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Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike


Solidus Valentinians I.

Bildnachweis: Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Foto: Daniel Franz

Bis zum 11. August 2019 zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer die Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“. Wir stellen hier einzelne Ausstellungsbereiche vor:

Valentinian I. – Kriegsherr und Christ

Kaiser Valentinian I. hat das Römische Reich von 364 bis 375 n. Chr. mit harter Hand regiert. Er war in mehrfacher Hinsicht ein typischer Herrscher der Spätantike. So kam er nicht aus dem Zentrum des Reiches, sondern aus Pannonien, einer Region im heutigen Ungarn. Er entstammte auch nicht einem senatorischen Geschlecht, sondern einer Soldatenfamilie. Folgerichtig schlug er selbst die Militärlaufbahn ein und war dabei so erfolgreich, dass er nach dem Tod Kaiser Iovians als dessen Nachfolger in Frage kam. Am 25. Februar 364 wurde er von dem versammelten Heer in Nikaia (Kleinasien) zum Kaiser ausgerufen. Auch nach seiner Erhebung zum Kaiser war Valentinian I. ständig bemüht, sein militärisches Ansehen auszubauen, was ihm vor allem durch Aktionen gegen die als besonders gefährlich geltenden Alamannen gelang. Zu diesem Zweck hielt er sich für einen Großteil seiner Regierungszeit in Trier auf. Zudem stieß er zahlreiche Reformen an und ging vehement gegen die Korruption im Reich vor. Valentinian I. war, wie die meisten Kaiser der Spätantike, Christ. Er verhielt sich allerdings in religiösen Dingen tolerant und mischte sich wenig in die kultischen Praktiken der Bevölkerung ein.

2010 wurde in Speyer bei Grabungen am Diakonissenkrankenhaus die Bestattung eines spätrömischen Offiziers freigelegt.

Bildnachweis: Foto: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz

Grabbeigaben des spätrömischen Offizieres.

Bildnachweis: Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz , Landesarchäologie Speyer, Foto: Carolin Breckle

Die „Magnentiuswirren“ – Urkatastrophe des 4. Jahrhunderts?

Um die Mitte des 4. Jahrhunderts beendete ein Bürgerkrieg die Herrschaft der Dynastie Konstantin des Großen. Dieser begann 350 n. Chr. mit dem Sturz des Westkaisers Constans (337–350 n. Chr.) durch einen Offizier namens Magnentius. Der Ostkaiser Constantius II. (337–361 n. Chr.) erkannte den Usurpator nicht als neuen Mitkaiser an und leitete militärische Maßnahmen ein. Dabei wurden die verbündeten Stammesverbände der Alamannen und Franken ermuntert, den Rhein zu überschreiten und in den Konflikt einzugreifen. Zwar konnte Magnentius 353 n. Chr. besiegt werden, die Germanen plünderten aber weiterhin die Gebiete westlich des Rheins, ohne dass Constantius II. ihnen Einhalt gebieten konnte. Erst sein Cousin Julian schlug diese im Rahmen mehrjähriger Feldzüge zwischen 355 und 360 n. Chr. zurück. Der Historiker Ammianus Marcellinus berichtet als Augenzeuge vom großen Ausmaß der Zerstörungen, die Julian in den Provinzen am Rhein vorfand. Archäologisch lässt sich dieses Bild von der großen Katastrophe, die auch die Pfalz getroffen haben soll, jedoch nicht immer bestätigen. Nachdem Julian Kaiser wurde, verließ er Gallien 361 n. Chr., ohne dass der Aufbau einer neuen Grenzverteidigung abgeschlossen war. Erst sein Nachfolger Valentinian widmete sich ganz dieser Aufgabe und wählte hierfür das nahe Trier als seine permanente Residenz.

Der Glanz der Kaiserresidenz – Trier in der Spätantike

Während des 4. Jahrhunderts war es die Regel, dass die Herrschaft in dem riesigen Römischen Reich unter mehreren Kaisern aufgeteilt wurde – so auch zwischen Valentinian I. im Westen und seinem Bruder Valens im Osten. Gleichzeitig hatte die Stadt Rom ihren Status als bevorzugter Aufenthaltsort der Kaiser verloren. Kaiser Valentinian I. hat die ‚ewige Stadt‘ nie betreten! Stattdessen waren die Herrscher vielfach in Bewegung. Daher hatten sich seit dem späten 3. Jahrhundert neue Kaiserresidenzen etabliert, die teilweise an der Peripherie des Reiches lagen. Zu diesen neuen Zentren gehörte auch Trier, das Valentinian I. vom Herbst 367 bis zum Frühjahr 375 n. Chr. als Regierungssitz diente. Trier hatte schon zuvor einen erheblichen Ausbau erfahren. Mit der Präsenz des Kaiserhofes waren nämlich neue Anforderungen verbunden. Hierzu gehörten eine Verbesserung der Infrastruktur und des Angebots an Bädern sowie eine Erweiterung der Spielstätten wie der Wagenrennbahn. Am wichtigsten war die Einrichtung eines Palastbezirkes, in dessen Zentrum sich eine große Empfangshalle befand. Diese bot eine Bühne für das in der Spätantike immer weiter ausgebaute Kaiserzeremoniell.

Ausstellungsdaten

Laufzeit: bis 11. August 2019

Ausstellungsort: Historisches Museum der Pfalz Speyer, Domplatz, 67346 Speyer

Ausstellungsgröße: ca. 150 qm

Anzahl Exponate: rund 65 Einzelexponate und Fundkomplexe

Das Historische Museum der Pfalz ist dienstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sonderöffnungszeiten: An Feiertagen ist das Haus generell auch montags geöffnet.

Die Öffnungszeiten an den Weihnachtsfeiertagen/am Jahreswechsel sind wie folgt: Heiligabend: 10 bis 14 Uhr, 1. und 2. Weihnachtsfeiertag von 10 bis 18 Uhr, Silvester: 10 bis 16 Uhr, Neujahr: 10 bis 18 Uhr

Eintrittspreise (inklusive Sammlungsausstellungen): Erwachsene: 7 Euro; ermäßigt (Kinder ab 6 Jahren, Schüler, Studenten bis 27 Jahre): 3 Euro; Generationenkarte (2 Erwachsene mit allen zur Gruppe gehörenden Kindern/Enkeln ab 6 Jahren): 14 Euro

Bei Fragen und Buchungswünschen steht den Besuchern das Servicebüro unter der Telefonnummer 06232 620222 zur Verfügung.

E-Mail: info@museum.speyer.de

Wir setzen die Vorstellung von einzelnen Teilen der Ausstellung in den nächsten Wochen fort.