19.000 Euro ein Stück aus der berühmten astronomischen Serie des Antoninus Pius. Die Rückseite „Jungfrau mit Aszendent Merkur“ lag dabei knapp vor dem „Wassermann mit Aszendent Saturn“ (18.000 Euro) resp. dem „Widder mit Aszendent Mars“ (14.000 Euro).

Übrigens, vor der Künker Auktion war die teuerste Münze der astronomischen Serie eine Drachme „Wassermann mit Aszendent Saturn“, die 2018 mit 13.000 $ resp. knapp 11.000 Euro zugeschlagen wurde.

192 - Alexandria. Antoninus Pius, 138-161. Drachme, Jahr 8 (= 144/5). Aus Sammlung Dattari. Sehr selten. Sehr schön. Taxe: 5.000,- Euro. Zuschlag: 22.000,- Euro.

Römisches Alexandrien: Platz 2

22.000 Euro erzielte die Drachme des Antoninus Pius, die auf ihrer Rückseite den gesamten Sternkreis abbildet. In der Mitte sind die Büsten von Helios und Selene dargestellt, die an den Dualismus der ägyptischen Zeitrechnung erinnern. In Ägypten wurde der bürgerliche Kalender nach Sonnenjahren berechnet, der religiöse nach Mondjahren. Wenn beide Kalender nach 1460 Jahren wieder zusammenfielen, war eine Sotis-Periode vergangen. Dieses Ereignis fand unter Antoninus Pius statt, und zwar nicht im Jahr der Prägung dieser eindrucksvollen Münze, sondern am 19. Juli 139, also zu Beginn des zweiten Regierungsjahrs des Herrschers.

Das Fest wurde in ganz Ägypten mit vielen Festen und Zeremonien begangen. Dies könnte zur Folge gehabt haben, dass sich viele Ägypter für Astronomie und Astrologie interessierten. Dieses Fach beforschte zur Zeit des Antoninus Pius der Mathematiker, Astronom und Geograph Claudius Ptolemaios am Museion von Alexandria. Wir kennen diesen Wissenschaftler vor allem deshalb, weil sein Weltbild in der ganzen westlichen Welt galt, ehe es Galileo Galilei aus den Angeln hob. Doch Claudios Ptolemaios entwickelte nicht nur die Vorstellung von Gestirnen, die an konzentrischen kristallinen Sphären um die Erde kreisten. Er hatte erstmals die Idee, das Horoskop nicht ausschließlich auf dem Sternbild, sondern auf den Aszendenten zu beziehen.

Vielleicht standen also seine Berechnungen hinter den Motiven, die auf der astronomisch-astrologischen Serie des Antoninus Pius zu sehen sind.

(165 - Alexandria. Antoninus Pius, 138-161. Drachme, Jahr 5 (= 141/2). Sehr selten. Sehr schön. Taxe: 5.000,- Euro. Zuschlag: 38.000,- Euro.

Römisches Alexandrien: Platz 1

Die teuerste Münze der Sammlung, und damit die drittteuerste jemals versteigerte alexandrinische Münze wurde mit einem Zuschlag von 38.000 Euro eine Drachme, die auf der Rückseite den Sieg des Herakles über den kretischen Stier zeigt. Sie wurde unter Antoninus Pius geprägt und gehört in die Serie, auf der die Taten des Herakles verherrlicht wurden.

Diese Serie ist keine Referenz gegenüber dem Herakles-Mythos. Es handelt sich um reine Herrscherpropaganda. Herakles wurde nämlich als Inbegriff des uneigennützigen Vorkämpfers für das Wohl der Menschheit verstanden. Der Mythos von Herakles am Scheideweg war in römischer Zeit weit verbreitet. Er schildert die Entscheidung des Herakles, gegen ein bequemes, aber ruhmloses Leben, für ein anstrengendes Leben, an das sich die Menschheit noch lange erinnern wird. Dieser Mythos wurde bis in den Barock als Gleichnis für das harte Leben eines Herrschers bemüht. Was angesichts des Luxuslebens, das manche Barockfürsten führten, wie Hohn klingt, trifft durchaus die Situation des Antoninus Pius. Er war bereits vor Herrschaftsantritt ein reicher Mann und hätte sein Leben ruhig in Luxus verbringen können, hätte ihn Hadrian nicht überzeugt, seine Nachfolge anzutreten. Kaiser zu sein, war eine mühevolle Aufgabe für diejenigen, denen es ernst damit war. Sie brauchte den Vergleich mit den Taten des Herakles nicht zu scheuen.


Brandenburg-Preußen: Die Sammlung Tesmer

Kommen wir zu den Münzen der Sammlung Tesmer. Brandenburg-Preußen ist aktuell ein äußerst beliebtes Gebiet, was sich an den Preisen zeigt. 60 Stücke knackten die 10.000 Euro Grenze!

