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Viertes Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank


Am 14. Februar 2018 fand in Frankfurt am Main das vierte Bargeldsymposium der Deutschen Bundesbank statt. Hochkarätige Redner aus Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft betonten übereinstimmend, dass Banknoten und Münzen ein attraktives und intensiv genutztes Zahlungsmittel in vielen Ländern sind und auf absehbare Zeit auch bleiben werden. In ihren Beiträgen verdeutlichten sie, dass insbesondere der Wahlfreiheit des Bürgers, verschiedene Zahlungsmittel nutzen zu können, eine hohe Bedeutung beigemessen wird.

Die Beiträge der Veranstaltung sind in einen Symposiumsband eingeflossen, der digital auf der Website der Bundesbank abrufbar ist. Gedruckte Exemplare, welche die Deutsche Bundesbank Ihnen gerne kostenfrei zusendet, können Sie zudem ebenfalls über den nachfolgenden Link bestellen:

https://www.bundesbank.de/de/publikationen/berichte/studien/4--bargeldsymposium-der-deutschen-bundesbank-2018-764592

In seiner Eröffnungsrede beim 4. Bargeldsymposium sagte Dr. Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, unter anderem:

„Papiergeld oder Bargeld im Allgemeinen steht heutzutage im Wettbewerb mit anderen Zahlungsmitteln. Der technische Fortschritt macht bargeldloses Zahlen immer bequemer und effizienter. Und doch hat das Bargeld weiterhin seine Berechtigung, davon bin ich fest überzeugt.

Der Euro als Bargeld ist ein attraktives und intensiv genutztes Zahlungsmittel und das wird auch so bleiben. Noch immer werden in Deutschland etwa drei von vier Zahlungen an der Ladenkasse bar durchgeführt. Und damit bildet Deutschland keineswegs die Speerspitze in Sachen Bargeldnutzung im Euroraum. In Österreich und den südeuropäischen Ländern ist der Anteil sogar noch höher. Und deswegen hat sich auch der EZB-Rat klar zum Bargeld bekannt.

Ich bin allerdings auch davon überzeugt, dass sich die Bargeldnutzung im Zeitablauf ändern wird – auch in Deutschland. Andere Zahlungsformen werden tendenziell an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel der bargeldlose Zahlungsverkehr. Die Veränderungen dürften sich allerdings eher allmählich und nicht eruptiv vollziehen.

Ich teile im Übrigen nicht die Befürchtung mancher, dass das derzeit verstärkt diskutierte digitale Geld auf absehbare Zeit zu einem ernsthaften Konkurrenten für Bargeld oder Bankguthaben wird.

Ich bin auch nicht davon überzeugt, dass die Notenbanken in Zukunft digitales Zentralbankgeld ausgeben sollten. Die Auswirkungen eines solchen Schritts für den Finanzsektor und damit für die Geldpolitik können nämlich sehr weitreichend sein.

Nichtsdestotrotz sind die aktuellen Entwicklungen auf diesem Gebiet faszinierend und werden intensiv in Notenbankkreisen und in der Öffentlichkeit diskutiert. Deswegen möchte ich in meiner Begrüßungsrede der Frage nachgehen, ob digitales Geld das Geld, wie wir es kennen, perspektivisch verdrängen könnte. […] Ich halte Krypto-Token zumindest für keinen überzeugenden Gegenentwurf zu staatlichem Geld. Für ein stabiles Geld- und Finanzsystem brauchen wir keine Krypto-Token, sondern auf Preisstabilität verpflichtete Notenbanken und eine wirksame Bankenregulierung. Und beides haben wir im Euroraum. […]

Dem Ökonomen John Kenneth Galbraith wird ein Ausspruch zugeschrieben, der, wie ich finde, in besonderer Weise auf das Bargeld zutrifft:

,Geld ist eine einzigartige Sache. Es kommt gleich neben der Liebe als größte Quelle der Freude – und gleich neben dem Tod als größte Quelle der Angst.‘

Für Angst vor dem Ende gibt es beim Euro-Bargeld keinen Grund. Es liegt allerdings an uns Notenbanken im Eurosystem und an Ihnen, die Sie im Geldkreislauf einbezogen sind, das Vertrauen der Menschen in das Euro-Bargeld immer wieder zu rechtfertigen. Das erreichen wir gemeinsam, indem wir weiterhin dafür sorgen, dass den Bürgerinnen und Bürgern wertstabile Euro-Banknoten und Münzen in hoher Qualität und stets im gewünschten Umfang zur Verfügung stehen.“

Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Prof. Dr. Udo Di Fabio beendete seine Rede „Bargeld und Bürgerfreiheit“ mit diesem Fazit:

„Gleichgültig, ob Bargeld tatsächlich ,geprägte Freiheit‘ oder nur gefühlte Freiheit ist, wird doch deutlich, dass Geld und auch in der Sonderform des Bargeldes im hier verfolgten Ansatz als eine Institution auffällt, die für die operative Schließung des Wirtschaftssystems und für die strukturelle Kopplung von politischer Herrschaft und marktregulierter Wirtschaft unentbehrlich ist. Die Unterkategorie des Geldes in Form des politisch im Wert garantierten Bargeldes macht exemplarisch deutlich, wo der Brückenschlag einer Institution hin zur individuellen Lebenswelt und einer normativen Grundordnung erfolgt. Eine normative Grundordnung, die dem Primat des methodischen Individualismus und nicht eines harmoniezentrierten Kollektivismus folgt, wird eine Institution wie die des Geldes auch nach dem Verhalten bis in die Emotionalität hinein beurteilen und entsprechend ausprägen. Die Verfügungsmacht über tauschbare Vermögen in Zurechnung auf das Individuum ist eine infrastrukturelle Erwartung, die man nicht geringschätzen darf, vor allem wenn man eine „finanzielle Privatsphäre“ für normativ geboten hält.“