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Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike (3. Folge)


Solidus Valentinians I.

Bildnachweis: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Foto: Daniel Franz

Bis zum 11. August 2019 zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer die Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“. Nach den Themen

Valentinian I. – Kriegsherr und Christ,

Die „Magnentiuswirren“ – Urkatastrophe des 4. Jahrhunderts?

Der Glanz der Kaiserresidenz – Trier in der Spätantike

stellen wir hier weitere Ausstellungsbereiche vor:

Im Umkreis des Kaisers – Hofzeremoniell, Redner und Dichter

Im Zentrum des Palastbezirks von Trier befand sich ein monumentaler Hallenbau, die sogenannte ‚Konstantins-Basilika‘, die als evangelische Kirche bis heute erhalten ist. In diesem Raum, der mit 67 m Länge und 33 m Höhe die Macht des Kaisers eindrucksvoll zum Ausdruck brachte, versammelte sich von Zeit zu Zeit der kaiserliche Hofstaat, um Lobreden auf den Herrscher zu hören. Diese wurden bei besonderen Anlässen, etwa einem Regierungsjubiläum, von geübten Rednern vorgetragen. Zu diesen gehörte der junge Senator Symmachus, der eigens zu diesem Zweck aus Rom an den Kaiserhof geschickt worden war. Symmachus hielt sich mehrere Jahre in Trier auf. Er traf hier auf eine andere bedeutende Persönlichkeit der Zeit, den aus Südgallien stammenden Dichter Ausonius. Dieser war als Erzieher von Valentinians Sohn Gratian tätig. Sowohl Symmachus als auch Ausonius nahmen zudem an den Feldzügen Valentinians gegen die Alamannen teil und erlebten die Anfänge von dessen Festungsbauprogramm am Rhein.

Das römische Eisenberg um 370 n. Chr. Mit Blick zum Burgus.

Bildnachweis: Historisches Museum der Pfalz/Zeichnung: Wolfgang Himmelmann, Gaiberg

Stadt, Land, Berg – Siedlungen in der Pfalz

Die heutige Pfalz war in römischer Zeit Teil der civitas Nemetum mit dem Hauptort Speyer (Nemetae). Nur ein kleiner Teil im Norden gehörte bereits zur civitas Vangionum mit dem Hauptort Worms (Vangiones). Die Hauptorte waren nicht nur wichtige Zentren für Verwaltung und Wirtschaft, sondern besaßen mit ihren Theatern und Tempelbauten auch bedeutende kulturelle Einrichtungen. In der Spätantike wurden sowohl Worms als auch Speyer durch Stadtmauern geschützt.

Innerhalb jeder civitas gab es mehrere kleinstädtisch geprägte Siedlungen (vici), die gleichzeitig Zentren für ihr Umland waren. In der fruchtbaren Rheinebene lassen sich überdies zahlreiche ländliche Villen nachweisen, wobei das Spektrum von kleinen Gehöften bis hin zu großen palastartigen Landgütern mit starker Spezialisierung auf bestimmte Produkte reicht. Einige dieser Villen scheinen in der Spätantike eine Zentralfunktion für ihr direktes Umland wahrgenommen zu haben. Manchmal gab es in ihrem Umfeld große Gräberfelder oder dorfartige Siedlungen ohne eigene Infrastruktur. Das Bergland des Pfälzer Waldes war dagegen wesentlich dünner besiedelt. In der Spätantike entstanden hier zahlreiche befestigte Höhensiedlungen.

Das spätantike Speyer, Blick auf den Hafen und die Stadtmauer.

Bildnachweis: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz , Landesarchäologie Speyer, Zeichnung: Wolfgang Himmelmann

Das spätantike Speyer, Treiben auf dem Markt.

Bildnachweis: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz , Landesarchäologie Speyer, Zeichnung: Wolfgang Himmelmann

Die Stadt Speyer in der Spätantike

Speyer (Nemetae) blieb als Hauptort der civitas Nemetum in der Spätantike eine regional bedeutende Stadt am Rhein. Im 4. Jahrhundert erhielt der Ort eine Stadtmauer, die eine Fläche von etwa 9 Hektar umschloss. Auch außerhalb der Mauern gab es Wohnbebauung, aber insgesamt war die besiedelte Fläche kleiner als in den Jahrhunderten davor. Ältere städtische Repräsentationsbauten wie das Forum lagen außerhalb der mächtigen Wehrmauern, in deren Inneren sich eine dichte Wohnbebauung befand, darunter auch aufwendige Häuser mit Fußbodenheizung oder eigener kleiner Badeanlage. Eine christliche Kirche ist in Speyer nicht belegt, die Stadt war in der Spätantike wahrscheinlich noch kein Bischofssitz. Das spätrömische Staatshandbuch der Notitia dignitatum nennt Speyer als Sitz des Praefectus einer Grenztruppe mit Namen Vindices, deren genauer Stationierungsort jedoch unbekannt ist. Wie in allen spätantiken Städten müssen auch in Speyer große Getreidespeicher (horrae) existiert haben zur Versorgung von Militär und Zivilbevölkerung.

Ausstellungsdaten

Laufzeit: bis 11. August 2019

Ausstellungsort: Historisches Museum der Pfalz Speyer, Domplatz, 67346 Speyer

Ausstellungsgröße: ca. 150 qm

Anzahl Exponate: rund 65 Einzelexponate und Fundkomplexe

Das Historische Museum der Pfalz ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten: An Feiertagen ist das Haus generell auch montags geöffnet.

Die Öffnungszeiten an den Weihnachtsfeiertagen/am Jahreswechsel sind wie folgt: Heiligabend: 10 bis 14 Uhr, 1. und 2. Weihnachtsfeiertag von 10 bis 18 Uhr, Silvester: 10 bis 16 Uhr, Neujahr: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise (inklusive Sammlungsausstellungen): Erwachsene: 7 Euro; ermäßigt (Kinder ab 6 Jahren, Schüler, Studenten bis 27 Jahre): 3 Euro; Generationenkarte (2 Erwachsene mit allen zur Gruppe gehörenden Kindern/Enkeln ab 6 Jahren): 14 Euro

Bei Fragen und Buchungswünschen steht den Besuchern das Servicebüro unter der Telefonnummer 06232 620222 zur Verfügung.

E-Mail: info@museum.speyer.de

Wir setzen die Vorstellung von einzelnen Teilen der Ausstellung in den nächsten Wochen fort.