Wir stellen hier die fünf teuersten Stücke der Sammlung vor. Bei gleichem Zuschlag haben wir der Münze den höheren Platz eingeräumt, die gegenüber ihrer Schätzung eine größere Steigerung erlebte.

2660 - Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, 1640-1688. Sehr selten. Vorzüglich. Taxe: 20.000,- Euro. Zuschlag: 44.000,- Euro.

Sammlung Tesmer: Platz 5

Es ist der einzige Taler des Großen Kurfürsten, der in der alten Bischofsstadt Halberstadt geprägt wurde. Das Fürstbistum wurde im Westfälischen Frieden endgültig säkularisiert und dem Kurfürstentum Brandenburg angegliedert. Der Preußische Herrscher nutzte das mit Halberstadt verbundene Münzrecht für seine Zwecke. Er gab allerdings nur eine einzige Emission von Talern heraus. Ein Exemplar dieser Emission wechselte mit einem Zuschlag von 44.000 Euro den Besitzer und wurde so zum fünftteuersten Stück der Sammlung. Es zeigt auf der Vorderseite ein prachtvolles Barockporträt des Kurfürsten

2304 - Joachim und Albrecht, 1499-1514. Goldgulden o. J. (1508-1513), Berlin. Äußerst selten. Sehr schön bis vorzüglich. Taxe: 20.000,- Euro. Zuschlag: 55.000,- Euro.

Sammlung Tesmer: Platz 4

Von 20.000 Euro Schätzung auf einen Zuschlag von 55.000 Euro kletterte die erste in Berlin geprägte Goldmünze, die gleichzeitig die erste Goldmünze des Kurfürstentums Brandenburg ist. Der Goldgulden ohne Jahr wurde während der Samtherrschaft von Joachim I. Nestor und seinem Bruder Albrecht in den Jahren zwischen 1499 und 1514 geprägt. Das Stück ist nicht nur von äußerster Seltenheit und höchster geldgeschichtlicher Bedeutung, sondern erinnert auch an zwei Fürsten, die in der Auseinandersetzung um Martin Luther eine entscheidende Rolle spielten. Albrecht, der 1513 von der Herrschaft zurücktrat, um Karriere im Kirchendienst zu machen, ist der Kirchenfürst, den Luther mit seinen 95 Thesen angriff. Sein Bruder Joachim Nestor blieb deshalb ein erbitterter Gegner der Reformation.

3086 - Friedrich III., 1688-1701. 1/2 Reichstaler 1692, Minden. 2. bekanntes Exemplar. Vorzüglich. Taxe: 15.000,- Euro. Zuschlag: 55.000.- Euro

Sammlung Tesmer: Platz 3

Suum cuique - jedem das seine - steht auf dem halben Reichstaler, der 1692 in der Münzstätte Minden geprägt wurde. Seine Provenienz reicht auf die Sammlung Klaus Marowsky zurück; das Stück ist so selten, dass Marowsky, wie er selbst erzählt hat, 1957 - im Jahr des Ankaufs - auf eine Urlaubsreise verzichtete, um das Stück erwerben zu können. Der preußische Adler hält in seinen Fängen die Schlüssel von Minden und weist so auf die Münzstätte hin.

Mit 15.000 Euro war dieses vorzügliche Stück geschätzt. Mit 55.000 Euro wurde es zugeschlagen. Der Grund dafür dürfte seine unglaubliche Seltenheit sein: Es handelt sich um das zweite bekannte Exemplar.

341 - Joachim I., 1499-1535. Taler 1521, Frankfurt / Oder. Äußerst selten. Gutes sehr schön. Taxe: 50.000,- Euro. Zuschlag: 130.000.- Euro.

Sammlung Tesmer: Platz 2

Der erste Brandenburger Taler: Natürlich gehörte er zu den begehrtesten Münzen der Auktion. Er kletterte von seiner Schätzung mit 50.000 Euro auf eindrucksvolle 130.000 Euro. Und das zurecht: Es sind nur 23 Stücke dieser Emission bis heute erhalten geblieben. Die meisten davon liegen in Museen, so dass nur wenige Stücke auf dem Markt sind.

Diese Münze zeugt von den großen Ambitionen, die Joachim I., genannt Nestor, für sein Kurfürstentum hatte. Auch er wollte eine prestigeträchtige Großsilbermünze in Form von Talern, um seine Bedeutung zu propagieren. Dafür nutzte der Herrscher zum ersten Mal in der Geschichte Brandenburgs sein eigenes Porträt als Münzbild.

1521 war ein geschichtsträchtiges Jahr. 1521 weigerte sich Luther auf dem Wormser Reichstag seine Lehre zu widerrufen. Es ist ein merkwürdiger Zufall, dass Künker den ersten Brandenburger Taler, der in diesem Jahr geprägt wurde, genau ein halbes Jahrtausend nach seiner Prägung wieder auf einer Auktion anbieten konnte.


