• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Haiti


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Haiti, amtlich République d’Haiti (französisch) bzw. Repíblík Dayti (kreolisch), ist ein karibischer Staat, der den Westteil der Insel Hispaniola umfaßt. Er grenzt im Osten an die Dominikanische Republik. Allerdings ist mit Westteil nicht die Hälfte der Insel, sondern nur 1/3 Hispaniolas gemeint. Haiti wird von vier Gebirgszügen und dazwischen liegenden Ebenen gegliedert. Der höchste Berggipfel, der Pic de la Selle, erreicht eine Höhe von 2680 m über NN und liegt im Südosten des Landes. Das Klima ist randtropisch mit einer Regenzeit im Sommer und einer Trockenzeit im Winter. Je nach Höhenlage und Niederschlagsmenge wechselt die Vegetation von immergrünem Regen- und Bergwald zu regengrünem Feucht- und Trockenwald sowie Feucht- und Trockensavanne. Haiti wird des öfteren von Hurrikanen geschädigt. Das Erdbeben von 2010 forderte über 250 000 Tote und zerstörte die Hauptstadt fast völlig. Rund 60% der Bevölkerung sind Schwarzafrikaner und die Nachkommen der im 18. Jahrhundert eingeführten Sklaven. Etwa 35% sind Mulatten. Zwar sind rund 80% der Bevölkerung Christen (überwiegend Katholiken), da aber 3/4 aller Haitianer Rituale des Voodoo ausüben, ist Voodoo so etwas wie eine Volksreligion. Seit 2003 ist es übrigens auch staatlich als Religion anerkannt.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Haitis

