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Tödliche Leidenschaft: Historische Münzen in Kriminalromanen


Nach der Vorstellung von Krimis mit historischen Münzen als „Tatbeteiligten“ im Newsletter muenzen-online.com (KW 15/2018) erreichte uns umgehend eine Ergänzung. R. Kunzmann machte auf den Krimi „Der Hund aus Terracotta“ von Andrea Camilleri aufmerksam, den Silvia Hurter in den Schweizer Münzblättern besprochen hat. Wir freuen uns, diese Besprechung auch veröffentlichen zu dürfen:

Drei Münzen im Näpfchen

Wie wichtig die Numismatik auch in der Kriminalistik sein kann, wenigstens in der einschlägigen Literatur, zeigt ein kürzlich erschienener Krimi «Il cane di terracotta» (Andrea Camilleri: Il cane di terracotta. Edizioni Sellerio 1996). Es waren drei belanglose italienische Scheidemünzen mit den Daten 1934, 1936 und 1942, die commissario Montalbano halfen, einen offenbar Jahrzehnte zurückliegenden Doppelmord aufzuklären. Gefunden wurden sie in einem Näpfchen, das einem ermordeten jungen Liebespaar in der Art antiker Grabbeigaben mitgegeben worden war. Dass sich im Versteck auch ein lebensgroßer Hund aus Terracotta fand, stiftete zusätzliche Verwirrung.

Verübt wurde der Mord in Sizilien, in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, in der Zeit der Landung der amerikanischen Truppen. Was commissario Montalbano auf die Identität der Opfer und, indirekt, auf die Täterschaft brachte, war das Datum, an dem diese Münzen aus dem Verkehr gezogen wurden; hier half ihm ein griesgrämiger Trödler (keine Ähnlichkeit mit dem heutigen Münzhandel beabsichtigt!).

Das Buch ist spannend und empfehlenswert. Die italienische Version ist vielleicht wegen des stark archaisch-sizilischen Vokabulars etwas schwierig, aber es gibt eine sehr gute deutsche Übersetzung – Andrea Camilleri: „Der Hund aus Terracotta“. Deutsch von Christine von Bechtolsheim. Verlag Bastei Lübbe, 1999.