2586 - Georg Wilhelm, 1619-1640. Dicker vierfacher Reichstaler 1628, Königsberg. Wohl einziges bekanntes Exemplar in Privatbesitz. Taxe: 40.000,- Euro. Zuschlag: 130.000.- Euro.

Sammlung Tesmer: Platz 1

Den ersten Platz eroberte ein dicker vierfacher Reichstaler, der 1628 in Königsberg von Georg Wilhelm geprägt wurde. Es handelt sich vermutlich um das einzige bekannte Stück in Privatbesitz. Die Stempel stammen vom so genannten Spruchtaler, denn auf der Rückseite der Münze ist zu lesen: Anfanck - Bedenck - das - Ende. Dieser deutsche Sinnspruch ist eine abgekürzte Übersetzung des lateinischen quidquid agis prudenter agas et respice finem, in Übersetzung: Was du auch beginnst, handle vorsichtig und denke an das Ende. Ein passender Spruch für eine Münze, die in den ersten Jahren des 30jährigen Krieges entstand.

Der Calvinist Georg Wilhelm stand als kaisertreuer Fürst, der enge familiäre Verbindungen mit der protestantischen Seite hatte, zwischen den Fronten. Er war mit einer Tochter des Pfalzgrafen Friedrichs V. verheiratet, eben jenes Herrschers, der als Winterkönig in die Geschichte eingegangen ist. 1626 gab er seine Schwester dem protestantischen Fürsten von Siebenbürgen zur Frau. Zu diesem Zeitpunkt litt Brandenburg bereits unter der Invasion des dänischen Herrscher Christian IV., der sich nicht um die von Georg Wilhelm angestrebte Neutralität kümmerten.

Der hier vorliegende vierfache Taler gehört zu den Münzen, die 1628 für die Besoldung der Truppen bzw. die dem Land von den Dänen auferlegten Kriegslasten geprägt wurden. Man darf sich ruhig frage, an wen sich der auf den Münzen so prominent zitierte Sinnspruch wohl richtet?

2534 - Georg Wilhelm, 1619-1640. Kipper-6-Gröscher o. J. (1622/3), Cöln. Fast vorzüglich. Taxe: 60,- Euro. Zuschlag: 120,- Euro.

Außer Konkurrenz

Wie immer möchten wir Ihnen eine interessante Münze vorstellen, die für wenig Geld zu haben gewesen wäre. Sie gehört in denselben Zusammenhang wie unser teuerstes Stück; sie zeugt davon, wie Georg Wilhelm anfangs des 30jährigen Krieges agierte.

Auch der brandenburgische Herrscher machte mit bei der Ausbeutung der Bevölkerung in der Kipper- und Wipperzeit. Berater des Kaisers hatten die bald im ganzen Reich grassierende Münzverschlechterung ausgelöst. Der Kaiser verschaffte sich das für den Krieg um Böhmen nötige Geld, indem er seine Münzstätten an Unternehmer gegen eine hohe Vorausgebühr vermietete. Die Münzpächter kamen zu ihrem Geld, indem sie die geprägten Kleinmünzen ständig verschlechterten. Das Vermögen des Fürsten Wallenstein geht zum Beispiel auf diese Form der Münzmanipulation zurück.

Wie es das Greshamsche Gesetz beschreibt, verdrängten die schlechten Kipper- und Wippermünzen das gute Geld vom Markt. Viele Fürsten begannen ebenfalls schlechte Münzen zu prägen, um so selbst einen Profit zu machen. Zu ihnen gehörte auch Georg Wilhelm. Er gründete zu diesem Zweck sogar eine zusätzliche Münzstätte in Krossen. Das hier vorliegende Stück ist nicht dort, sondern in Cöln geprägt. Cöln hat nichts mit der Stadt Köln am Rhein zu tun, sondern war ein Stadtteil von Berlin. Cöln lag auf der Spreeinsel, deren nördlicher Teil heute als Museumsinsel bekannt ist. Georg Wilhelm betrog übrigens nicht nur die eigenen Bürger. Er ließ übrigens auch Kipper- und Wipper-Münzen für den Export nach Mecklenburg und Pommern produzieren.

Was der Herrscher wohl mit dem daraus gewonnenen Geld machte? Er investierte es jedenfalls nicht in ein stehendes Heer. Deshalb war er hilflos, als der dänische König Brandenburg als Aufmarschgebiet im Krieg gegen den Kaiser nutzte.

Wie gesagt, mit einer Münze wie dieser bekommt man viel Geschichte für wenig Geld.


Alle Ergebnisse finden Sie auf www.kuenker.de. Wenn Sie an einer Einlieferung interessiert sind, wenden Sie sich an die Kundenbetreuung von Künker, Nobbenburger Straße 4a, 49076 Osnabrück; Tel: 0541 / 962020; Fax: 0541 / 9620222; oder über E-Mail: service@kuenker.de.


Kommende Auktionen:

28. Juni bis 2. Juli 2021: Sommer-Auktionen 2021


27. September bis 1. Oktober 2021: Herbst-Auktionen 2021