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Interview mit Stefan Sonntag, Münzhändler aus Stuttgart: „Investitionen in Sachwerte sind absolut ein Thema!"

Stefan Sonntag


Unter den Münzhändlern im Raum Stuttgart ist Stefan Sonntag gewissermaßen der "Platzhirsch". Seine Anlaufstelle für den An- und Verkauf ist das seit Jahrzehnten am gleichen Ort in der Innenstadt befindliche Ladengeschäft. Bundesweit bekannt geworden ist Stefan Sonntag aber vor allem mit seinen Auktionen, die zweimal jährlich stattfinden.

Münzen-Online: Wie sind Sie zum Münzhändler geworden?


Stefan Sonntag: Nun, Münzen gesammelt habe ich seit meinem 13. Lebensjahr. Damals besuchte ich das Gymnasium. Meine Eltern waren viel im Ausland unterwegs, geschäftlich. Bei ihrer Rückkehr habe ich das Wechselgeld geplündert, das sie mitbrachten. Davon hat auch bald meine Großmutter gehört. Zum Geburtstag bekam ich von ihr überraschend eine Zigarrenkiste voller Münzen aus der Kaiserzeit und der Weimarer Republik. Seither bin ich auf Geschichte und Münzen fokussiert. Geschichte wurde zu meinem Lieblingsfach im Gymnasium! Vor meiner Tätigkeit als Münzhändler sammelte ich dann eine Zeit lang Regionalgeschichte, vor allem württembergische Münzen.


Münzen-Online: Ihr Studienwunsch war also Geschichte?


Stefan Sonntag: Ja, Münzen waren für mich immer greifbare Geschichte. Und was man angreifen kann, kann man auch besser begreifen! Ich habe Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte studiert. Drei Semester war ich auch in Wien, wo ich Numismatik studierte. Da gibt es ja einen Lehrstuhl für Numismatik. Ursprünglich wollte ich in einem Museum mit Münzen arbeiten. Als 15-jähriger Schüler habe ich Frau Dr. Elisabeth Nau kennengelernt, die damalige Leiterin des Münzkabinetts am Württembergischen Landesmuseum. Das fand ich unglaublich faszinierend. Nach zwei Praktika im Museum habe ich aber gemerkt, das ist nicht die Tätigkeit, die mich ausfüllen konnte. Im Studium lernte ich dann einen Studenten kennen, der sich mit der Antike beschäftigte, zu diesem Thema auch gesammelt hat. Da entstand die Idee: Wir gründen eine Münzhandlung!


Beratung im Ladengeschäft


Münzen-Online: Das war in welchem Jahr?


Stefan Sonntag: Im Januar 1983 haben wir die Firma hier am Ort und in diesem Laden gegründet. Fünfzehn Jahre später trennten sich unsere Wege. Von da an habe ich das Geschäft mit Mitarbeitern geführt, bis heute. Es macht mir immer noch Freude und Spaß!


Münzen-Online: Sind Auktionen der Schwerpunkt Ihrer Arbeit?


Stefan Sonntag: Auktionen veranstalten wir jetzt seit gut 20 Jahren. Der Auslöser dafür war, dass ich bemerkte, wie Sammlungen meiner Kunden später bei Auktionshäusern landeten und ich das Nachsehen hatte. Und so entstand die Idee, selbst Auktionen zu machen. Heute ist beides wichtig, sowohl das Geschäft hier in Stuttgart als das Ladengeschäft als Anlaufstelle für Kunden und Kollegen. Mindestens genauso wichtig sind inzwischen aber die Auktionen geworden.


Münzen-Online: Wie viele Mitarbeiter haben Sie jetzt?


Stefan Sonntag: Drei Mitarbeiter, die fest angestellt sind. Zusätzlich gibt es noch einen freien Mitarbeiter auf Provisionsbasis.

Titelbild des jüngsten Auktionskataloges 47:

Goldene Notklippe zu 2 Doppien während der Belagerung der Festung Landau

des Württemberger Herzogs Karl Alexander (1713)


Münzen-Online: Wie hat sich Ihr Geschäft verändert?


Stefan Sonntag: Seit zehn Jahren spielt das Internet eine große Rolle. Der Markt ist zudem viel internationaler. Das Internet ist nicht für Kunden im Ausland von Bedeutung. Unentbehrlich ist es für Kunden, die nicht in Großstädten leben, in denen es ein Münzhändler oder mehrere gibt, sondern auf dem flachen Land. Egal, ob in Schleswig-Holstein oder im Bayerischen Wald. Für sie ist der Kontakt über das Internet einfach eine praktikable und gute Lösung!


Münzen-Online: Verkaufen Sie selbst über das Internet?


Stefan Sonntag: Ja, über das Händler-Portal MA-Shops. Damit haben wir erst in der Corona-Zeit angefangen. Damals war das Ladengeschäft drei Monate geschlossen. Der Einstieg hat sich gelohnt. Der Online-Handel ist heute etabliert, nicht mehr wegzudenken!


Münzen-Online: Was wird Ihnen am häufigsten zum Ankauf vorgelegt?


Stefan Sonntag: Das gängige sind natürlich, die Fünf- und Zehn-Mark-Stücke der Bundesrepublik. Durch den gestiegenen Silberwert bringen die heute sehr viel mehr als nur den ausgewiesenen Nennwert. Das ist klar. Aber es kommen immer wieder auch Leute zu uns, die durch Erbschaften zu alten Münzen gekommen sind. Nicht nur deutschen Münzen, auch Weltmünzen.


