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Das Zürcher Probierbuch

Ruedi Kunzmann, Karl Weisenstein: Das Zürcher Probierbuch. Das Zürcher Probierbuch der Familie Stampfer dokumentiert Münzproben der Stadt von 1549 bis 1680. Battenberg Verlag, Regenstauf 2018. 488 S., zahlreiche Schwarz-Weiß Abbildungen, 21 x 29,7 cm, Hardcover, 85 Euro, ISBN 978-3-86646-164-2.



Das Zürcher Probierbuch ist eine außergewöhnliche numismatische Quelle für das 16. und 17. Jahrhundert, die durch die Arbeit von Ruedi Kunzmann und Karl Weisenstein nun für Sammler, Händler und Wissenschaftler nutzbar gemacht wurde.

Hans Jakob Stampfer (1505/06–1557), Medailleur, Stempelschneider und später Münzmeister, wurde 1539 zum Wardein (Münzprobierer) Zürichs gewählt. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war er zusätzlich auch Edelmetallprüfer für alle Goldschmiede der Stadt. Die Stadtregierung gewährleistete damit, dass das Umlaufgeld und die Arbeiten aus Edelmetall auch wirklich den Vorgaben der Obrigkeit entsprachen. Das war eine wichtige Voraussetzung für einen funktionierenden Handel über die Stadtgrenzen hinaus und letztlich auch für ein solides Finanzwesen. 1549 begann Stampfer seine vielen Münzproben in einem Buch festzuhalten. Andere Familienmitglieder, allesamt ebenfalls Goldschmiede und Wardeine, führten später dieser Arbeit bis etwa 1680 weiter. So entstand eine ganz ungewöhnliche und ganz ungewöhnlich präzise Datensammlung über das Umlaufgeld dieser Zeit. Denn wo gibt es noch diesen Glücksfall, dass nach festgelegten Kriterien ausgewiesene Fachleute über fast anderthalb Jahrhunderte das umlaufende Münzgeld kontrollierten und die Ergebnisse dokumentierten?

Ruedi Kunzmann und Karl Weisenstein, beide schon durch zahlreiche andere numismatische Publikationen bekannt, haben in jahrelanger Arbeit das Zürcher Probierbuch aufgearbeitet. Das heißt, dass sie zunächst den Text in eine für heutige Benutzer lesbare und verständliche Form brachten. Die Münzen wurden sodann genau bestimmt mit entsprechenden Nachweisen neuerer Zitierwerke und gegebenenfalls mit Anmerkungen versehen. Ein besonderes Bonbon und zugleich ein Beleg für die Akribie der Bearbeitung ist, dass die Feingehaltsangaben der Münzprobierer umgerechnet und in Vergleich mit den damals vorgeschriebenen Feingehalten gebracht wurden. Dass dabei nicht nur die Präzision damaliger Münzherstellung offenbar wurde, sondern auch die Phantasie bei der Umgehung vorgegebener Normen, ist ein interessantes Nebenprodukt dieser Arbeit. Es gibt viele neue Entdeckungen und Erkenntnisse.

Die Bearbeiter haben dem Probierbuch eine ausführliche und fast schon kurzweilig zu lesende Einleitung vorangestellt, in der sie die münz- und geldgeschichtliche Situation des 16. und 17. Jahrhunderts mit Blick auf die Schweiz ebenso spannend darstellen wie die Geschichte der Familie Stampfer. Danach folgt das Probierbuch selbst (S. 16–454) mit Faksimile-Abbildungen der Seiten und den zugehörigen Auflistungen und (soweit möglich) Abbildungen der beschriebenen/„probierten“ Münzen und den genauen Daten dazu. Eine wahre Fundgrube für das 16. und 17. Jahrhundert. Dem Probierbuch folgen dann noch etliche Benutzungshilfen: Ein Anmerkungsteil; Auszüge aus dem „Verbot-Buch“, die verdeutlichen, welche Auswirkungen die Proben der Stampfer auf die Entscheide der Obrigkeit hatten; Hinweise für die Schweizer Numismatik aus dem Probierbuch; ein Index und ein Literaturverzeichnis.

Kunzmann und Weisenstein haben ein ebenso beeindruckendes wie wichtiges Corpus in vorbildlicher Bearbeitung vorgelegt, Stöberbuch und hochrangiges Quellenwerk zugleich mit zahllosen geldgeschichtlichen Erkenntnissen. Numismatik vom Feinsten.


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