• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Guyana


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Guyana, amtlich Co-operative Republic of Guyana, ist eine Republik im Norden Südamerikas. Sie grenzt im Osten an Suriname, im Süden und Südwesten an Brasilien, im Westen an Venezuela und im Norden an den Atlantischen Ozean. Guyana besteht aus zahlreichen Berg- und Hügellandschaften im inneren des Landes, die wiederum Teil des Berglands von Guyana sind. Auf dem kristallinen Sockel dieser Landschaften, liegen jüngere, in Tafeln zerschnittene Sandsteinschichten, über deren Ränder viele Flüsse als Wasserfälle in die Tiefe stürzen – so z. B. die 247 m hohen Kaieteur-Fälle. Im Grenzgebiet zu Venezuela, im Roraima also, befindet sich der höchste Gipfel des Landes mit 2810 m über NN. Hauptsiedlungs- und Hauptanbaugebiet Guyanas ist die bis zu 70 km breite Küstenebene, die größtenteils aus Schwemmland besteht und teilweise zwischen 1 m und 5 m unter dem Flutspiegel des Meeres liegt, so daß sie durch Deiche geschützt wurde. Es herrscht tropisches Klima mit zwei Regenzeiten und 1500 bis 3000 mm Niederschlag im Jahr. Gut 80% der Landesfläche ist von tropischem Regenwald bedeckt. Im Südwesten findet sich zudem Feuchtsavanne und entlang der Küste gibt es einen Gürtel aus Mangroven und Sumpfwäldern. 43% der Bevölkerung sind indischer und 30% afrikanischer Abstammung. Mulatten und Mestizen belaufen sich zusammen auf etwa 17% der Bevölkerung. Darüber hinaus gibt es noch Guyana-Indianer 9% sowie Weiße (vor allem Portugiesen) und Chinesen. Rund 58% der Einwohner sind Christen (hiervon die Mehrheit Protestanten), rund 29% Hindus und rund 7% sunnitische Muslime.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Guyanas

1596 entdeckte Sir Walter Raleigh Guyana, das in der Sprache der Einheimischen „Land der vielen Gewässer“ hieß. Während des 17. und 18. Jahrhunderts gründeten die Niederlande auf dem Gebiet des heutigen Guyana die Kolonien Essequibo, Demerara und Berbice. 1796 eroberten die Briten diese Kolonien, gaben sie aber 1802 im Frieden von Amiens an die Niederlande zurück. Trotzdem besetzten die Briten die besagten Kolonien 1803 erneut. Durch die Londoner Konvention von 1814 wurden die Kolonien schließlich auch förmlich an Großbritannien abgetreten. Bis 1831 verwaltete man die Kolonien Demerara und Essequibo allerdings getrennt von Berbice. Erst seit 1831 wurden alle drei gemeinsam als Kolonie British-Guiana verwaltet. Da die Sklaverei 1834 aufgehoben worden war, herrschte danach vor allem auf den Plantagen Arbeitskräftemangel. Diesem begegneten die Briten, indem sie 1838 Kontraktarbeiter aus Indien als Ersatz nach Guyana holten. 1928 wurde British-Guiana zur Kronkolonie erklärt. 1961 erhielt diese Selbstverwaltung und am 26. Mai 1966 erreichte das Land die Unabhängigkeit von Großbritannien im Rahmen des Commonwealth of Nations. Mit der Unabhängigkeit wurde auch die Staatsbezeichnung in Guyana umgewandelt. Am 23. Februar 1970 erklärte sich Guyana zur Kooperativen Republik Guyana. Der Verfassung vom 6. Oktober 1980 zufolge (die später mehrfach revidiert wurde), ist Guyana eine präsidiale Republik mit Mehrheitsparteiensystem. Chef des Staates, der Armee und der orbersten Exekutivgewalt ist der auf fünf Jahre gewählte Präsident. Sitz der Legislative ist die Nationalversammlung, die aus 65 Abgeordenten besteht, die auf fünf Jahre gewählt werden. Die wichtigsten Parteien sind: Nationaler Volkskongreß (PNC) und Progressive Volkspartei (PPP). Während der 1980er regierte die PNC unter den Präsidenten L. F. Burnham (bis 1986) und D. Hoyte (ab 1986). Den sozialistischen Kurs, den Guyana bis Ende der 1980er verfolgt hatte, gab es danach auf und öffnete sich der Marktwirtschaft. Die Wahlen von 1992 gewann die oppositionelle PPP unter Präsident C. Jagan. Nach dessen Tod 1997 übernahm seine Witwe J. Jagan Amt und Macht und regierte bis 1999, als sie aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten mußte. Neuer Präsident wurde der ehemalige Finanzminister B. Jagdeo, der sowohl 2001 als auch 2006 wiedergewählt wurde. 2011 gewann die PPP zwar zum fünften Mal in Folge die Parlamentswahlen, doch mußte Jagdeo nach zwei Amtszeiten die Führung an Donald Ramotar abgeben. 2015 schließlich konnte ein Oppositionsbündnis aus APNU und AFC die Regierungspartei PPP nach 23 Jahren aus der Macht drängen und die Regierungsgeschäfte übernehmen. Präsident Guyanas ist seither der ehemalige Brigadegeneral David Granger.