Münzen-Online: Was machen Sie mit den BRD-Gedenkmünzen?


Stefan Sonntag: Ich habe Kunden, die in solche Münzen aufgrund des hohen Silberwertes investieren. Für viele ist das eine Geldanlage. Es wird sicherlich auch viel eingeschmolzen. Aber das mache ich nicht. Ich habe Abnehmer, die sich eine Rolle mit Fünf-Mark-Stücken hinlegen.


Medaillen-Los aus dem Auktionskatalog 46:

Bronzemedaille von Hugo Kaufmann auf die Numismatik (1904)


Münzen-Online: Wonach besteht die größte Nachfrage zurzeit?


Stefan Sonntag: Nach wie vor sind die Münzen aus dem Kaiserreich sehr beliebt. Deutsche Taler vom 16. Jahrhundert bis 1871 sind ein beliebtes Sammelgebiet. Sogar die späten Ausgaben aus dem 19. Jahrhundert bringen inzwischen Superpreise. Zumindest, wenn sie gut erhalten sind. Die Nachfrage ist stark! Wichtiger als früher ist die Erhaltung der Münzen. Anfängern ist schwer zu vermitteln, dass eine Münze in schlechter Erhaltung nur 50 Euro kostet, in Spitzenerhaltung aber 3.000 Euro wert sein kann. Die Käufer sind heutzutage erhaltungsbewusster und kritischer. Schlimm ist, wenn Münzen geputzt wurden, also misshandelt. Da gibt es rapiden Wertverlust. Gefragt sind Münzen aus Osteuropa. Insbesondere Polen, Tschechien und Ungarn sind nachgefragt. Ich habe manchmal den Eindruck, dass die Sammler dort noch mit sehr viel Leidenschaft bei der Sache sind.


Münzen-Online: Bei Münzen aus Osteuropa?


Stefan Sonntag: Ja, die polnischen Münzen etwa. Jahrzehntelang sind osteuropäische Münzen nach Westeuropa verkauft worden. Das hat sich völlig gedreht. In der Zwischenzeit gibt es in Ungarn, in Tschechien, in Polen sehr wohlhabende Leute. Die interessieren sich für ihre eigene Geschichte, stecken viel Geld in eine anspruchsvolle Sammlung der eigenen Münzen.


Münzen-Online: Welche Auswirkung hat der hohe Gold- und Silberpreis für An- und Verkauf?


Stefan Sonntag: Das beflügelt das Geschäft, sowohl im Ankauf als auch im Verkauf. Die einen sagen, jetzt sei der Zeitpunkt, an dem sie ihre Goldmünzen zu Geld machen, um sich etwas anderes zu leisten. Andere meinen, viel Geld auf dem Sparbuch bringe nichts. Nicht jeder will schließlich sein Geld in Aktien anlegen. Investitionen in Sachwerte sind absolut ein Thema!


Rücktitel des Auktionskataloges 45:

Goldene Hochzeitsmedaille zu 20 Dukaten (Mitte, 1691/92)


Münzen-Online: Was sammeln Ihre jungen Kunden?


Stefan Sonntag: Dazu kann ich nicht allzu viel sagen. Wir handeln ja nicht mit den Neuausgaben, etwa von Euro-Münzen. Münzen, die nach 1933 geprägt wurden, spielen bei uns nur eine untergeordnete Rolle. Aber Münzen aus dem Kaiserreich sammeln auch junge Kunden. Zu unseren Spezialitäten gehören die württembergischen Münzen, die des Königreichs, aber auch des Herzogtums. Einzelne Kunden sind noch früher unterwegs. Ich habe einen jungen Kunden für Bodesee-Brakteaten des 13. Jahrhunderts. Der kennt sich unglaublich gut aus. Er kann die einschlägigen Fachkataloge fast auswendig! Aber gängig ist das sicherlich nicht. Das ist schon eine erstaunliche Ausnahme.


Münzen-Online: Wie sind Sie zum Publizieren gekommen?


Stefan Sonntag: Ein Bekannter sagte einst zu mir, er würde gerne sein 1957 erschienenes Buch über die Münzen der Reichsstadt Nürnberg neu herausbringen. Mit eine Verlag wäre ich der richtige Mann für ihn! So entschloss ich mich im Jahr 1991, nebenbei einen Verlag zu betreiben. Zum größtes Projekt wurde ein Katalogwerk der württembergischen Münzen. Der über Jahrzehnte hinweg zitierte Katalog von Binder-Ebner aus den Jahren 1911 bis 1913 war inzwischen völlig veraltet. Er ist unter heutigen Gesichtspunkten auch furchtbar umständlich zu handhaben, mit Querverweisen und Rückverweisen. Außerdem gibt es kaum Abbildungen. Ich stand in gutem Kontakt zu Dr. Ulrich Klein vom Münzkabinett und Albert Raff, einem leidenschaftlichen und sehr belesenen Sammler. Von ihnen erfuhr ich, dass sie gemeinsam die württembergischen Münzen und Medaillen neu bearbeiten wollten. Das war auch in meinem Interesse. So verlegte ich vor einigen Jahren auch dieses Werk.


Interview und Fotos: Dietmar Kreutzer

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