Aus privaten Sammlungen: Italienische Ehrenmedaille für industrielle Verdienste
- Thomas Rauch
- 29. Juni
- 3 Min. Lesezeit
Die im Namen von König Umberto I. durch das Ministeriums für Landwirtschaft, Industrie und Handel verliehene Goldmedaille war eine hohe Auszeichnung für besondere Verdienste um das Königreich Italien. Die Medaillen wurde vor allem in Anerkennung bedeutender Beiträge in den Bereichen Landwirtschaft, Industrie und Handwerk verliehen.

Verdienstmedaille AL MERITO INDUSTRIALE (Italien, o.J., Gold. 43 Gramm, 40 mm)
Foto: Thomas Rauch

Schöpfer der Medaille mit dem ungewöhnlich hohen Relief im Porträt war Filippo Speranza. Der Medailleur wurde am 29. Januar 1839 in San Martino al Cimino in der italienischen Region Latium geboren. Seine Ausbildung zum Stempelschneider begann er in Rom bei Paolo Mercuri. Im Anschluss daran wurde Speranza in die päpstliche Münzstätte berufen. Erste Medaillen entstanden im Jahr 1862. Im Jahr 1867 schuf er seine erste Münze im Auftrag des Kirchenstaates, ein Stück der ungewöhnlichen Wertstufe von 2 1/2 Lire. Im gleichen Jahr entstand eine vom Papst gestiftete Medaille zur Anerkennung für Verdienste während einer Epidemie im vorangegangenen Jahr. Nach der Vereinigung von Italien war seine Münzstätte in Rom für ganz Italien zuständig. Speranza betreute die Münzprägung von König Umberto I. (1878–1900) und und anfangs auch von Viktor Emanuel III. (1900–1946). Zudem fertigte er Münzen für die Republik San Marino und die italienische Kolonie Eritrea. Zahlreiche Medaillen entstanden, etwa für Papst Pius IX. und das Erste Vatikanische Konzil (1869), Vincenzo Bellini (1876), Viktor Emanuel II. (1878), den Besuch Umbertos I. auf Sizilien (1881), die Industrieausstellung in Turin (1885), Giuseppe Verdi (1889), die Abgeordnetenkammer in Rom (1890) und das bischöfliche Jubiläum Leos XIII. (1893). Speranza starb am 7. Dezember 1903. Die Medaillen und Münzen tragen seine Signatur entweder als vollen Nachnamen oder lediglich als Initial „S.“

Relief einer Ausgabe in Silber
Bildquelle: Mareluna Collezione
Im Jahr 1898 fand die große Esposizione Nazionale in Turin statt, die den nationalen Fortschritt feierte. Diese italienische Industrie- und Kunstausstellung sollte den wirtschaftlichen sowie kulturellen Aufstieg Italiens am Vorabend des neuen Jahrhunderts zeigen. Aus diesem Anlass ist die Serie der Medaillen zu tragbaren Ehrenzeichen umgestaltet worden:
Der Verdienstorden für landwirtschaftliche Verdienste wurde von Umberto I. durch Königliches Dekret vom 1. Mai 1898 gestiftet. Es handelt sich nun um eine ovale Goldmedaille mit den Maßen 21 × 18 mm, die von einer Königskrone überragt wird und von der Münzanstalt in Rom geprägt wurde. Graveur war Filippo Speranza. Auf der Vorderseite ist das Bildnis des Königs und darunter die Aufschrift „Speranza“ zu sehen, auf der Rückseite das Motto „al merito agrario“. Weiß-grünes Seidenband mit feinen, abwechselnden vertikalen Streifen. Die Trageweise des Bandes an der Militäruniform war nicht vorgesehen. Die Auszeichnung war für diejenigen bestimmt, die sich durch herausragende Verdienste in der Landwirtschaft, der Viehzucht und der Tierhaltung ausgezeichnet hatten oder Maßnahmen zur Verbesserung der materiellen und moralischen Bedingungen der landwirtschaftlichen Bevölkerung ergriffen hatten. Jährlich wurden nicht mehr als 12 Auszeichnungen verliehen.
Auszeichnung für industrielle Verdienste
Sie wurde am 1. Mai 1898 durch ein königliches Dekret von Umberto I. gestiftet. Die Auszeichnung besteht aus einer ovalen Goldmedaille (21 x 18 mm), die von einer Königskrone bekrönt wird. Sie wurde in der Münzprägeanstalt von Rom geprägt und von Filippo Speranza graviert. Die Vorderseite zeigt das Bildnis des Königs mit dem Namenszug „Speranza“ darunter, während die Rückseite die Devise „al merito industriale“ (für industrielle Verdienste) trägt. Das Band besteht aus Seide und weist abwechselnd feine, vertikale weiße und grüne Streifen auf. Es war nicht für das Tragen an Militäruniformen vorgesehen. Verliehen wurde die Auszeichnung an Personen, die sich im Industriesektor – etwa durch die Gründung neuer Industriezweige oder Fertigungsbetriebe, die Einführung technischer Verbesserungen, Entdeckungen oder Erfindungen sowie die Umsetzung von Maßnahmen zur Sicherheit und zum Wohlergehen der Arbeitnehmerschaft – oder im Handel, insbesondere durch die erfolgreiche Erschließung stabiler Auslandsmärkte für die heimische Wirtschaft, hervorgetan hatten. Jährlich wurden nicht mehr als acht Auszeichnungen vergeben.
Ehrenmedaille für Arbeit
Diese 30 mm große Silbermedaille wurde am 1. Mai 1898 durch Königlichen Erlass von Umberto I. gestiftet. Die Vorderseite zeigt das nach links gewandte Bildnis des Königs, umgeben von der Umschrift „Umberto I. König von Italien“ und dem darunter stehenden Wort „Speranza“. Die Rückseite trägt das Motto „Ehre der Arbeit“, umgeben von der Inschrift „Ministerium für Landwirtschaft, Industrie und Handel“. Die Medaille ist an einem Seidenband mit breiten, abwechselnd horizontalen grünen und roten Streifen befestigt; das Tragen an Militäruniformen ist nicht gestattet. Sie war für Leiter großer landwirtschaftlicher Betriebe, Fabrikvorarbeiter, Aufseher und Arbeiter vorgesehen, die über einen Zeitraum von 30 Jahren hinweg lobenswerte und ununterbrochene Dienste geleistet hatten. Es wurden jährlich nicht mehr als zehn Auszeichnungen verliehen.
Thomas Rauch




Kommentare