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Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike (6. Folge)


Solidus Valentinians I.

Bildnachweis: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Foto: Daniel Franz

Bis zum 11. August 2019 zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer die Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“. Nach den Themen

- Valentinian I. – Kriegsherr und Christ,

- Die „Magnentiuswirren“ – Urkatastrophe des 4. Jahrhunderts?

- Der Glanz der Kaiserresidenz – Trier in der Spätantike

- Im Umkreis des Kaisers – Hofzeremoniell, Redner und Dichter

- Stadt, Land, Berg – Siedlungen in der Pfalz

- Die Stadt Speyer in der Spätantike

- Die vici

- Die villa rustica von Wachenheim

- Neue Siedlungen im Pfälzer Wald

- Leben und Sterben in der spätantiken Pfalz

- Städtische Nekropolen in Speyer

- Christen und Heiden in der spätantiken Pfalz

stellen wir hier abschließend weitere Ausstellungsbereiche vor:

Das Erbe Valentinians – Die Pfalz im 5. Jahrhundert

Nach dem Tod Kaiser Valentinians I. blieb die Rheingrenze zunächst stabil. Sein Sohn Gratian führte letztmalig einen Feldzug in den rechtsrheinischen Raum. Am Ende des 4. Jahrhunderts wurden zudem die Verträge, die den Frieden mit den Alamannen sichern sollten, erneuert. Dennoch kam es in der Silvesternacht 406/07 n. Chr. zu einer großen Invasion der Vandalen und anderer Gruppen über den Rhein. Sie sollen plündernd und brandschatzend weite Teile der Provinz Germania prima, darunter auch Speyer, zerstört haben. Das berichtet jedenfalls der christliche Autor Hieronymus, der allerdings im weit entfernten Palästina lebte. Neuere archäologische Erkenntnisse haben dieses Katastrophenbild aber erheblich relativiert. Offenbar gelang es den römischen Autoritäten, die Ordnung nach einer Weile wiederherzustellen. Das römisch geprägte Leben in der Pfalz ging weiter, und auch die militärischen Strukturen scheinen vielerorts noch funktioniert zu haben. Erst um die Mitte des 5. Jahrhunderts endete die römische Herrschaft am Rhein. Bald darauf wurde die Region in das expandierende fränkische Reich integriert.

Bronzene Lampe im Form einer Taube, gefunden 1860 in Altrip.

Bildnachweis: Historisches Museum der Pfalz, Foto: Carolin Breckle

Brot und Wein – Die Landwirtschaft in der Pfalz

Die spätrömischen Gutsherren in der Pfalz bewirtschafteten bis in das späte 4. oder frühe 5. Jahrhundert hinein zahlreiche blühende Betriebe. Westlich des Rheins durchzog ein dichtes Netz von Villen und Kleinsiedlungen (vici) die Landschaft. Allerdings ging die Zahl der Villen im Vergleich zur mittleren Kaiserzeit merklich zurück. Auf den ertragreichen Lössböden der Haardthügel lagen die Gutshöfe näher beieinander als auf der Niederterrasse im Rheintal. Dort schlossen die Parzellen auch größere Auenbereiche mit schlechteren Böden ein, die besser für die Viehwirtschaft geeignet waren. Hierfür waren auch große Grünflächen nötig, die der Gewinnung von Viehfutter dienten. Ein durchschnittliches Landgut bewirtschaftete etwa 100 bis 200 Hektar Nutzland, auf dem Getreide, Hackfrüchte und Sonderkulturen angebaut wurden. Zu letzteren zählte der Weinanbau, der mit den Römern Einzug in der Pfalz hielt. So produzierte die Villa von Ungstein-Weilberg im 4. Jahrhundert auf einer Fläche von etwa 20 bis 30 Hektar schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Liter Wein pro Jahr.

Am Fuße des Pfälzer Waldes schlossen sich nach Westen hin Kalk- und Sandsteinbrüche sowie Eisenerzgruben und ausgedehnte Waldflächen an. Der enorme Bedarf an Bauholz führte im Laufe der Jahrhunderte zu einer Abholzung des zuvor reichen Baumbestandes

Der Silberlöffel aus Eßweiler (Lkr. Kusel) ist verziert mit einem Segenswunsch, vegetabilem Dekor und zwei kleinen Tauben.

Bildnachweis: Historisches Museum der Pfalz, Foto: Carolin Breckle

Handel und Importe – Die Pfalz als Wirtschaftsraum

Die römischen Landgüter in der Pfalz produzierten in der Spätantike nicht nur für den eigenen Bedarf. Ein Teil der Wirtschaftsgüter – wohl meist Getreide, Vieh und Wein – wurde auch über die Grenzen der Provinz hinaus verhandelt. Während sich diese Güter archäologisch nicht nachweisen lassen, haben sich zahlreiche Erzeugnisse der heimischen Töpfereien bis heute erhalten. Im Verlauf des 3. Jahrhunderts gewannen die Töpfereizentren in der Region um Mayen sowie in den Argonnen im Nordwesten des heutigen Frankreich überregional an Bedeutung. Deren Produkte wurden bis nach Britannien verhandelt und dominierten vor allem in der 1. Hälfte des 4. Jahrhunderts den Markt. Sie lösten damit die Rheinzaberner Töpfereien ab, die im 4. Jahrhundert ihr Sortiment änderten. Auch die Herstellung von Gläsern wurde in der Spätantike ausgeweitet.

