• Dietmar Kreutzer

Bär, Tor & Glocke: Berliner Symbole auf Münzen und Medaillen


Der Berliner Bär ist das älteste Symbol der Stadt. Die Herkunft ist nicht völlig geklärt. Angeblich ist das slawische Wort „berl“ (Sumpf) bildhaft als „Bärlein“ umgesetzt worden.

Ältestes Siegel der Stadt Berlin, das einen Bären als Wappentier verwendet (Gildebrief, 1280). Bildquelle: Wikimedia

Seit etwa 1280 ist er das Berliner Wappentier, das bis heute auf Siegeln und Wappendarstellungen erscheint. Auch auf Münzen tauchte es schon früh auf: „Dass der Bär schon immer sein Geld wert war, zeigt ein Silberpfennig aus der Berliner Münze von 1369, dem Jahr, in dem der Berliner Magistrat das Recht zur Münzprägung erwarb. Die Vorderseite ziert der stehende Markgraf, gerüstet mit Lanze und Schwert. Die Rückseite zeigt den auf allen Vieren laufenden Bären. Dieser Pfennig wurde als der ‚ewige Pfennig‘ bezeichnet, weil die Münzen bis dahin einem jährlichen Umtausch unterlagen, der sogenannten Verrufung. Auf einem anderen Berliner Silberpfennig aus dem Jahre 1540 sind zwei Wappen abgebildet, auf denen der Bär mit einem Halsband und der märkische Adler zu sehen sind. Eine ähnliche Abbildung schmückte auch den ‚Berlin-Köllnischen Kipperpfennig‘ von 1621, und wer im selben Jahr ‚sein Scherflein gab‘, der fand auf dem Scherf wiederum den Bären.“ (Bernd Unger, Der Berliner Bär, Münster 2000, S. 35f).

Ewiger Pfennig aus dem Jahr 1369 auf einer Gedenkmünze zu 10 Mark (DDR, 1981, Kupfer-Nickel-Zink). Bildquelle: Worbes-Verlag.

In jüngerer Zeit ist der Bär unter anderem auf den Gedenkmünzen beider deutscher Staaten zur 750-Jahrfeier Berlins von 1987 vertreten. Auf der DDR-Silbermünze zu 20 Mark ist das Berliner Stadtsiegel von 1280 zu sehen: Zwei Bären flankieren ein brandenburgisches Adlerschild. Auf der bundesdeutschen Silbermünze zu 10 Deutschen Mark ist der Bär in Gestalt von Hausfassaden mit einem mittelalterlichen Stadtsiegel abgebildet.

Die Teilung Berlins infolge des Zweiten Weltkrieges bewirkte, dass der Ostteil der einstigen Metropole zur Hauptstadt der DDR erhoben wurde. Die Umlauf- und Sondermünzen der sozialistischen Republik zeigten so wiederholt Symbole, die mit der neuen Hauptstadt identifiziert werden konnten. Von 1971 bis 1989 erschienen über zwei Millionen Exemplare einer Umlaufmünze zu 5 Mark in Kupfer-Nickel-Zink, die das Brandenburger Tor nach Entwürfen des Bildhauers Wilfried Fitzenreiter und des Grafikers Axel Bertram zeigt. Aus dem Motiv entwickelte sich später eine Serie von DDR-Städte-Ausgaben.

Weltzeituhr auf einer Berliner Sondermünze der „Städte-Serie“ zu 5 Mark (DDR, 1987, Kupfer-Nickel-Zink). Bildquelle Historia Hamburg.

Im Jahr 1987, also anlässlich der 750-Jahrfeier Berlins, erschienen gleich drei dieser Sonderausgaben zu 5 Mark in Kupfer-Nickel-Zink. Die erste zeigt das wiedererstandene Nikolaiviertel in Berlin, eine zweite das Rote Rathaus und eine dritte die Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz. Die zum 20. Jahrestag der DDR im Jahr 1969 aufgestellte Groß- bzw. Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz hatte sich in den 1970er Jahren wie auch der Fernsehturm zu einem Symbol der DDR-Hauptstadt entwickelt. Auf einer silbernen Gedenkmünze zu 10 Mark ist das Schauspielhaus zu Berlin abgebildet. Die zahlreichen alten Symbole der Kaiserzeit wie der Kurfürstendamm, die Gedächtniskirche oder die Siegessäule wurden dagegen nicht gewürdigt – sie lagen im Westteil der Stadt. Für das Image in diesem Teil der Stadt wurden allerdings auch zunehmend Neubauten bedeutsam, etwa das Europa-Center, die Philharmonie oder die Kongresshalle.