1492 wurde die Insel Hispaniola (spanisch Española) von Christoph Kolumbus entdeckt und für Spanien in Besitz genommen. Die später gegründete Hauptstadt erhielt den Namen Santo Domingo. Im Frieden von Rijswijk (1697) mußte Spanien den Westen der Insel an Frankreich abtreten, der sich im Anschluß zur reichsten Kolonie Frankreichs mauserte. 1791 erhob sich die farbige Bevölkerungsmehrheit unter der Führung von F. D. Toussaint L’Ouverture gegen die weiße Oberschicht. 1794 wurden die Sklaven befreit und Spanier und Engländer zurückgedrängt. Seit 1795 (dem Frieden von Basel) war die gesamte Insel französisch und seit 1798 besaßen die Schwarzen die gleichen Rechte wie die Weißen. Am 9. Mai 1801 rief der schwarze Obergeneral aller Truppen Toussaint L’Ouverture die Unabhängigkeit der Insel aus. Zwar gelang es den Franzosen, Toussaint gefangen zu nehmen und nach Frankreich zu deportieren, doch scheiterte ein Rückeroberungsversuch der Insel. Am 8. Oktober 1804 ließ sich der Führer des antifranzösischen Widerstands, Jean Jacques Dessalines, zum Kaiser Jacques I. ausrufen. Zwei Jahre später ermordete man den Kaiser jedoch und teilte Haiti in eine südliche und eine nördliche Republik – im Süden regierte ein Mulatte und im Norden ein Schwarzer als Präsident. 1808 gelangte der östliche Teil der Insel allerdings erneut unter spanische Herrschaft. 1820/22 vereinigte Präsident J. P. Boyer alle Teile zu einem Gesamtstaat und herrschte anschließend bis 1843 als Diktator. Nach seinem Sturz wurde im Osten von den Kreolen die Domininkanische Republik gegründet. Der Staat Haiti, der sich nun auf den Westen der Insel beschränkte, wurde von 1849–1859 von Kaiser Faustin I. (eigentlich F. Soulouque) regiert. Danach breiteten sich Anarchie und Bürgerkrieg im Land aus. Von 1915 bis 1934 besetzten die Vereinigten Staaten von Amerika Haiti und behielten bis 1947 auch die Finanzkontrolle im Land. 1957, im Anschluß an diverse Machtkämpfe und Unruhen, wurde François Duvalier (auch „Papa Doc“ genannt) zum Präsidenten gewählt. Dieser erklärte sich 1964 zum Präsidenten auf Lebenszeit. Die Folge waren Aufstände und Putschversuche gegen seine Diktatur. Da diese letztlich aber wirkungslos blieben, konnte er sein Regime 1971 an seinen Sohn, Jean Claude Duvalier („Baby Doc“), „vererben“, der das dann noch 15 Jahre fortsetzten konnte, ehe ihn Unruhen 1986 ins Exil zwangen. 1987 gab sich das Land eine liberale Verfassung, doch wurde die bereits 1988 außer Kraft gesetzt und der gewählte Präsident Leslie Manigat nach nur sechs Monaten aus dem Amt gejagt. Unruhen und ein Generalstreik zwangen Präsident P. Avril, dieser war 1988 durch einen Putsch an die Macht gekommen, im März 1990 zum Rücktritt. Im Dezember 1990 hielt man nach mehr als 30 Jahren die ersten freien Wahlen ab. Sieger wurde J.-B. Aristide, ein Anhänger der Befreiungstheologie, der ab Februar 1991 das Amt des Präsidenten inne hatte. Im September 1991 stürzte ihn die Armee jedoch und Aristide mußte ins Exil. Eine Seeblockade ab Oktober 1993 und eine militärische Invasion unter der Führung der USA (September 1994) zwang die Militärführung schließlich in die Defensive und Aristide konnte sein Präsidentenamt im Oktober 1994 erneut übernehmen. Aus den Präsidentschaftswahlen von 1995, bei denen Aristide laut Verfassung nicht mehr kandidierte, ging R. Préval als Sieger hervor. Weil er die politische Lage aber nicht stabilisieren und echte demokratische Strukturen nicht aufbauen konnte, siegte Aristide bei den Wahlen von 2000 erneut. Doch statt Frieden im Land, nahmen die Spannungen im Inneren zu und 2003/04 kam es zu einer Rebellion gegen Aristide. Da die Gewalt in Haiti eskalierte und der internationale Druck auf Aristide beträchtlich zunahm, trat dieser zurück und floh ins Ausland. Sein vorläufiger Nachfolger wurde der UN-Diplomat Gérard Latortue. Im Juni 2004 wurde zudem eine internationale UN-Friedensmission unter brasilianischer Führung in Haiti stationiert. Diese wurde 2010 nach dem verheerenden Erdbeben noch aufgestockt, zumal es bereits im Vorfeld (bereits 2008) Unruhen wegen gestiegener Nahrungsmittelpreise gegeben hatte und die vielen internationalen Hilfsmaßnahmen nach dem Erdbeben erst angelaufen waren. Eine Cholera-Epidemie, die Haiti in den Monaten nach dem Erdbeben heimsuchte, verschlimmerte und erschwerte die innenpolitische Lage noch. Hinzu kamen hausgemachte Probleme – die politischen Gegner, Parteien wie Präsidentschaftskandidaten beschuldigten sich seit 2010 zunehmend des gegenseitigen Wahlbetrugs und Wahlfälschung, so daß Unregelmäßigkeiten und Querelen vor den Wahlen immer wieder zu Streitereien, Wahlverschiebungen, Schließung von Wahllokalen etc. führten. Seit der letzten Stichwahl vom 20. Nobember 2016 heißt der Präsident Haitis Jovenel Moise.

Laut Verfassung vom 28. April 1987 ist Haiti eine präsidiale Republik und das Staatsoberhaupt ein auf fünf Jahre gewählter Präsident. Das Parlament besteht aus zwei Kammern – Senat (30 Senatoren für sechs Jahre gewählt) und Repräsentantenhaus (99 Abgeordnete für vier Jahre gewählt). Zu den wichtigsten Parteien und Bündnissen gehören: Parti Fusion des Sociaux-Démocrates Haïtiens (FUSION), Rassemblement des Démocrates Nationaux Progressistes (RDNP), Fanmi Lavalas (FL), Inité, L´Ayiti An Aksyon (AAA), Organizasyon Lavni (Lavni), Alternative pour le progrès et la démocratie (Altenativ), Ansanm Nou Fò (ANF) und Reypons Peyizan (RP).

