• Helmut Kahnt

Achtzehngröscher, Timpf, Tympf


Achtzehngröscher oder Tympf Johann II. Kasimirs von Polen, 1650. Bildquelle: Wikipedia.

Polnische und preußische Silbermünze des 17. und 18. Jh. Die Prägung dieses Münztyps geht auf einen Vorschlag des Pächters der Münzstätte Posen, Andreas Tympf (Timpf), aus dem Jahr 1663 zurück, den die polnische Münzkommission annahm. Danach sollten Gulden (Zloty) zu 30 polnischen Groschen (Groszy) aus achtlötigem Silber (=500/1000 fein) geschlagen werden. Damit ergab sich für die Münzen ein Zwangskurs, denn bei diesem Münzfuß hatten diese Gulden (Guldentympfe, später nach dem Münzmeister kurz Tympfe oder Timpfe genannt) einen inneren Wert von lediglich 13 polnischen Groschen. Die lateinische Umschrift der Vorderseite wurde daher auch bewusst gewählt und lautet übersetzt: „Das Heil des Vaterlands ist wertvoller als das Metall“ (der Münze).

Die gebildeten Stände in Polen deuteten jedoch die Initialen ICR des Königs (Johann Casimir Rex) auf der Vorderseite in „Initium Calamitatis Regni“ (Ursache für das Unglück des Reiches) um.

Die Guldentympfe strömten auch nach Preußen (Ostpreußen) ein und wurden dort nach anfänglichem Verbot für 18 polnische Groschen im Umlauf geduldet. Da auf den Taler 90 polnische Groschen entfielen, stellte dieser Achtzehngröscher einen Wert von 1/5 Taler dar.

Eigentlich ist es deshalb unverständlich, warum der Achtzehngröscher im 17. Jh. auch Ort (Vierteltaler) genannt wurde. Der Grund ist jedoch darin zu sehen, dass der ausgeprägte Ort 22 ½ polnische Groschen galt. Er war die häufigste Silberkurantmünze in Polen und Preußen (vor allem in Königsberg und Danzig wurden zu Beginn des 17. Jh. enorme Mengen dieser Münzen geschlagen). Infolge von Feingehaltsverringerungen sank der Kurs des Nominals aber auf 18 polnische Groschen ab, sodass es wertmäßig mit dem Guldentympf, dem eigentlichen Achtzehngröscher, zusammenfiel und ebenfalls als Achtzehngröscher oder Tympf bezeichnet wurde.

Die preußischen Achtzehngröscher aus den Münzstätten Königsberg und (nach der Eroberung Schlesiens durch Friedrich II.) Breslau weisen ebenso wie die polnischen Achtzehngröscher seit der Regierungszeit von König Johann II. Kasimir (1649-1668) die Wertzahl „18“ auf.

Achtzehngröscher wurden außer in den polnischen Kronmünzstätten auch in den Städten Thorn und Elbing sowie im Herzogtum Kurland gemünzt. Auch in Russland wurden 1707 Achtzehngröscher für den Handel mit Polen ausgegeben. Nachdem der sächsische Kurfürst Friedrich August I. (1694-1733), genannt August der Starke, als August II. auch König von Polen geworden war, wurden Achtzehngröscher nach sächsisch-polnischen Gepräge auch in der Münzstätte Leipzig durch Münzmeister Ernst Peter Hecht geschlagen.

Im Jahr 1717 wurden die Achtzehngröscher auf Beschluss des polnischen Sejms mit 38 polnischen Kupfergroschen bewertet, 1765 dann mit 36 Kupfergroschen. Bei der Einziehung der Achtzehngröscher 1766 in Polen nahmen die Kassen sie aber nur mit 27 Kupfergroschen in Zahlung.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurden von Friedrich II. von Preußen (1740-1786) die Achtzehngröscher so stark verschlechtert (teilweise unter betrügerischer Verwendung erbeuteter sächsisch-polnischer Münzstempel (→ Ephraimit), dass die Bevölkerung die Achtzehngröscher schließlich völlig ablehnte. Letztes Prägejahr war deshalb auch 1765. Die Achtzehngröscher, die während des Kriegs im von russischen Truppen besetzten Ostpreußen ausgegeben wurden, waren jedoch vollwertig.

Wie populär der Name Tympf für die Achtzehngröscher im 18. Jh. war, beweist die Verwendung eines großen „T“ als Wertangabe auf sächsisch-polnischen Achtzehngröscher der Jahrgänge 1752, 1753 und 1755.

Die Achtzehngröscher hielten sich – entsprechend bewertet – auch im 19. Jh. im Geldumlauf Preußens und wurden erst durch das Reichsgesetz vom 21. September 1875 ungültig.

aus "Das große Münzlexikon