Große Mengen an landwirtschaftlichen Produkten wurden aus Kostengründen meist per Schiff transportiert. Binnenschiffe mit geringem Tiefgang waren für die Fahrt auf unregulierten Flüssen angepasst und machten den Rhein und seine Nebenflüsse zur Lebensader der Pfalz.

Hortfund von Bellheim, bestehend aus 23 Keramikgefäßen, einem Glasbecher und einem eisernen Dengelstock

Bildnachweis: Historisches Museum der Pfalz, Foto: Carolin Breckle

Das Töpfereizentrum von Rheinzabern

Rheinzabern, das antike Tabernae, war eines der bedeutendsten Töpfereizentren der Antike. Die unmittelbar an einer römischen Fernstraße gelegene Ansiedlung verfügte über hochwertige Tonlagerstätten und eine optimale Verkehrsanbindung zu den Absatzmärkten. Die großen Terra Sigillata-Manufakturen aus Rheinzabern beherrschten mit ihren Produkten mehr als ein Jahrhundert den Markt und bildeten die wirtschaftliche Grundlage für ein blühendes Leben in der Region. Doch ab der Mitte des 3. Jahrhunderts veränderte sich die Produktpalette der hier produzierten hochwertigen Feinkeramik.

In der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde noch immer Gefäßkeramik getöpfert, doch die Herstellung von Baukeramik unter militärischer Führung gewann zunehmend an Bedeutung. Ziegel aus Rheinzabern sind in der Trierer Kaiserresidenz ebenso zu finden wie im Kastell Altrip. Auch zahlreiche am Oberrhein stationierte Grenzeinheiten sind durch ihre in Rheinzabern hergestellten gestempelten Ziegel bezeugt. Jedoch fand etwa in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts auch die Produktion von Baukeramik in Rheinzabern ihr Ende.

Rom und die Alamannen – Zwischen Konfrontation und Kooperation

Im 3. Jahrhundert taucht erstmals ein neuer germanischer Verband in den Quellen auf: Die Alamannen. Heute geht man davon aus, dass an ihrer Entstehung Kriegergruppen beteiligt waren, die zunächst aus dem mittel- und norddeutschen Raum kommend in das Römische Reich einfielen, um dort zu plündern. Nach der Mitte des 3. Jahrhunderts siedelten sie sich dann im südwestdeutschen Raum an, nachdem sich die römische Verwaltung vom Limes an den Rhein zurückgezogen hatte. Erst hier bildete sich eine neue Stammesidentität heraus – und die rechtsrheinischen Gebiete wurden zur Alamannia. Die Alamannen werden von den römischen Geschichtsschreibern des 4. Jahrhunderts als besonders gefährliche Gegner dargestellt. Auch Valentinian I. hat sich intensiv mit ihnen auseinandergesetzt, um sein militärisches Prestige zu vermehren. Es ging ihm jedoch keineswegs um eine Vernichtung der Alamannen. Vielmehr wurden nach einer Machtdemonstration jeweils Verträge mit den alamannischen Anführern abgeschlossen, die sich dazu verpflichten mussten, Abgaben an Rom zu leisten. Auch gab es enge Handelsbeziehungen in dem spätantiken Grenzraum am Rhein. Zudem taten nicht wenige Alamannen Dienst im spätrömischen Heer.

Ausstellungsdaten

Laufzeit: bis 11. August 2019

Ausstellungsort: Historisches Museum der Pfalz Speyer, Domplatz, 67346 Speyer

Ausstellungsgröße: ca. 150 qm

Anzahl Exponate: rund 65 Einzelexponate und Fundkomplexe

Das Historische Museum der Pfalz ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten: An Feiertagen ist das Haus generell auch montags geöffnet.

Die Öffnungszeiten an den Weihnachtsfeiertagen/am Jahreswechsel sind wie folgt: Heiligabend: 10 bis 14 Uhr, 1. und 2. Weihnachtsfeiertag von 10 bis 18 Uhr, Silvester: 10 bis 16 Uhr, Neujahr: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise (inklusive Sammlungsausstellungen): Erwachsene: 7 Euro; ermäßigt (Kinder ab 6 Jahren, Schüler, Studenten bis 27 Jahre): 3 Euro; Generationenkarte (2 Erwachsene mit allen zur Gruppe gehörenden Kindern/Enkeln ab 6 Jahren): 14 Euro

Bei Fragen und Buchungswünschen steht den Besuchern das Servicebüro unter der Telefonnummer 06232 620222 zur Verfügung.

E-Mail: info@museum.speyer.de