• Bernhard Weisser

Erfolge für den Medailleur Carsten Theumer


Das Jahr 2018 meint es gut mit Carsten Theumer, aber Ehre, wem Ehre gebührt. Zunächst wurde ihm im Juni in Leipzig der erste Preis in einem Wettbewerb zur Gestaltung einer Kirchenglocke für die Nikolaikirche zugesprochen. Die Nikolaikirche in Leipzig ist über 850 Jahre alt. Mit ihren Aktivitäten spielte die Kirchengemeinde seit 1982 (‚Schwerter zu Pflugscharen‘) über die Montagsgebete bis hin zu den Montagsdemonstrationen für die Friedliche Revolution eine wichtige Rolle.

Bei dem Wettbewerb zur Gestaltung von 6 neuen Glocken für die Nikolaikirche in Leipzig gewann Carsten Theumer den 1.Preis für die große Glocke „OSANNA“, die im Nordturm der Kirche zur Aufhängung kommen wird. Die frühere Glocke wurde 1917 für Kriegszwecke eingeschmolzen und soll nun, nach über hundert Jahren zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution 2019 zusammen mit fünf weiteren neuen Glocken erstmals wieder in der Nikolaikirche erklingen. Carsten Theumer zu seiner künstlerischen Idee: „Die Osanna ist die Festtagsglocke. Sie ist die Größte. Sie ist die Besondere. Sie wird seit hundert Jahren Abwesenheit wieder die Neueste werden. Sie hängt allein im Nordturm der Nikolaikirche. Deshalb muss ihre Zier nicht dem Prinzip der kleineren folgen. Ein einzelnes Bildmotiv würde ihre besondere Erscheinung und Stellung für mich nicht ausreichend hervorheben. Deshalb entschied ich mich für eine Fülle von kleineren Motiven, über die ganze Glockenhaut verteilt, einem Ornament gleich, eine Huldigung an die Genesis, an die Schöpfung, an die schöpferischen Leistungen der Menschen. Ein Jubel und Frohlocken, Festtag, Feiertag – Hosianna. Tiere aus allen Erdteilen, Pflanzen, Blumen, Palmzweige sollten darauf, musizierende Engel, Sänger und Posaunenspieler.... Ein Gedanke von mir dazu: Die Osanna sollte so aussehen, wie Bachs H-Moll Messe klingt!“ In ihrem Urteil hob die Jury folgende Aspekte hervor: „Die Jury schätzt an Carsten Theumers Gestaltung der OSANNA besonders die grazile Leichtigkeit auf dieser großen Festtagsglocke. Die vielgestaltigen und kleinteiligen Reliefs stehen im Kontrast mit dem schnörkellosen Textblock der wechselvollen Glockengeschichte auf der Rückseite der OSANNA. Die Schriftgestaltung mit Dreikanttypen mutet würde- und qualitätvoll an.“ Für die Finanzierung der Glocke sind Spenden willkommen.

Siegerentwurf zur OSANNA in der Nikolaikirche (Foto: C. Theumer)

Carsten Theumer wagt den Vergleich: „Eine Glocke ist fast wie eine Medaille. Es gibt Vorder- und Rückseite. Die Sicht auf die Seiten wird durch das Tragwerk des Glockenstuhls verdeckt. Sie ist halt nur größer, manchmal aber auch viel größer.

Mit Medaillenkunst hat auch die zweite Nachricht zu tun. Am 16. August 2018 erhielt Carsten Theumer bei der World`s Fair of Money im Convention Center von Philadelphia den „Art Award for Excellence in Medallic Sculpture“ der American Numismatic Association in Philadelphia, Pennsylvania. Der Preis ehrt Künstler, die sich auf dem Feld der Medaillenkunst (‚medaillic sculpture‘) über Jahre bleibende Verdienste erworben haben. Die American Numismatic Association (ANA) ist mit rund 24.000 Mitgliedern wohl die größte Sammlervereinigung weltweit. Mit der Ehrung des Bildhauers aus Halle erhält nach langer Zeit wieder einmal ein deutscher Medailleur diesen Preis. Carsten Theumer gehört zu den aktiven Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst. Er sitzt im Beirat des Vorstandes und erwirbt sich seit vielen Jahren Verdienste um die Ausbildung des künstlerischen Nachwuchses.

Der „Art Award for Excellence in Medallic Sculpture“ für Carsten Theumer (Foto: Robert Kelley)

Zur Nikolaikirche und dem Spendenaufruf für die neue Glocke: https://www.nikolaikirche.de/

Zur American Numismatic Assiciation: https://www.money.org/

Das Werk von Carsten Theumer: https://www.carstentheumer.com/