• Dietmar Kreutzer

Titos Dinaren-Gold oder Der Personenkult um den Partisanenkönig


Vorgeschichte

Das „erste“ Jugoslawien, im Dezember 1918 als Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen gegründet, war ein gewagter Zusammenschluss der südslawischen Völker. Die Vormachtstellung der Serben sorgte von Anfang an für Auseinandersetzungen: „Der innenpolitische Streit gipfelte im Sommer 1928 in einem Attentat auf Stjepan Radić, den Führer der Kroatischen Bauernpartei. Während einer Parlamentssitzung schoss ein Abgeordneter aus Montenegro auf Radić und andere kroatische Abgeordnete. Zwei der Opfer waren sofort tot. Radić selbst erlag seiner Verletzungen sechs Wochen später.“ (Dietmar Kreutzer: Verschwörung gegen König Alexander I. In: MünzenRevue, Heft 4/2015, S. 48) Um einen Bürgerkrieg zu verhindern, setzte König Alexander I. die Verfassung außer Kraft und übernahm die Macht. Kroatische Nationalisten ermordeten daraufhin auch den König – während eines Staatsbesuches 1934 in Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Land aufgeteilt: Serbien wurde deutsches „Schutzgebiet“, in Kroatien entstand ein faschistischer Polizeistaat, die übrigen Teile des Territoriums wurden unter den Nachbarländern aufgeteilt.

Josip Broz Tito (1892–1980). Bildquelle: Wikimedia, Photo Division

Sozialismus

Ab 1941 organisierte Josip Broz Tito den Partisanenkrieg gegen die deutschen und anderweitigen Besatzer. Im März 1945 zum Ministerpräsidenten ernannt, beseitigte der Kommunist noch im gleichen Jahr die Monarchie. Nach seinem Bruch mit Stalin wechselte er ins Lager der Blockfreien. Mit seinem „Titoismus“ installierte er eine sozialistische Marktwirtschaft. Mit einer Reform der Besatzungswährungen sollte ein Kursverhältnis von 50 Dinar für einen Dollar festgeschrieben werden: „Doch bald folgte Abwertung auf Abwertung, bis 1965 Kurse von 1.250 bis 3.000 Dinar für den damals als Maßstab noch unangefochtenen Dollar erreicht wurden. 1966 legte man 100 alte zu einem neuen Dinar zusammen.“ (Herbert Rittmann: Moderne Münzen. München 1974, S. 177) Die Stabilität des „neuen“ Dinar sollte mit einer Serie von Sammlermünzen in Gold und Silber untermauert werden, die für den Vertrieb im westlichen Ausland vorgesehen waren. Staatspräsident Tito, der eine besondere Vorliebe für Erzeugnisse aus Gold hegte, ließ sich auf einigen der Nominale als martialischer Staatslenker abbilden. Die erste Kollektion wurde im Jahr 1968 zum 25. Jahrestag der Republik im italienischen Arezzo geprägt, eine weitere zehn Jahre später im heimischen Belgrad. Als sich der Staatschef im fortgeschrittenen Alter zum Präsidenten auf Lebenszeit ernennen ließ, nahm der Personenkult um ihn monarchische Züge an. Anlässlich der VIII. Mittelmeerspiele 1978 in Split gab es Gold- und Silbermünzen mit wichtigen Nationaldenkmälern, allesamt mit dem Porträt des Präsidenten verziert. Auch nach dem Tod des weisen „Pokrovitelj“ im Jahr 1980 wurden die Ergebenheitsbekundungen fortgesetzt. Zunächst kam eine silberne Gedenkmünze anlässlich seines Ablebens heraus. In den Folgejahren erschienen Sondermünzen mit dem Bildnis des Verblichenen zu den Weltmeisterschaften im Wassersport (1982), den Olympischen Winterspielen in Sarajevo (1984) und zum 40. Jahrestag der Befreiung (1985).

1.000 Dinara (1968, 900er Gold, 78,2 Gramm). Bildquelle: Münzhandlung Ritter

5.000 Dinara (1978, 900er Gold, 29,5 Gramm). Bildquelle: Yugoslavian Blogspot

1.000 Dinara (1980, 750er Silber, 26 Gramm). Bildquelle: Allnumis

1.500 Dinara (1982, 925er Silber, 22 Gramm). Bildquelle: Numista, Valdij

5.000 Dinara (1983,900er Gold, 8 Gramm). Bildquelle: Comptoir des Monnaies

250 Dinara (1984, 925er Silber, 17 Gramm). Bildquelle: World Coin Gallery

5.000 Dinara (1985, 925er Silber, 23,5 Gramm). Bildquelle: UK Coin Company

Bürgerkrieg

Im Zuge der Umwälzungen in Osteuropa schwand der Glanz der charismatischen Führerpersönlichkeit. Der Vielvölkerstaat drohte zu zerfallen: „Der ökonomische Niedergang Jugoslawiens begünstigte zusätzlich die Radikalisierung. Verteilungskämpfe bei rasch schrumpfender Wirtschaftsleistung und zerfallender Staatsmacht waren und sind immer die Stunde populistischer Ideologien und simpler Verschwörungstheorien.“ (Rainer Münz: Jugoslawien – ein Nekrolog. In: Die Neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte, Heft 5/1994, S. 409) Als Ausgangspunkt der Ereignisse gilt der letzte Parteitag der Kommunisten vom Januar 1990. Als die serbischen Delegierten eine Führungsrolle im Staat einforderten, zogen die slowenischen Delegierten aus dem Saal aus. Der Belgrader Publizist Ivan Ivanji erinnert sich: „Ich werde das Bild niemals vergessen. Einige Slowenen weinten. Mitten in der serbischen Delegation saß Milosevic und lachte.“ (Ivan Ivanji: Die Nächte der Ultimaten. In: Die Neue Gesellschaft – Frankfurter Hefte, Heft 5/1994, S. 414) Slowenien, Kroatien und Montenegro erklärten sich 1991 zu unabhängigen Staaten. In der 1992 gegründeten Republik Bosnien und Herzegowina kam es zum blutigen Bürgerkrieg, der erst 1995 mit dem Friedensvertrag von Dayton beendet werden konnte. Dann entbrannten Auseinandersetzungen zwischen den Volksgruppen im Kosovo. Aus der 1992 gegründeten Bundesrepublik Jugoslawien gingen letztlich Serbien, Kosovo und Montenegro hervor.