• Dietmar Kreutzer

Azteca & Centenario: Schätze aus der Sierra Madre


Der Schatz der Sierra Madre (Spielfilm, USA 1947). Bildquelle: Wikimedia, Warner.

Als Dobbs den Mann in dem weißen Anzug wegen ein paar Centavos ansprach, griff jener in die Hosentasche und zog einen Peso hervor. Hastig steckte ihn der Landstreicher Dobbs ein und trottete zu seinem Stammplatz: „Er hielt die Hand in der Tasche und koste den Peso. Was sollte er damit tun? Ein Mittag- und ein Abendessen, oder zwei Mittagessen, oder zehn Pakete Zigaretten Artistas, oder fünfmal ein Glas Milchkaffee mit einem Pan Frances, das ein gewöhnliches Brötchen ist.“ (B. Traven: Der Schatz der Sierra Madre; in: Romane 2, Berlin 1980, S. 119f.).


Dobbs entschied sich für zwei Nächte in einem billigen Hotel. Dann bettelte er erneut. Der Mann im Anzug gab ihm zum zweiten Mal Geld, diesmal eine Münze zu fünfzig Centavos für einen Kaffee. „Dobbs gab seinen Fünfziger hin, um zu zahlen. Er bekam zwanzig Centavos heraus, in einem kleinen Silberstück.“ (Ebenda, S. 125). Für die letzte Münze kaufte er ein Los der Monterrey-Lotterie. Ohne einen Centavo erreichte er das Mehrbettzimmer seiner Absteige. Drei Betten waren belegt. In einem lag ein alter Goldschürfer. Der erzählte gerade über die „Grünwasser-Mine“ im Norden von Mexiko, die im Jahr 1762 verschüttet wurde. Die Geschichte hörte sich gut an. Dobbs spitzte seine Ohren …


Dort auf den Bergrücken der Sierra Madre schien das Gold nur auf ihn zu warten. Howard, der alte Goldgräber, war bereit, mit Dobbs und dessen Kumpel Curtain aufzubrechen. Als Dobbs eine kleine Summe in der Lotterie gewann, kam auch das Geld für die Ausrüstung zusammen: „Dobbs legte sein Los auf den Tisch. Der Agent prüfte es, und ohne einen Abzug irgendwelcher Art zu machen, händigte er Dobbs zwei dicke goldene Fünfzig-Peso-Stücke aus.“ (Ebenda, S. 151).


Edelmetall-Lagerstätten in der Sierra Madre. Bildquelle: Treasurenet.

Doch das Gold in den Bergen lag nicht einfach so herum. Der alte Howard war der einzige, der einen „Riecher“ für potenzielle Fundstätten hatte. Viermal hatten sie schon Gold gefunden. Doch die Menge war zu gering zum Schürfen oder die nächste Wasserstelle zu weit entfernt. Weit im Hochgebirge entdeckte Howard endlich einen geeigneten Platz mit genug „Zahldreck“, dem begehrten Goldstaub. Nach zehn Monaten mühsamen Goldschlämmens in den Bergen traten sie mit einer Ausbeute im Wert von 50.000 Pesos den Rückmarsch an. Doch Gier und Misstrauen gegenüber den Kameraden waren jetzt mit von der Partie. Selbst vor einer Gewalttat schreckten sie nicht zurück. So erfüllte sich eine zu Beginn ausgesprochene Weissagung des alten Howard: „Gold ist eine verteufelte Sache. Es ändert den Charakter. Man kann noch so viel haben, noch so viel finden, so viel aufzupacken haben, dass man es allein gar nicht wegschleppen kann, immer denkt man daran, noch etwas hinzu zu bekommen. Und um noch etwas hinzu zu bekommen, hört man auf, zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden.“ (Ebenda, S. 143). So blieb ihr Gold in der Sierra Madre.

20 Pesos (Azteca), 900er Gold, 16,7 g, 1917. Bildquelle: Bullion Exchanges.

Der Goldgürtel der Sierra Madre gehört tatsächlich zu den ergiebigsten Edelmetall-Lagerstätten der Welt. Über 80 Millionen Unzen Gold und 4,5 Milliarden Unzen Silber wurden dort bis dato zutage gefördert. Ein beachtlicher Teil des mexikanischen Goldes geht auf diese Lagerstätten zurück. Den Goldstandard führte das Land jedoch erst sehr spät ein, durch eine Entwicklung in den benachbarten USA. Dort galt ab 1900 nur noch Gold als vollwertiges Währungsmetall. Infolge der einbrechenden Nachfrage sank der Silberpreis heftig, über den sich der mexikanische Peso definierte. Um die Kreditwürdigkeit des Landes zu erhalten, musste Mexikos Finanzminister José Yves Limantour (1854-1935) notgedrungen reagieren: Der mexikanische Peso wurde mit 0,75 Gramm Gold bewertet. Damit entsprach ein Dollar zwei Pesos. Die Prägung goldener Standard-Kursmünzen zu 5 und 10 Pesos lief noch im Jahr 1905 an. Ab 1918 gesellten sich zwei kleinere Nominale zu 2 und 2 ½ Pesos hinzu.


50 Pesos (Centenario), 900er Gold, 41,7 g, 1921. Bildquelle: ESG Edelmetall-Service.

Mit der Azteca wurde 1917 eine großformatige und besonders attraktive Münze zum Nennwert von 20 Pesos aufgelegt. Zunächst nur bis 1921 hergestellt, kam es später zu Nachprägungen, die alle die Jahreszahl 1959 tragen. Die Auflage erreichte im Laufe mehrerer Jahrzehnte 7,41 Millionen Exemplare. Der Centenario, die größte mexikanische Goldmünze aus dieser Zeit, erschien 1921 anlässlich des 100. Jahrestages der Unabhängigkeit Mexikos. Jährlich gab es Nachauflagen: 4,941 Millionen Exemplare waren es bereits 1931. Ab 1943 kamen weitere Jahrgänge heraus, die alsbald nur noch das Prägedatum 1947 trugen. Aus der Gedenkprägung war eine Anlagemünze von Weltruf geworden. Erst die Serienausgaben des Krügerrand und anderer Bullionmünzen setzten dem Centenario ein Ende. Die Gesamtauflage erreichte 20,764 Millionen Stück. Den goldnotierten Peso, auf den die Prägungen zurückgingen, gab es da längst nicht mehr.


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