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Sparen–Geschichte einer deutschen Tugend (Teil 4)


Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit der Berliner Sparkasse

Bis zum 26. August 2018 zeigt das Deutsche Historische Museum in Berlin die Ausstellung „Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend“, wir stellen Exponate dieser Ausstellung vor.

Sparen in der Weimarer Republik

Das Deutsche Reich war nach dem verlorenen 1. Weltkrieg mit sehr hohen Staatsausgaben konfrontiert. Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen schienen in der instabilen politischen Situation nicht durchsetzbar. So finanzierte sich das Reich unter wechselnden Regierungen wie schon im Krieg zunehmend durch kurzfristige Reichsbankkredite.

​​Sparbuch der städtischen Sparkasse zu Görlitz mit Eintragungen aus der Inflationszeit, 1922/23

© Deutscher Sparkassen- und Giroverband e.V., Sparkassenhistorisches Dokumentationszentrum Bonn

Aus der hieraus resultierenden inflationären Ausweitung der Geldmenge folgten ein beschleunigter Anstieg der Preise und ein Verfall des Wechselkurses der Mark. Die Sparguthaben wurden durch die 1923 eskalierende Inflation fast vollständig entwertet. Die Währungsreform 1923/24 stabilisierte die Lage.

​​Das im Jahr 1925 erlassene Aufwertungsgesetz konnte den Wertverlust für die Sparer aber nicht annähernd ausgleichen. Dennoch begannen die Sparguthaben schnell wieder zu wachsen. Offenbar hatte die Neigung vieler Deutscher zur Sparsamkeit durch Krieg und Inflation keinen Schaden genommen. Auch die Bankenkrise von 1931 änderte an dem offenbar habitualisierten Sparverhalten der Deutschen langfristig nichts.

Sparen im Nationalsozialismus

​​Die Neigung der Deutschen zum Sparen fügte sich nahtlos in die antisemitische Ideologie des Nationalsozialismus ein. Diese konstruierte einen Unterschied zwischen vermeintlich guter, »schaffender Arbeit« und vermeintlich bösem »raffenden«, als jüdisch deklariertem »Finanzkapital«. Die Sparguthaben wurden dann als Ergebnis schaffender Arbeit dem raffenden »jüdischen Finanzkapital« entgegengesetzt. Jüdische Sparer wurden sukzessive enteignet.

Die Sparsamkeit war ein zentrales Erziehungsziel. Ab1936 wurde das Schulsparkassenwesen massiv ausgebaut. Die Nationalsozialisten führten zudem viele Sondersparformen ein. Erfolgreich waren die Konsumsparprogramme.

Abgesehen von dessen ideologischer Bedeutung diente das Sparen schon früh der »geräuschlosen« Rüstungsfinanzierung und damit der Vorbereitung eines Angriffskrieges. Die Finanzinstitute wurden angewiesen, die Sparguthaben in Staatspapiere anzulegen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wuchsen die Spareinlagen in hohem Maße. Vor allem stieg aber die Zahl der Sparer ganz erheblich an. Der Nationalsozialismus trug entscheidend zur Popularisierung des Sparens in Deutschland bei.

Faltblatt „Deutsche Art bewahrt, Wer arbeitet und spart!“, um 1938

© Deutsches Historisches Museum

Wir setzen die Vorstellung von Exponaten dieser Ausstellung fort.

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