Aus privaten Sammlungen: Kleinstübers Ruhe - Grabmal eines Berliner Münzmechanikers
- Helmut Caspar

- 28. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Wer ein Faible für alte Friedhöfe hat, kann überall in Berlin fündig werden. Es existiert eine reiche Literatur über die Gottesäcker, die im 19. Jahrhundert am Rand der damaligen preußischen Haupt- und Residenzstadt angelegt wurden. Nicht nur der Dorotheenstädtische Friedhof mit Grabstätten bekannter Künstler und Wissenschaftler, der Invalidenfriedhof, auf den an preußische Militärs erinnert wird, oder der Jüdische Friedhof in Weißensee bieten Überraschendes. Zum Beispiel die Grabstellen von Münzdirektoren und anderen mit der Geldherstellung befassten Leuten. Sie haben schon immer großes Ansehen genossen. In alter Zeit nahmen sie an fürstlichen Höfen und in städtischen Verwaltungen wichtige Vertrauensstellungen ein, doch wehe, wenn sie diese missbrauchten. Der Tod am Galgen oder im siedenden Fett konnte die Folge sein. Die von der Gesellschaft Ausgestoßenen hatten kein Recht auf eine würdige Ruhestätte. Wer aber treu und ehrlich war, war fürstlicher Gnade sicher, und wer es sich leisten konnte, kam unter prächtigen Grabmälern in die Erde.


Die Sterbemedaille von H. F. Brandt für den Königlichen Münzmechaniker Kleinstüber zeigt, wie auch das Grabmal aus Gusseisen, eine Trauernde sitzend an einer Urne.
Angaben zur Medaille
Land/Region/Ort: Berlin
Datierung: 1834
Signatur: BRANDT F.
Material: Kupfer
Größe: 42 mm
Gewicht: 34 Gramm
Literatur: Hildegard Lehnert: Henri François Brandt. Leben und Werke, Berlin 1897, Nr. 65
Die ältesten Grabmäler auf dem im 19. Jahrhundert vor den Toren der Stadt angelegten Sankt-Georgen-Friedhof an der Greifswalder Straße besitzt ein Grabmal, wie man es nicht noch einmal in Berlin findet. Dass das Grabmal auf einer geprägten Medaille abgebildet ist, stellt eine Ausnahme dar. Es erinnert an den königlich-preußischen Münzmechaniker Johann Gottlieb Ernst Kleinstüber (1773-1834). Ganz dem Klassizismus der Schinkelzeit verpflichtet, zeigen sowohl das Grabmal als auch die Medaille eine sitzende Frau in antikisierender Gewandung, die einen Lorbeerkranz um eine Urne legt. Die teilweise Vergoldung verleiht der Darstellung zusätzliche Strahlkraft. Die halbovale Wand hinter der Trauernden besagt, dass sich hier KLEINSTÜBERS RUHE befindet.
Verzicht auf rühmende Worte
Die Inschrift auf dem Sockel aus rotem Granit nennt den Münzmechaniker und seine Frau Sally mit ihren Lebensdaten, verzichtet aber auf eine Berufsbezeichnung und rühmende Worte, wie sie auf Grabmälern in der Nachbarschaft zu lesen sind. So wird der Friedhofsbesucher kaum wissen, dass es sich bei dem Verstorbenen um einen Mann handelt, der sein Geld mit der Prägung von Geld verdiente. Als Leiter der Maschinenbauanstalt der Berliner Münze half Kleinstüber, die technische Fertigung der preußischen Münzen zu modernisieren und zu rationalisieren. Außerdem konstruierte er Geräte zum Rändeln und Justieren der Gold- und Silbermünzen, also zur Markierung der Ränder zum Schutz vor Befeilen und als Echtheitsmerkmal sowie zur Herstellung der vorgeschriebenen Gewichte.

Das Kleinstübersche Grabmal auf dem Sankt-Georgen-Friedhof in Berlin ehrt einen Techniker und Erfinder, der sich im frühen 19. Jahrhundert des preußischen Münzwesens verdient gemacht hat.
Kleinstüber muss ein recht wohlhabender Mann gewesen sein, sonst hätte ihm seine Witwe nicht ein solch aufwändige Grabmal errichten und zudem eine schöne Medaille widmen können. Auf ihrer Rückseite hat der seinerzeit bekannte und vielbeschäftigte Berliner Medailleur Henri François Brandt die Trauernde vom Georgenfriedhof en miniature dargestellt, während der noch jugendliche Kopf des Münzmechanikers die Vorderseite schmückt.
Löhne und Preise im Deutschen Reich
Nur wenige Schritte vom Kleinstüberschen Grabmal gibt es ein anderes, ebenfalls numismatisch interessantes Grabmal aus der Zeit der Reichseinigung (1871) zu bestaunen. Hier wurden Angehörige der Berliner Baumeisterfamilie Zeitler bestattet. „Die Stadt Berlin erhält diese Gruft aus den Mitteln der Stiftung eines Ungenannten“, so ist es da zu lesen. „Selig sind die Todten, sie ruhen von ihrer Arbeit“, verkündet die Inschrift unter dem Giebel. Auf allen Seiten des Mausoleums sind Inschriften angebracht. An einer Seitenwand liest man Informationen über Löhne und Preise nach dem „glücklichen deutsch französischen Siebenmonats Krieg 1871 n. Chr.“ In Berlin habe es so viel Arbeit gegeben, dass die Arbeiter „knapp“ waren. Man löste das Problem durch „höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit“, ist auf der noch gut erhaltenen Granittafel zu lesen. Die Inschrift erwähnt, dass während der Bauzeit auch die bisher üblichen Maße und Gewichte sowie das Geld verändert wurden. Die Umstellung erfolgte von Rute und Zoll auf den „100 theiligen Meterstab“, und man gab auch die Zahlung in Talern ab und ging zur Mark über. Neue Gesetze seien entstanden, heißt es ganz zum Schluss. Hier erwähnt die Inschrift speziell die, wie wir heute sagen würden, Einführung der Zivilehe und das neu geschaffene „Strafgesetzbuch für alle Deutschen“.
Text und Fotos: Helmut Caspar




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