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Handbuch Münzensammeln: Münzreinigung und Pflege, Teil III

Aktualisiert: März 12


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Von halbedlen und unedlen Metallen

Im Münzenhandel wird auch für Kupfer- und Kupfernickelmünzen ein Reinigungsbad angeboten, das bei richtiger Verwendung gute Dienste leisten kann. Doch bevor Sie Ihre Münzen dort hineinstecken ist zu beachten: Gerade Kupfermünzen nehmen schon nach kurzer Zeit eine dunkle Farbe an, nach einigen Jahren sehen die Münzen schokoladenbraun aus. Und so sollten sie eigentlich auch bleiben. Diese natürliche Schutzschicht sollte man nicht ohne zwingenden Grund entfernen.


Sind die Münzen oberflächlich verschmutzt, dann werden sie in Seifenwasser gebadet. Fortgeschrittene Sammler können sich auch an Natronlauge wagen, die sehr viel effektiver, aber in stärkerer Konzentration giftig und ätzend ist. Man sollte über den Umgang mit diesen und anderen Stoffen also vorher unbedingt informiert sein und Fachleute fragen bzw. darüber nachlesen, auch was den Arbeits- und Gesundheitsschutz angeht. In den Apotheken bekommt man ein Merkblatt für den Arbeits- und Gesundheitsschutz beim Umgang mit solchen Substanzen ausgehändigt.


Die käuflichen Münzbäder enthalten Säuren und entfernen die braune Schutzschicht, die sich auf Kupfermünzen befindet, in kurzer Zeit. Doch ein Pfennig aus dem 19. Jahrhundert sollte nicht hell leuchten. Beim Kupfer gibt es einen gewissen Trost, ähnlich wie Silber kann sich die Schutzschicht nach wenigen Monaten oder Jahren wieder aufbauen. Manchmal bleiben die Münzen aber fleckig und man bereut es, sie jemals in ein solches Bad gelegt zu haben.


Fast unverwüstlich sind Reinnickelmünzen, wie die Schweizer 20-Rappen-Stücke ab 1881.

Robustes Nickel und seine Legierungen

Wenig Sorge dürfte die Reinigung von Nickel- und robusten Kupfernickelstücken machen. Hier sei an die 5- und 10-Pfennig-Münzen der Kaiserzeit erinnert. Sie vertragen das Kupfernickelbad hervorragend. Werden sie dann noch mit Natron abgerieben, kann man nicht nur die Oberfläche vortrefflich reinigen, sondern auch den Schmutz aus Vertiefungen holen. Man kann die Münzen auch kräftig mit Natron und wenig Wasser einreiben und dann in eine Zitronensäurelösung legen. Doch bitte keine richtige Zitrone, sondern das kristalline Pulver aus der Apotheke verwenden. Taucht man eine mit Natron eingeriebene Münze in Säure, dann entsteht ein Brauseeffekt, das entstehende Kohlendioxid reißt Schmutzpartikeln mit, und der Reinigungseffekt ist perfekt.


Schwieriger ist es mit den so genannten „gelben Metallen“, dies sind Bronze, Messing und andere Metallkombinationen (Legierungen), die mehr oder minder viel Kupfer enthalten. Auch diese sollte man immer zuerst mit warmem Seifenwasser behandeln und erst dann in das Bad tauchen. Doch niemals zusammen mit anderen Kupfer- oder weißen Kupfernickelstücken.


Es empfiehlt sich übrigens, zwei Kupfernickelbäder zu kaufen und immer nur gleiche Münzen in einem Bad zu behandeln. In das eine Gefäß kommen nur „gelbe“, in das andere hingegen nur „weiße Legierungen“.


Problemmetalle: Aluminium, Eisen, Zink

Größere Schwierigkeiten machen Aluminiummünzen, auch für diese gibt es Bäder, doch man sollte diese Münzen besser nur mit warmem Seifenwasser behandeln und danach mit Natron abreiben. Problematisch ist das Reinigen von Eisenstücken, hier muss auf die Fachbücher verwiesen werden, eine einfache, aber nicht immer effektive Methode ist das Entrosten mit Petroleum oder Kriechöl. Und bei Zink kommt man meist nicht umhin, stärkere Chemikalien (verdünnte Mineralsäuren) einzusetzen, z. B. Salz- oder Schwefelsäure. Was bei allen anderen Münzen streng verboten ist, bei Eisen und Zink muss man unter Umständen sogar mit derben mechanischen Mitteln, wie einer Zink-Drahtbürste vorgehen. Doch wie gesagt, das ist nur bei Eisen und Zink erlaubt, ansonsten bleiben die Drahtbürste, Stahlwolle oder Schmirgelpapier absolutes Tabu bei der Münzreinigung.


Eine Messingbürste ist nur bei korrodierten Zink- und Eisenstücken erlaubt. Um das Zerkratzen des Münzrands zu vermeiden, muss die Zange mit Stoff oder Pflaster umhüllt werden.

Gerade Zinkmünzen weisen manchmal weiße Schichten auf, die unbedingt entfernt werden müssen. Ohne Materialverluste geht es hier nicht. Man sollte diese Beläge kurz mit Säuren anlösen und dann die Münze „schwabbeln“. Darunter versteht man, das Stück mit einer rotierenden Messingbürste, die man in eine Bohrmaschine einspannt, abzubürsten. Doch dies ist wirklich nur für korrodierte Zink- und Eisenstücke gestattet. Gleiches gilt auch für die Behandlung dieser Metallstücke mit Stahlwolle.


Alle diese Ratschläge sind lang bewährt, allgemein anerkannt, aber gerade beim Münzenreinigen macht Übung den Meister. Und es lohnt sich, hier praktische Erfahrungen zu sammeln, nachdem man sich etwas mit der Chemie der Metalle vertraut gemacht hat. Ohne ein gewisses theoretisches Einarbeiten in die Materie sollte man lieber die Finger vom Reinigen lassen. Man kann sehr schnell Fehler machen, die nicht mehr zu korrigieren sind.