Die Münzen Guyanas

Vor 1965 galten in Guyana 12 Pence = 1 Shilling, 50 Pence = 100 Cents = 1 British-Guyana-Dollar (Gurd); 4 Pence = 1 Bit. Zudem entsprachen 100 Cents = 1 Britisch-Westindischer Dollar (British West Indies Dollar). Die einzigen Münzen, die man zwischen 1903 und 1943 in British Guiana prägte, waren silberne 4-Pence-Stücke (Bit genannt). Allerdings trugen diese bis 1916 die Umschrift BRITISH GUIANA AND WEST INDIES und ab 1917 die Legende BRITISH GUIANA. Am 15. November 1965 wurde jedoch eine neue Währung auf der Grundlage 100 Cents = 1 Guyana-Dollar (Guyanese Dollar) eingeführt. Danach stand 1 Britisch Westindischer Dollar = 1 Guyana-Dollar. Zu den regulären Kursmünzen, die zwischen 1967 und 1992 geprägt wurden, gehörten: 1 Cent und 5 Cents (Nickelmessing), 10, 25 und 50 Cents (Kupfernickel). Doch trugen diese Münzen keine Landesbezeichnung – bestenfalls das Staatswappen wie im Fall der 10-, 25- und 50-Cents-Stücke –, sondern nur den Namen der emittierenden Zentralbank (BANK OF GUYANA). Erst ab 1996 erschien auf den regulären Kursmünzen zu 1, 5 und 10 Dollars über dem Staatswappen auch die Umschrift GUYANA. Kleinmünzen wie bis dahin (Cent-Münzen unterhalb des Dollars also) prägte man ab dem 1. Januar 1997 keine mehr. Die 1- und 5-Dollars-Stücke bestanden aus mit Kupfer galvanisiertem Eisen und die 10 Dollars aus mit Nickel galvanisiertem Eisen. Die erste Gedenkmünze, die Guyana prägen ließ, war eine 1-Dollar-Münze aus Kupfernickel auf die FAO im Jahr 1970. Sie war übrigens auch die erste und einzige Münze, die eine Staatsbezeichnung (in diesem Fall REPUBLIC OF GUYANA) vor 1994 trug. Vermutlich, weil sie kein Staatswappen aufwies. Die Gedenkmünzen, die auf die „Prinzipien des Kwanzaa (Nguzo Saba)“ oder auf die 10-jährige Unabhängigkeit des Staates Guyana verausgabt wurden, und aus Kupfernickel, 500er oder 925er Silber oder 500er Gold bestanden, zeigen allesamt das Staatswappen, darunter die Bezeichnung der emittierenden Zentralbank und darüber die Umschrift OUR PEOPLE – OUR MOST PRECIOUS ASSET (Unser Volk – unser kostbarstes Kapital). Interessant und bemerkenswert ist, daß man einen Großteil dieser Münzen sogar in Nominalen zu 1, 5, 10, 25 und 50 Cents sowie 1, 5 und 10 Dollars ausbrachte und von 1976 bis 1980 in Bronze oder Kupfernickel prägte, so daß diese durchaus auch Kurscharakter besaßen. Die 5, 10, 50 und 100 Dollars der erwähnten „Prinzipien des Kwanzaa“ gab es aber auch in 500er und 925er Silber und 500er Gold ausschließlich für Sammler hergestellt. Die Aufschrift GUYANA findet sich jedoch auf den meisten Gedenkprägungen von 1994 bis heute über dem Staatswappen. Mit diesen Emissionen gedachte das Land beispielsweise dem Staatsbesuch des britischen Königspaars, der christlichen Jahrtausendwende, dem 40. und 50. Jahrestag der Zentralbank, der Eröffnung des Nationalstadions in Providence, dem 10. karibischen Kunstfestival, dem 250. Jahrestag des Aufstands am Fluß Berbice (1763 unter Cuffy), dem 175. Jahrestag der Ansiedlung indischer Kontraktarbeiter in Guyana oder dem 50. Jahrestag der Unabhängigkeit. Außer Bronze, Kupfernickel, 500er und 925er Silber, 500er und 916,7er Gold benutzte Guyana für seine Gedenkprägungen bisweilen auch noch vergoldetes Silber oder vergoldetes Messing. Hergestellt wurden die Münzen Guyanas bei einer Vielzahl ausländischer Münzstätten. So z. B. bei Ralph Heaton & Sons, Birmingham, British Royal Mint, London/Llantrisant, Royal Canadian Mint, Ottawa, Franklin Mint Inc., Philadelphia, Mint of Norway, Kongsberg oder North American Mint Inc., Rochester.

Quellen: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Bernd Steidl, Dresden; MA-Shops, Münzhandlung Höhn, Leipzig; MA-Shops, Comptoir des Monnaies (F); MA-Shops, WAG Münzhandlung Udo Gans, Arnsberg. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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