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Byzantinische Münzen


40 Nummia (Follis), Jahr XIII (539/40), Byzanz, Kaiser Justinianus I., Münzstätte Theoupolis. [Bildquelle: Helmut Kahnt]

Korpus der Münzen des Oströmischen oder Byzantinischen Reichs, das 395 n. Chr. durch die endgültige Teilung des Römischen Imperiums entstand. Hauptstadt des neuen Reichs blieb Konstantinopel (heute Istanbul), 330 n. Chr. von Kaiser Konstantin I. (306/324-337) als zweite Metropole des Römischen Reichs neu begründet, ursprünglich die altgriechische Kolonie Byzantion, das später dem Oströmischen Reich den Namen gab. Sein Gebiet reichte unter Kaiser Justinianus I. (527-565) zeitweilig von Spanien bis Persien, einschließlich der nordafrikanischen Küste; 1025 umschloss es Kleinasien, Zypern, Kreta, die Balkan-Halbinsel und Süditalien. Mit der Eroberung von Konstantinopel durch die Osmanen 1453 endete die wechselvolle, 1000-jährige Geschichte des Byzantinischen Reichs.


Die Reihe der byzantinischen Bronzeprägungen beginnt unter Kaiser Anastasios I. (491-518), der die vorher umlaufenden Kleinbronzen durch den Follis zu 40 Nummia nebst kleineren Wertstufen ersetzen ließ. Auf der Rs. dieser Münzen befinden sich die griechischen Zahlbuchstaben: M = 40, K = 20, I = 10, E = 5 und B = 2 Nummia. Weitere Teilstücke des Follis ließ Justinianus I. prägen, wobei auf den Bronzemünzen das jeweilige Regierungsjahr des Kaisers häufig angegeben ist. Diese wichtigen Datierungshilfen kommen bis in die Zeit des Kaisers Konstans II. (641-668) vor, danach nur noch vereinzelt bis etwa 730.In der Folge politischer und ökonomischer Schwächung des Reichs wurde auch die Währung in Mitleidenschaft gezogen. Die Bronzemünzen wurden kleiner und leichter, seit dem 9. Jh. gab es überhaupt nur noch ein einziges Bronzenominal, teilweise ohne Herrscherbild, so daß eine zeitliche Zuordnung solcher Stücke schwierig ist. Die byzantinische Hauptsilbermünze war das Miliaresion, dessen Bedeutung für die Währung auf den Zeitraum des 9. bis 11. Jh. beschränkt blieb. Nach dem Münzfuß des unter Kaiser Konstantin I. (306/324-337) eingeführten Solidus (maximal 4,54 g) wurde jahrhundertelang die byzantinische Standard-Goldmünze ausgebracht, deren griechischer Name Nomisma war. In den westlichen Ländern wurde diese Goldmünze als Bézant (lat. Besantius) bezeichnet. Seit dem 10. Jh. wurden für die im Gewicht reduzierte Goldmünze größere und dünnere Schrötlinge verwendet (griechischer Name dieses Typus: Histamenon). Schüsselförmige Münzen mit z. T. geringem Goldgehalt, wie alle Münzen dieser Gattung als Scyphati bezeichnet, sind dann für den Zeitraum des 11. bis 14. Jh. charakteristisch. Im letzten Jh. des auf das Gebiet von Konstantinopel zusammengeschrumpften Byzantinischen Reichs wurde Gold als Münzmetall nicht mehr verwendet. Hauptmünzstätte war Konstantinopel, andere Münzstätten prägten hauptsächlich Bronzemünzen.


Die B. M. weisen charakteristische Stilelemente auf. Die auf der Vs. der Münzen abgebildeten Kaiser (mit Brustbild en face oder in ganzer Gestalt, allein oder zusammen mit dem Thronfolger, der Ehefrau, dem Mitregenten oder einem Heiligen) sind stark stilisiert und wirken unpersönlich. Die Rs. der Münzen zeigen die Siegesgöttin Victoria mit einem langen Kreuzstab (z. B. Goldmünzen des Kaisers Anastasios I.), ein Stufenkreuz u. a. Seit Kaiser Justinianus II. Rhinotmetos (685- 695, 705-711) kommen Darstellungen von Christus mit Kreuznimbus, später auch von Maria und Heiligen vor. Der Verfall der Bronzeprägung seit Kaiser Phokas (602-610) führte auch zu einer Vernachlässigung des Münzbilds. Dessen ungeachtet sind im Verlauf der langen Geschichte des Byzantinischen Reichs Münzen von hoher künstlerischer Qualität und mit faszinierenden Stileigentümlichkeiten geprägt worden.


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