Gedenkmedaille „Berliner Freiheitsglocke“ für Einheit und Freiheit (Berlin-West, o.J., Gold). Bildquelle: Münzen am Zoo.

Eine besondere Bedeutung erlangte die Freiheitsglocke. Nach dem Vorbild der US-amerikanischen „Liberty Bell“ wurde sie 1950 im Schöneberger Rathaus aufgehängt. Begleitet vom Freiheitsschwur ihrer Spender, ist ihr tägliches Geläut bis zum Tag der deutschen Einheit jeden Tag um 12 Uhr vom Radiosender RIAS ausgestrahlt worden. Da Berlin (West) keine Münzen prägte, war die Freiheitsglocke ein beliebtes Motiv für Medaillenprägungen, etwa für die „Berliner Dukaten“.

Das Brandenburger Tor ist zugleich ein Wahrzeichen der Stadt und des Staates. Zwischen 1789 und 1791 auf Geheiß des Preußen-Königs Friedrich Wilhelm II. errichtet, erlangte der klassizistische Bau schon früh eine besondere Symbolkraft. Nach den siegreichen Kriegen von 1864, 1866 und 1871 zogen die heimkehrenden Truppen durch das „Siegestor“. Die Nationalsozialisten feierten die „Machtergreifung“ im Januar 1933 mit einem Fackelzug durch das Brandenburger Tor. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es erst zum Symbol der deutschen Teilung, dann der Wiedervereinigung. So taucht es seit 1989 regelmäßig auf den deutschen Umlauf- und Gedenkmünzen auf.

Gedenkmünze zu 20 Mark anlässlich der Öffnung des Brandenburger Tores (DDR, 1990, Kupfer-Nickel-Zink). Bildquelle: Sammler-Highlights.

In einem Artikel über das Symbol der Deutschen Einheit auf Gedenkmünzen der Wendezeit beschreibt Wolfgang Steguweit den starken Eindruck, den die Öffnung des Brandenburger Tores am 22. Dezember 1989 auf ihn ausübte. Als die Repräsentanten der beiden deutschen Staaten das Tor für den Besucherverkehr öffneten, wehte über ihm noch die Fahne der DDR. Nie habe Steguweit die Säulen in ihrer Erhabenheit so kraftvoll wie an jenem Tage empfunden. (Wolfgang Steguweit, in: GeldKunst-KunstGeld, Deutsche Gedenkmünzen seit 1949, Osnabrück 2005, S. 106). Legendär wurde die Entscheidung des Bundeskabinetts, den Viertplatzierten aus dem Gestaltungswettbewerb der Gedenkmünze „200 Jahre Brandenburger Tor“ ausprägen zu lassen: „Am 18. Dezember 1991 erblickte die Münze das Licht der Welt. Heraus kam zur allgemeinen Überraschung eine altmeisterlich geschnittene Prägung Erich Otts aus München, zweifelsohne einem der besten Münzgestalter der Gegenwart in Deutschland. Vom Preisgericht war ihm jedoch lediglich einer der drei vierten (!) Plätze zugebilligt worden. Es ist eine Münze, die in der gediegen klassizistisch anmutenden Komposition, in der Zartheit der Reliefbehandlung und in der gekonnten Ausbalancierung von Münzbild und Umschrift durchaus eine Zierde ist, die aber von den politischen und gesellschaftlichen Prozessen, die das Tor symbolisiert, wenig oder nichts spüren lässt und so die Deutsche Einheit bestenfalls als ‚Kleinod‘ würdigt.“ (Ebenda, S. 108)