• Dietmar Kreutzer

Taiwan erwägt Ablösung von Münzen mit Chiang-Porträt


2.000 Yuan (80. Geburtstag von Chinang Kai-shek, 1966, 900er Gold, 31,06 Gramm, 33 mm). Bildquelle: Numismatic Guaranty Corp.

Der Gouverneur der Taiwanesischen Nationalbank hält es für denkbar, dass die Kursmünzen mit dem Porträt des früheren Staatspräsidenten Chiang Kai-shek ausgetauscht werden müssen. Etwa 11,4 Milliarden Münzen mit dem Porträt des Diktators sind noch immer im Umlauf. Dasselbe gilt für eine Banknote, von der allerdings nur noch wenige Exemplare kursieren. Hintergrund sind entsprechende Forderungen aus der Regierungspartei.

Eine Regierungskommission überprüft derzeit, was von den Überresten des früheren Kriegsrechts auf der ost-chinesischen Insel zu beseitigen sei. Sollte es zu einer gesetzlichen Regelung zur Beseitigung von Denkmälern und anderen Relikten kommen, die an Chiang erinnern, sei mit Kosten von 50 Milliarden New Taiwan Dollars zu rechnen. Die Summe entspricht etwa 1,7 Milliarden US-Dollars. In der Bevölkerung gibt es Widerstand gegen einen solchen Schritt. Chiang habe zwar die Menschenrechte missachtet, die Insel aber jahrzehntelang vor dem Zugriff der chinesischen Kommunisten bewahrt.

10 Yuan (Kursmünze, geprägt 1981–2010, Kupfer-Nickel, 7,5 Gramm, 26 mm). Bildquelle: Numista, Nalaberong

General Chiang Kai-shek (1887–1975) war bis zum Einmarsch der Japaner im Jahr 1937 Präsident des vom Bürgerkrieg geschüttelten China (siehe: MünzenRevue, Ausgaben 4 und 5/2018). Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten jedoch Maos Kommunisten große Teile des Landes. Chiang bereitete seinen Rückzug von der chinesischen Ostküste auf die Insel Taiwan vor. Ein britischer Journalist beobachtete am 1. Dezember 1948 aus dem Fenster des Peace-Hotels von Shanghai durch Zufall, wie Chinas Goldreserven verladen wurden: „Ich konnte kaum glauben, was ich sah. Unten war eine Anzahl von Kulis, die aus der Bank kamen. Ich konnte sogar ihre Hüte ausmachen und ihre Uniformen aus Indigo-Tunika mit den kurzen ausgebeulten Hosen.“ Auf Bambusstangen verluden sie die ersten Barren der chinesischen Goldreserve auf ein Schiff. Im Frühjahr 1949 gingen die Transaktionen mithilfe von Lufttransporten weiter. Etwa 115 Tonnen Gold gelangten auf diese Weise nach Taiwan, außerdem große Mengen Silber und Devisen.

Chiang hatte die Verschiffung persönlich angeordnet. Sein Sohn Chiang Ching-kuo schrieb später: „Es ist unvorstellbar, was passiert wäre, wenn wir dieses Gold nicht gehabt hätten, um die Regierung nach Taiwan zu verlegen. Wie hätten wir die Stabilität von heute erlangen können?“ Mithilfe der Goldreserven konnte am 15. Juni 1949 der wertstabile Neue Taiwan Dollar eingeführt werden. Aus Furcht vor einer kommunistischen Okkupation verhängte die Regierung von General Chiang das Kriegsrecht über die Insel. Als politische Partei war lediglich die regierende Kuomintang zugelassen. Trotz der Repressalien prosperierte die Wirtschaft: Aus Agrarerzeugnissen (1949–1962), ersten Industrieprodukten (1962–1970) und komplexer Elektronik (ab 1986) entstand das „Taiwan-Wunder“. Seinen politischen Alleinvertretungsanspruch für China verlor Taiwan infolge der Annäherung zwischen der Volksrepublik China und den USA. Drei Jahre nach dem Tod Chiangs wurde dessen Sohn zum Staatspräsidenten gewählt (1978–1988).

Seit der Aufhebung des Kriegsrechts und der Zulassung von Oppositionsparteien zu Beginn der 1990er Jahre ist Taiwan eine Demokratie. Bei der Parlamentswahl 2016 konnte sich mit der Demokratischen Fortschrittspartei erstmals die Opposition durchsetzen. Im Parlament erreichte sie die absolute Mehrheit der Mandate. Die bisher regierende Kuomintang ging in die Opposition.

Taiwans Hauptstadt mit dem Wolkenkratzer „Taipei 101“ (links). Bildquelle: Pxhere

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