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Münzkatalog „Stato Pontificio“


Alessandro Toffanin: Monete Italiane Regionali. Stato Pontificio. Vol. I: dalle origini a Papa Leone X (1521). Edizioni Numismatica Varesi, Pavia, 2017. 463 S., farbig bebildert, 17,5 x 24,6 cm, Hardcover, 120 Euro, ISBN 978-88-99155-01-8.

Die Reihe MIR (Monete Italiane Regionali) erschließt in Katalogform das bekanntlich riesige und sehr vielgestaltige Münzwesen der Apenninenhalbinsel. Jetzt ist ein besonders ambitionierter Band anzuzeigen, der dem Kirchenstaat von den Anfängen seiner Münzprägung bis zum Ende des Pontifikats von Leo X. im Jahr 1521gewidmet ist.

Die Anfänge der päpstlichen Münzprägungen geben immer noch viele Rätsel auf. Der Autor Alessandro Toffanin begründet deshalb gerade den „Start“ seines Katalogs besonders. Er beginnt mit einer „päpstlich-byzantinischen“ Serie, die er 651–772 datiert, also beginnend mit Kaiser Constantius II. (651–668). Er bezieht sich dabei auf einen Schatzfund aus den 1980er Jahren mit Münzen, die das Bild des Kaisers auf der einen Seite und die Buchstaben RM mit einem Kreuz auf der anderen Seite zeigen. Die Zuordnung der einzelnen byzantinischen Kaiser auf den Münzen ist schwierig und beruht maßgeblich auf der Analyse von stilisierten Porträts auf anderen Prägungen aus der Zeit. Selbst wenn die Zuweisungen nicht immer Bestand haben sollten, Toffanin stellt mit diesem Kapitel wertvolles Material zur Verfügung und befördert damit die Forschungen zu dieser Zeit, an deren Ende der Kirchenstaat nicht mehr nach Byzanz, sondern zum karolingischen Reich ausgerichtet ist.

Die Stärke von Toffanins Katalog liegt wesentlich darin, dass er auch in den folgenden Kapiteln neueste Forschungen in kurzer Form vorstellt und damit seine Katalogisierungen begründet. Das gilt z.B. für die Münzen von Papst Hadrian I. (772–781) bis zu denen von Benedikt VII. (973–974), wo er explizite auch auf die kaiserliche Autorität eingeht. Für das 13./14. Jahrhundert präsentiert er mit der nötigen Vorsicht die Prägungen im Namen des römischen Senats und beachtet das zerbrechlich Gleichgewicht zwischen päpstlicher und bürgerlicher Macht (mit häufigen Kämpfen zwischen den prominenten Familien). Ebenso werden zwischen 1305 und 1370 Prägung für Avignon mit ihren französischen Einflüssen aufgenommen, genauso später andere päpstliche Münzstätten.

Der italienischsprachige Katalog führt den Benutzer gut durch das schwierige mittelalterliche Material und ist deshalb für Sammler, Händler und Forscher ein Segen: Die Münzen sind sehr gut farbig abgebildet, die Beschreibungen sind standardisiert (und so auch für Benutzer, die nur wenige italienische Sprachkenntnisse haben, ohne weiteres verständlich) und enthalten alle erforderlichen Angaben, Tabellen verschiedenster Art (Münzzeichen etc.) helfen bei Bestimmungen und Zuordnungen, auch Seltenheits- und Preisangaben sind aufgenommen. Alessandro Toffanin hat dafür öffentliche Sammlungen und Auktionen ausgewertet.

Einen Katalog mittelalterlicher Münzen dieser Übersichtlichkeit sucht man lange und wünscht ihn sich für andere Gebiete. Ein großartiges Buch in der ohnehin sehr guten MIR-Reihe.