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Handbuch Münzensammeln: Münzreinigung und Pflege, Teil IV

Aktualisiert: März 19


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!




Hartnäckige Ablagerungen beseitigen


Manchmal befinden sich auf einer Münzoberfläche auch hartnäckige Schmutzspuren, die sich weder durch Wasser noch mittels der Reinigungsbäder entfernen lassen. Man muss ihnen mit mechanischen Mitteln beikommen. Hier empfiehlt es sich, mit einem Hartholz- Stift zu arbeiten, um fest ansitzende Reste von Fremdstoffen abzustoßen. Bei solchen Arbeiten sollte man niemals scharfkantige Gegenstände aus Metall verwenden, weil diese vielleicht den Schmutz beseitigen helfen, aber zu- gleich Kratzspuren verursachen könnten.


Münzen wässern und trocknen


Sehr wichtig ist es, alle Münzen, die man in irgendeiner Weise nass behandelt hat, gründlich zu spülen. Vielfach wird ein entscheidender Fehler, beispielsweise bei den Silbermünzen, ge- macht, die man im Tauchbad behandelt hat. Werden die Stücke nur kurz – oder im schlimmsten Falle – gar nicht gespült, dann können sie innerhalb von kurzer Zeit schlimmer aussehen als vorher. Schuld daran ist Schwefel, der das Silber oberflächlich mit rabenschwarzem Silbersulfid überzieht. Und dieser Schwefel ist auch in gebundener Form im Silberbad. Daher ist es äußerst wichtig, die behandelten Münzen stets gut zu spülen. Am besten lässt man einen kleinen Strahl Wasser mehrere Minuten über die Münzen laufen.

Das Trocknen danach ist genauso wichtig wie die vorherige Behandlung. Doch Vorsicht beim „Abtrocknen“, Putzen und Reiben ist auch hier verboten. Niemals darf man die Münze wie einen Teller aus dem Spülbad behandeln. Stattdessen tupft man die Stücke mit einem saugfähigen Baumwolltuch ab und lässt sie dann, bevor sie im Album oder Münzschrank verschwinden, unbedingt an einem warmen Ort restlos trocknen.


Es gibt sogenannte „Mikrofasertücher“ im Handel, die im Haushalt vielfachen Einsatz finden. Diese kann man auch beim Münzenreinigen einsetzen. Vorsicht wäre nur bei PP- Stücken angebracht, aber bei robusten Metallen, wie Kupfernickel und normalen Stücken erreicht man mit diesen Tüchern sehr gute Ergebnisse.


Sehr vorteilhaft kann es sein, nach gründlicher Wässerung die Münzen mit Ethylalkohol (Spiritus) zu behandeln. Dieses Verfahren hat sich gerade bei Polierten Platten bewährt, die keinesfalls mit einem Tuch berieben werden dürfen. Den „Sprit“ bekommt man etwa 70 %ig in Apotheken.


Münzen sachgemäß trocknen: nicht reiben, sondern tupfen.

Münzen lackieren


In der älteren Fachliteratur wird immer wieder empfohlen, dass sogar neue, prägefrische Münzen aus unedlen Metallen wie Zink und Eisen mit einer Lackschicht überzogen werden sollen. Es gibt spezielle Klarlacke für Metalle, die nicht abblättern. Am bekanntesten und erprobt ist ein Mittel unter dem Handelsnamen „Zaponlack“, den früher auch Münzhandlungen führten. Doch heute wird dieser Lack nur noch in den seltensten Fällen eingesetzt. In der Praxis findet man viele Münzen, die so dick lackiert sind, dass das Münzbild kaum noch zu erkennen ist. Diese Lackierung wird meist unsachgemäß vorgenom- men und im Handel wird dann in Listen und Katalogen vermerkt „Lackspuren“. Der Lack ist theoretisch leicht mit Lösemitteln zu entfernen, doch in der Praxis sieht dies häufig anders aus. Es bleiben gerade in Vertiefungen immer Lackspuren zurück.


Wenn überhaupt, dann sollte man nur Eisen- und Zinkmünzen mit einer ganz dünnen Lackspur versehen, dazu ist der Lack um 50 % zu verdünnen. Und häufig wird bei diesem Lacken der Rand vergessen, d.h. der Lack kann reißen oder einige Teile der Münze laufen nach kurzer Zeit wieder unnatürlich an. Bei Eisenmünzen kann man so genannten „Anlaufschutz“ auf Silikonbasis verwenden. Wenn es irgendwie möglich ist, dann sollte man auf den Korrosionsschutz verzichten. Wie gesagt, diese Meinung wird nicht von allen Numismatikern geteilt. Viele schwören auf die Versiegelung der Münzoberfläche mit Lack.


Münzen pflegen


Dieser Begriff beinhaltet den Umgang und die Aufbewahrung von Münzen. Hat man sich die Grundlagen der Münzreinigung angeeignet, so sollte man nur saubere und gepflegte Stücke in die Sammlung legen. Wichtig ist schon, wie man Münzen anfasst, besonders bei den modernen PP-Stücken darf man niemals auf die Münzoberfläche greifen. Schon Körperschweiß kann dort schlimme Spuren hinterlassen. Auch andere prägefrische Münzen sollte man immer nur am Rande anfassen. Selbstverständlich sollte man die Münzen nur mit sauberen Händen berühren und dafür sorgen, dass die Münzen sauber und trocken aufbewahrt werden.


Münzen reparieren


Immer wieder findet man interessante Stücke, die nicht nur verschmutzt, sondern regelrecht zerstört sind. Da gibt es angefeilte Münzen oder solche mit „Henkelspuren“, gar durchbohrte Exemplare. Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Münzreparatur kann nur von sehr erfahrenen Fachleuten vorgenommen werden. Dies gilt auch für das Entgolden oder Entsilbern von Münzen. Laien können in der Regel hier mehr falsch als richtig machen. Auch das Stopfen von Löchern sollte man nicht selbst versuchen, sondern einen Goldschmied um Hilfe ersuchen. Doch derartige Reparaturen lohnen sich in der Regel nur bei wertvolleren Münzen.


Eine „gehenkelte“ Münze wurde bereits vorgestellt. Doch solch ein Henkel ist meist nicht mehr völlig rückstandslos zu entfernen. Sind noch Teile des Henkels selbst oder nur Lötspuren am Münzrand zu sehen, so spricht man von Henkelspuren. Daher sollte man sich unbedingt immer auch den Rand einer Münze besonders genau ansehen. Selbst bei Auktionen werden manchmal solche Spuren übersehen, die dann Reklamationsgrund sind. Niemals sollte man selbst den Lötkolben in die Hand nehmen und versuchen, diese Spuren zu entfernen. Meist richtet man mehr Schaden als Nutzen an.


Schließlich eine nachdrückliche Warnung. Behandeln Sie niemals Münzen, die Ihnen nicht gehören, in irgendeiner Weise. Wer beispielsweise Ansichtssendungen von Händlern und Auktionshäusern bekommt oder Münzen ersteigert oder gekauft hat, darf sie nicht behandeln, um zu sehen „was dabei herauskommt“. Nicht einmal das ungefährliche Seifenbad, schon gar nicht irgendwelche Chemikalien dürfen eingesetzt werden. Es würde jeglicher Reklamationsanspruch erlöschen. Bei Ansichtssendungen kann es noch größeren Ärger geben.