• Jürgen Lorenz

Römische Bauwerke auf Münzen: Teil 1 – Das Heiligtum der Venus Cloacina auf dem Forum Romanum


In Rom, der Hauptstadt des Römischen Weltreichs, sind zahlreiche berühmte und historisch bedeutsame Bauwerke versammelt. Die meisten dieser Gebäude sind auch auf antiken Münzen dargestellt. In einer neuen Artikel-Serie sollen die numismatischen Quellen dieser teilweise weltberühmten Bauten vorgestellt werden. In diesem Beitrag soll die Cloaca Maxima, der bekannte Teil des antiken Kanalisationssystems in Rom, sowie die Darstellung des Heiligtums der Venus Cloacina auf dem Forum Romanum, präsentiert werden.

Der fünfte König Roms, Tarquinius Priscus, soll ein umfangreiches Kanalsystem zur Entwässerung der Senke zwischen Palatin und Kapitol, dem späteren Forum Romanum, geschaffen haben. Der wichtigste dieser Kanäle war die Cloaca Maxima, die damit als Prototyp für antike Abwasserleitungen gilt. Die Trasse dieser Anlage folgt einem ursprünglich natürlichen, später kanalisierten und begradigten Gewässerverlauf namens Velabrum, der am Pons Aemilius in den Tiber mündet. Die Abmessungen der Cloaca Maxima betragen bis zu 3 m Breite und mehr als 4 m Höhe. Der Göttin dieses Flusses, Venus Cloacina, wurde im Forum Romanum ein Schrein errichtet. Livius (1, 38, 6) berichtet folgendermaßen über die Maßnahme des Tarquinius Priscus: "Die Niederungen der Stadt rings um das Forum und andere Täler zwischen den Hügeln legte er (sc. Tarquinius Priscus) durch Kloaken, die von oben zum Tiber geführt wurden, trocken, weil aus dem ebenen Gelände das Wasser nur mühsam herausfloss." Und über Tarquinius Superbus (Livius 1, 56,2): "Bauten mit um einiges größerem Arbeitsaufwand wurden ausgeführt […] und die unterirdische Anlage der Cloaca maxima, der Sammelanlage der Abwässer der Stadt."

Auf einem republikanischen Denar des L. MUSSIDIUS LONGUS sieht man auf der Vorderseite die verschleierte Büste der Concordia, während auf der Rückseite der Schrein der Venus Cloacina auf dem Forum Romanum zu sehen ist; die Beischrift auf dem Schrein lautet CLOACIN. Das Heiligtum der Venus Cloacina, ein dachloser Rundbau, befand sich mitten auf dem Forum an der Stelle, wo die schon von den Etruskern erbaute Cloaca Maxima, der große Abwasserkanal, mündete. Das Heiligtum der Venus Cloacina liegt südwestlich der Basilica Aemilia auf dem Forum Romanum in Rom. Erhalten ist nur noch ein kleines rundes Fundament aus Marmor. Die kleine Anlage war zunächst der ursprünglich wohl etruskischen Göttin Cloacina als Schutzgöttin der Cloaca Maxima, der wichtigsten Abwasserleitung des antiken Rom, geweiht. Später wurde diese Göttin mit Venus gleichgesetzt und Venus Cloacina genannt. Das erstmals bei Plautus erwähnte Heiligtum könnte auf die Anlage der Cloaca Maxima zurückgehen. Gleichwohl stammt laut Plinius das Heiligtum aus der Gründungszeit Roms. Denn nachdem die Auseinandersetzung um den Raub der Sabinerinnen beendet war, sollen Römer und Sabiner ihre Waffen in dem Heiligtum niedergelegt und an dieser Stelle eine Reinigungszeremonie durchgeführt haben. Cloacina wurde als Göttin der Reinheit oder Sauberkeit verehrt. Ihr Name könnte daher auch von dem lateinischen Verb cloare, reinigen, abgeleitet sein. Einer weiteren Tradition zufolge ging der Kult auf Titus Tatius zurück. Das 1899 bis 1901 archäologisch untersuchte Heiligtum lag an der Via Sacra in der Nähe der Tabernae Novae, die später abgerissen wurden, um der Basilica Aemilia Platz zu machen. In unmittelbarer Nähe schwenkte die Cloaca Maxima in das Gebiet des Velabrum, dem ehemaligen Sumpfgebiet zwischen den Hügeln. Münzen aus der Zeit des Zweiten Triumvirats, etwa des Lucius Mussidius Longus aus dem Jahr 42 v. Chr., zeigen ein kleines rundes und nicht überdachtes Heiligtum, eingefasst lediglich mit einer Balustrade, in dem zwei Statuen aufgestellt waren. Entgegen früheren Vermutungen besaß das kleine Heiligtum keinen Zugang zur darunter befindlichen Cloaca Maxima. Erhalten ist der im Durchmesser etwa 2,40 Meter messende, runde Marmorsockel, der auf der Nordwestseite rechteckig vorspringt. Den Münzbildern nach hat sich dort eine Treppe befunden. Der Marmorsockel ruht auf einer Lage aus Travertin, unter der sich wiederum acht Lagen Fundament unterschiedlichen Materials, unter anderem Tuffsteine, befinden. Dieses Fundament wurde bei der Errichtung der Basilica Aemilia teilweise angeschnitten.