Die Münzen Haitis

In Haiti gelten seit dem 19. Jahrhundert 100 Centimes = 1 Gourde (Gourdin, Gurd, Piastre, Peso). Die Währungsparität: 5 Gourdes = 1 US-Dollar, ist inzwischen praktisch jedoch aufgehoben. Vom 1. April 1906 bis etwa 1920 existierte zudem eine Zweitwährung. In dieser galten: 100 Centimes = 1 Piastre Forte (Goldparität: 1 Piastre Forte = 1,4508 g Feingold). Zu den Münzen, die man ab 1904 für den allgemeinen Zahlungsverkehr prägte, gehörten: 5, 10, 20 und 50 Centimes in Kupfernickel. Diese zeigten auf ihren Vorderseiten den Staatspräsidenten General Pedro Nord Alexis (1902–1908). Da man in Haiti die „Angewohnheit“, Staatspräsidenten auf die Münzvorderseiten zu setzen, bis 1985 beibehielt, prägte man zwischen 1946 und 1950 5 und 10 Centimes mit Präsident Dumarsais Estimé, zwischen 1951 und 1956 5, 10 und 20 Centimes mit Präsident P. E. Magloire, zwischen 1957 und 1971 5, 10 und 20 Centimes mit Präsident Francois Duvalier und zwischen 1971 und 1985 5, 10, 20 und 50 Centimes mit Präsident Jean Claude Duvalier. Die Mehrheit dieser Münzen brachte man allerdings nicht mehr in Kupfernickel, sondern in Kupfernickelzink aus. Ab 1986 zierte dann der Führer der haitianischen Widerstandsbewegung gegen die Schutzherrschaft der USA (ab 1915), Charlemagne Péralte (1885–1919) die Vorderseiten der 5, 20 und 50 Centimes. Diese Münzen wurden sowohl in Kupfernickelzink als auch in Eisen mit Nickel galvanisiert produziert. 1995 erweiterte man das Repertoire der haitianischen Kursmünzen noch um die Nominale 1 Gourde und 5 Gourdes. Beide Münzen sind siebeneckig und werden aus mit Messing galvanisiertem Eisen geprägt. Auf der Vorderseite der 1-Gourdes-Münze findet sich die Zitadelle von Saint Christophe und auf der Vorderseite des 5-Gourdes-Stücks vier bedeutende historische Persönlichkeiten Haitis. Auf den Rückseiten aller Kursmünzen befindet sich stets das Staatswappen.

Sehr viel umfangreicher als die Umlaufmünzen gestaltet sich indes das Repertoire der haitianischen Gedenkemissionen in Silber und Gold. So prägte man allein auf den 10. Jahrestag der Revolution zwischen 1967 und 1971 vier verschiedene umfangreiche Ausgaben mit zum Teil sehr großen und schweren Gold- und Silberstücken. Gedacht wurde aber auch bedeutenden Sportereignissen wie Olympische Spiele und Fußball-Weltmeisterschaften, der FAO, der 200. jährigen Unabhängigkeit der USA, den Friedensverhandlungen zwischen Ägypten und Israel, dem Internationalen Jahr der Frau, den Römischen Verträgen zur EG-Gründung, dem 30. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte, dem Heiligen Jahr 1975, der christlichen Jahrtausendwende 2000 und etlichem mehr. Die Edelmetall-Legierungen die dabei zur Anwendung kamen, waren 925er und 999er Silber sowie 585er und 900er Gold. Geprägt wurden Kurs- und Gedenkmünzen bei der Monnaie de Paris, den US-Münzstätten Denver, Philadelphia und San Francisco, der Royal Canadian Mint, der British Royal Mint, der Staatlichen Münze Karlsruhe, der Valcambi SA, der Gori & Zucchi (Arezzo), der Ralph Heaton & Sons (Birmingham), der Scovill Manufacturing Company (Waterbury) und dem Istituto Poligrafico e Zecca dello Stato (Roma).

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, Kölner Münzkabinett; Abb. 2: MA-Shops, Armin Michael Kohlross, Haiger 2; Abb. 3: MA-Shops, WAG Münzhandlung Udo Gans, Arnsberg; Abb. 4: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 5: MA-Shops, Münzen & Medaillen Halbedel, Salzburg (A).

Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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