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Handbuch Münzensammeln: Unterbringung der Sammlung, Teil II

Aktualisiert: Apr 8



Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Sammlertraum – der „klassische“ Münzschrank

Wenige Sammler werden das Glück haben, an einen klassischen Münzschrank zu kommen. Diese teilweise doppeltürigen, großen Möbel mit vielen Schubern, wie sie im 19. Jahrhundert in solider Tischlerarbeit entstanden, sind selten zu finden und wenn, dann richtig teuer. Sie sind zugleich die Zierde eines privaten Münzkabinetts, doch wie gesagt, man kann solche Handarbeit heute kaum noch bezahlen. Manchmal werden solche Prachtstücke für mehrere tausend Euro auf Versteigerungen angeboten.

Klassischer Münzschrank aus dem 20. Jahrhundert.

Doch seit vielen Jahrzehnten sind sehr ordentliche Münzschränke aus Hartplastikmaterial auf dem Markt. Hier wollen wir einmal eine Ausnahme machen, was das Nennen von Produkten und Firmennamen angeht. Für Münzsammlungen aller Art und Größe können die BEBA-Münzschränke nur empfohlen werden, sie wurden von einem Numismatiker und Händler mit dem Namen Beckenbauer kreiert, der genau wusste, was Händler und Sammler brauchen. Diese BEBA-Schränke gibt es in „mini“ mit acht Schubern und in Normalausführung mit zehn Schubern. Von diesen Schubern oder Schubfächern gibt es verschiedene, jeweils mit unterschiedlichen quadratischen Flächen, in denen die Münzen ihren Platz finden. Nicht zu vergessen sind auch die Schuber ohne jegliche Einteilung. Hier kann der Sammler selbst improvisieren und basteln. Bei der großen Variante bietet der Handel Einteilungen von 3 x 3 Fächern bis 12 x 12, außerdem auch solche ohne jegliche Einteilung, die es normal und in doppelter Höhe gibt. Bei der Unterbringung von großen Stücken, wie „Kilobarren“ oder Medaillen, erweist sich diese Lösung als sehr brauchbar. Und als weiteres Zubehör gibt es kleine Kästchen, mit denen man die vollflächigen Böden auslegen kann, auch Filze in drei Farben – Blau, Grün und Rot – kann man dazukaufen.

Diese Münzkästen sind auch übereinander stapelbar. Sie passen vorzüglich in eine Anbauwand oder auch in einen kleinen oder größeren Tresor. Doch aufgepasst, manchmal unterschätzt man das Eigengewicht von Münzen. Sind die Schränke voll belegt mit einigen Kilogramm, dann sollte man zwischen ein oder zwei solcher Schränke, die man theoretisch auf einen Meter und mehr „hochstapeln“ kann, Metall- oder Holzplatten legen. Diese Schränke sind finanziell erschwinglich, gute Münzhandlungen bieten sie zum Verkauf an. Und in vielen Münzgeschäften und auf Börsen kann man sehen, welche guten Dienste sie den Händlern und Ausstellern leisten. Nicht ganz billig, aber gerade für Ausstellungszwecke unumgänglich sind auch die vorgefertigten durchsichtigen Plexiglas-Platten. Sie schützen auf Veranstaltungen nicht nur vor Staub, sondern in gewisser Weise auch vor Lang- fingern.

Münz-Schuber ohne Einteilung und mit Einteilung (unten).

Turmbau mit Münzschubern

Mehrere Firmen bieten sehr attraktive Münzschuber an, die ebenfalls übe- reinander gebaut werden können, sie sind mit blauem oder rotem samtähnlichen Material bezogen und weisen quadratische oder runde Aussparungen auf, in denen die Münzen eingebettet werden können. Diese Münztabletts (Stapelelemente) sind natürlich attraktiver als die einfachen BEBA-Tabletts, aber auch teurer, man muss gut und gern um die 20 Euro für einen solchen kompletten Schuber mit Kern und Hülle ausgeben. Dafür bieten sie gerade bei modernen Münzen einen einmaligen Anblick.

Beba-Schuber im Stahlschrank als Turm. In dieser Dimension ist er bei Händlern oder sehr fortgeschrittenen Sammlern zu finden.

Verschiedene Markenfirmen haben solche Tabletts im Angebot für bundesdeutsche 5- und 10-Mark-Stücke, Euro- Münzen ebenso wie für DDR oder Österreich und andere Länder und Gebiete. Die Münzen einer Größe passen dann perfekt in die eingelassenen Löcher. Weil viele Sammler auch Münzen erst in Kapseln verpacken und dann in ein solches Tablett einordnen, werden auch für „gekapselte“ Münzen spezielle Schuber hergestellt. In den Prospekten ist meist aufgeführt, welche Schuber für welche Münztypen gefertigt wurden.

Nicht alle Münzhandlungen führen ein breites Sortiment von diesem Zubehör, viele müssen passen. Doch kundenfreundliche Händler besorgen Ihnen das, was Sie wünschen und schicken auch umfängliches Prospektmaterial zu, das man in aller Ruhe zu Hause durchsehen kann. Hilfreich können hier auch kleine Briefmarkenläden sein, denn viele dieser Firmen sind mit philatelistischen Bedarfsartikeln groß geworden und haben numismatisches Zubehör erst später entwickelt und in die Palette aufgenommen. Immer wieder ist es beeindruckend, wie groß die Auswahl ist und vor allem, wie schnell durch die Firmen Kundenbestellungen per Telefon ausgeführt werden. Im Internetzeitalter ist eine Bestellung per Mausklick ein Kinderspiel. Man kann sich die Produkte ausführlich ansehen und vergleichen. Die meisten Münzhändler beraten Sie gern auch bei Fragen zur Unterbringung der Münzen. Wie eingangs beschrieben, sind diese gut ausgestatteten Schuber attraktiv, aber leider nicht gerade billig. Und man sollte sich gut überlegen, was einem selbst die Unterbringung seiner Schätze wert ist. Im Münzhandel werden nicht selten Anfänger-Sammlungen zum Verkauf vorgelegt, bei denen die in den Schubern enthaltenen Münzen in keinem vernünftigen Verhältnis zu den Anschaffungspreisen der Münzboxen stehen.

Attraktive Münzschuber verschiedener Firmen.

Wer beispielsweise deutsche Kleinmünzen ab 1873 bis zum Ende der DM (einschließlich DDR) nach Jahrgängen sammelt, sollte genau abwägen, ob er diese Sammlung in den teuren Schubern unterbringt. Hier machen es die preiswerten und vor allem platzsparenden BEBA-Schuber allemal.


Es gilt praktische und ästhetische Aspekte in Einklang zu bringen. Eine Kollektion sowjetischer und russischer 3-Rubel-Stücke oder amerikanischer 1-Dollar-Stücke ist wahrlich attraktiver in einem solchen teuren Schuber untergebracht als auf einer einfachen BEBA- Platte. Gleiches gilt sicher für 10-DM- oder 10-Euro-Stücke der Bundesrepublik. Aber mittelalterliche Brakteaten, zumal mit unterschiedlichem Durchmesser, können in der Tiefe eines derartigen Behältnisses untergehen.