• Dietmar Kreutzer

Bürgerkrieg in Laos: Die Agenturmünzen des Königs


Im Herbst 1966 landete der deutsche Journalist und Buchautor Peter Scholl-Latour in Vientiane. In der Hauptstadt des umkämpften Landes suchte er zunächst den Vertreter der kommunistischen Bürgerkriegspartei Pathet Lao auf. Doch noch war die Stadt in den Händen der Königlich Laotischen Armee: „Am folgenden Morgen begab sich König Savang Vatthana zur größten Pagode der Innenstadt. Der stattliche, eigenwillige Monarch, der beim Volk große Achtung genoss, verließ nur ungern seine verschnörkelte Residenz von Luang Prabang, obwohl sich die roten Partisanen bis auf zwanzig Kilometer der alten Königsstadt genähert hatten. Der König von Laos trat mit prächtigem Gefolge auf. In knallrote Livree gekleidete Diener vom Volk der Kha trugen die schweren Tempelgongs. Die Palastgarde war wie die Schweizer des Vatikans mit Hellebarden bewaffnet.“ (Peter Scholl-Latour, Der Tod im Reisfeld, Stuttgart 1981, S. 126).

Savang Vatthana zum Zeitpunkt seiner Thronübernahme (1959). Bildquelle: Wikimedia, Nationaal Archief.

Die Parade erweckte den Eindruck, als handele es sich um das letzte Aufgebot. Wenig später war der ganze Zauber vorbei. Der König befand sich auf dem Rückweg in seine Residenz. „Er sehnte sich schon wieder nach seinen verträumten Gärten von Luang Prabang, wo die abendliche Stille nur durch die Gongschläge und das monotone Beten der Mönche unterbrochen wurde. Savang Vatthana huldigte einer skurrilen literarischen Leidenschaft für Marcel Proust. Es hieß bei den Franzosen, dass der Sonderling auf dem Thron der Million Elefanten ganze Kapitel aus dem Proustschen Werk A la recherche du temps perdu auswendig rezitieren konnte. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, das wäre ein treffender Titel für die Schilderung dieses liebenswerten hinterindischen Königreichs gewesen, das an einer ruchlosen Machtpolitik der Supermächte zugrunde ging.“ (Ebenda, S. 127).

Im Jahr 1971 wurden anlässlich der Krönung von Savang Vatthana erstmalig Gold- und Silbermünzen ausgegeben. Die Entwürfe zu den Agenturprägungen der italienischen Vertriebsfirma Numismatica Italiana stammen von Helmut Diller, einem renommierten westdeutschen Medailleur. Die Kollektion, bestehend aus fünf Gold- und vier Silbermünzen, ist vom Bayerischen Hauptmünzamt in München hergestellt worden. Vertrieben wurden die Münzen, wie damals üblich, fast ausschließlich unter Sammlern und Anlegern in Westeuropa und den USA. Zu diesem Zweck wurden aufwändig gestaltete Holzkassetten hergestellt.

8.000 Kip (Laos, Savang Vatthana, 900er Gold, 8 Gramm). Bildquelle: Dea Moneta, Il Ponte.

Auf der Vorderseite aller Wertstufen ist das Porträt des Königs in der Uniform des obersten Befehlshabers der Königlich Laotischen Armee zu sehen. Die französische Umschrift gibt die Jahreszahl und den Anlass der Ausgabe wieder. Die Rückseite zeigt das laotische Staatswappen innerhalb eines dekorativen Ringes. In der Umschrift ist die Staatsbezeichnung in Französisch und in der Landessprache Lao angegeben.

Eine zweite Münzserie für ausländische Anleger und Sammler erschien im Jahr 1975. Diesmal handelte es sich um eine Kollektion aus drei Gold- und drei Silbermünzen, hergestellt in der privaten Prägestätte von Gori & Zucchi in Arezzo (Italien).

10.000 Kip (Laos, Savang Vatthana, 925er Silber, 23,5 Gramm). Bildquelle: Numista Catalogue.

Auf der Vorderseite aller Münzen ist das Porträt des Königs oberhalb des Staatwappens zu sehen. Die zweisprachige Umschrift gibt die Staatsbezeichnung wieder. Von einer Doppelung abgesehen, ist auf der Rückseite jeder Wertstufe ein anderes landestypisches Motiv abgebildet. Die höchste Wertstufe zu 100.000 Kip beispielsweise zeigt den sitzenden Buddha von Luang Prabang. Auf der Ausgabe zu 50.000 Kip ist der That Luang Tempel in der Hauptstadt Vientiane zu sehen. Die beiden kleinsten Wertstufen ziert ein laotisches Mädchen. Als Umschrift ist die Bezeichnung der Nationalbank von Laos zweisprachig wiedergegeben. Unter dem Bildmotiv ist die Wertangabe, daneben das Ausgabejahr vermerkt.

Im Dezember 1975 übernahmen die Kommunisten die Macht im Lande. Als Peter Scholl-Latour im März 1979 erneut in Vientiane weilte, saßen sie bereits fest im Sattel. Ein Teil der Bevölkerung war über den Mekong geflohen, allen voran die hohen Beamten des früheren Regimes sowie die Generäle und Stabsoffiziere der Königlich Laotischen Armee. Wer von den Regimegegnern nicht rechtzeitig das Land verlassen hatte, wurde zum Frondienst in den Norden des Landes deportiert: „Sogar den friedlichen König von Laos, Savang Vatthana, hatten die roten Schergen eines Tages überraschend in seiner verträumten Residenz von Luang Prabang festgenommen und in die unwirtlichen Randzonen der Ebene der Tonkrüge verschleppt. Angeblich hatte eine Widerstandsgruppe seine Evasion nach Thailand vorbereitet, wo er zweifellos zur Sammelfigur aller oppositionellen Kräfte geworden wäre. In Vieng Xai, der früheren Hochburg des roten Pathet Lao, stand der Monarch unter strengem Arrest, und niemand wusste, ob er weiterhin im kalten Crachin Muße fand, seinen literarischen Neigungen, seinen Proust-Studien, der Suche nach der verlorenen Zeit nachzugehen.“ (Ebenda, S. 323f.). Offiziell hörte man nie wieder von ihm. Im Frühjahr 1980 soll er gestorben sein.