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Handbuch Münzensammeln: Münzreinigung und Pflege, Teil II

Aktualisiert: März 5


Auf der Grundlage des von Wolfgang J. Mehlhausen verfassten Buches „Handbuch Münzensammeln“ möchten wir in mehreren Teilen einen Leitfaden für das Münzensammeln veröffentlichen – für bereits Aktive und die, die es werden wollen, denn Nachwuchs ist wie überall, wichtig!


Zur Chemie der Metalle

Wichtig ist immer, das Metall des zu behandelnden Stücks genau zu bestimmen, was dem Anfänger sicherlich noch Probleme bereitet. Ein erfahrener Sammler sieht meist auf den ersten Blick, um welches Metall es sich bei einer Münze handelt. Und auch hier wie- der ein Appell für die Literatur: Gute Kataloge führen die Münzmetalle exakt auf. Man sollte sich, bevor man mit der Reinigung beginnt, über die Zusammensetzung des Münzmetalls unbedingt informieren, denn jedes Metall bedarf einer besonderen Behandlung. Ein Universalmittel zur Münzreinigung gibt es nicht.

Mit scharfen Chemikalien sollte man keine Münzen behandeln. Gegebenenfalls sollte man einen Fachmann, einen Händler oder andere Sammler um Rat fragen. Die vom Münzhandel angebotenen fertigen Reinigungsbäder verleiten dazu, sofort ausprobiert zu werden. Doch Vorsicht, eine über 200 Jahre gewachsene Patina auf einem alten Taler kann in Minuten restlos zerstört werden. Zurück bleibt eine unnatürlich blanke Metalloberfläche.


Bei modernen Münzen ab ca. 1900, die stark verschmutzt sind, kann man auch zu stärkeren Reinigungsmitteln greifen. Doch auch hier gibt es wichtige Grundsätze. Niemals darf man wahllos unbekannte Münzen aus verschiedenen Metallen in einem Bad zur gleichen Zeit zusammen behandeln. Wirklich gefährlich wird es, wenn die Reinigungsbäder vertauscht werden.


Ein kupferner Pfennig kann in einem alten Silberbad sofort „versilbert“ werden, womit er praktisch wertlos ist. Besonders ärgerlich ist das, wenn dies ein seltener Jahrgang oder Typ war. Daher nochmals: Grundsätzlich nur gleiche Metalle gemeinsam behandeln, und zwar immer im richtigen Bad.


Platin, Gold und Silber

Platin- und Goldmünzen bedürfen in der Regel keiner Reinigung. Seifenbäder reichen völlig aus, um sie von eventuell anhaftendem Schmutz zu befreien. Bei modernen Silbermünzen kann man die käuflichen Reinigungsbäder einsetzen, besonders wenn die Münzen fleckig und stark angelaufen sind. In ganz kurzer Zeit wird dieser Silberbelag im Bad aufgelöst.

Das Reinigen ist mit den fertigen Tauchbädern denkbar einfach. Auf dem Etikett befindet sich auch eine Gebrauchsanweisung, wenn man diese genau beachtet, kann eigentlich nichts passieren. Gerade bei Silberstücken erlangen Sie schnell Erfolge mit diesen Tauchbädern.

Hat man größere Mengen von Silbermünzen zu behandeln, so kann man auch Ammoniaklösung (auch „Salmiakgeist“ genannt) einsetzen, die ca. 10 %ig konzentriert sein soll. Doch diese Chemikalie ist nicht ungefährlich und es empfiehlt sich, über den Umgang mit diesen und anderen „härteren“ Chemikalien in einem der empfohlenen Bücher für Münzreinigung nachzulesen.


Abreiben von Münzen mit Natron.

Wundermittel Natron

Ein wirklich guter Rat ist, die Münzen mit einem Pulver zu behandeln, das man in der Apotheke, Drogerie oder auch im Lebensmittelhandel bekommt, nämlich Natron. Dieses Natron ist chemisch „Natriumbikarbonat“ und wurde früher auch Natriumhydrogenkarbonat genannt. Es wird unter anderem als Backpulver verwendet.


Mit diesem Natron, das man keinesfalls mit „Soda“ (Natriumkarbonat) oder „Ätznatron“ (Natriumhydroxid) verwechseln darf, kann man die Münzen nach Behandlung in den Bädern abreiben. Einige Münzhandlungen haben auch Natronpulver im Angebot und erklären Anfängern, wie man dieses „Wundermittel“ effektiv einsetzt. Zum Abschluss jeder Münzbehandlung müssen die Stücke lange und gut, am besten unter fließendem Wasser gespült werden.


Es ist erstaunlich, wie wenig selbst erfahrene Sammler von diesem „Wundermittel Natron“ Gebrauch machen. Immer wieder hört man ungerechtfertigte Klagen über die Reinigungsbäder, doch diese können nur dort auf das Metall einwirken, wo keine wasserunlöslichen Stoffe, z. B. Fett, an der Münze haften. Ein kurzes Abreiben mit Natron bewirkt hier wahre Wunder. Manche Münzen muss man mehrfach „tauchen“. Auch bei den Zwischenschritten kann man die Stücke mit Natron abreiben, um die Reinigungswirkung des Bads zu verstärken. Natron kann nicht nur bei Silber, sondern praktisch bei allen Münzen, die feucht behandelt wurden, eingesetzt werden.