• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Guatemala


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Guatemala (amtlich República de Guatemala) liegt in Zentralamerika zwischen Pazifik und Karibischem Meer und grenzt im Nordosten an Belize, im Südosten an Honduras und El Salvador und im Westen und Norden an Mexiko. Guatemala ist ein gebirgiges Land, in dessen nordwestlichem Zentrum sich der nördliche Zweig der Kordilleren erstreckt, der bis 3800 m über NN aufragt. Der südliche Kordillerenzweig, die sogenannte Sierra Madre, besteht aus Kettengebirgen, Bergländern und Hochflächen. Am Abfall zur Pazifik-Küste hin, entlang einer erdbebenreichen Bruchzone, finden sich zudem noch etliche aktive Vulkane wie beispielsweise der Tajumulco (4220 m über NN) oder der Tacaná (4064 m über NN). Gewaltige Zerstörungen brachten bisher aber vor allem die heftigen Erbeben, die sich bereits mehrfach ereigneten. Im Norden ist Guatemala hügelig und im Osten geht es in das karibische Küstentiefland über. Das Klima des Landes ist tropisch und die Regenzeit dauert von Mai bis November. Die Vegetation ist recht unterschiedlich und reicht vom Regenwald, über Berg- und Nebelwald bis Eichen- und Kiefern-Mischwälder, Savannen, tropischen Feucht- und Trockenwald. Etwa 60% der Bevölkerung sind Indianer (Quiché, Mam, Cakchiquel und Kekchi), rund 30% Mestizen, auch „Ladinos“ genannt und etwa 5% Weiße und Schwarze. Die christliche Glaubensgemeinschaft ist mit rund 95% die größte (davon 60% Katholiken und über 30% Protestanten). Die recht hohe Zahl der Protestanten ist vor allem den nordamerikanischen evangelikalen Missionsgesellschaften zu verdanken, die seit den 1950ern in Guatemala besonders aktiv sind.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Guatemalas

Guatemala war das alte Siedlungsgebiet der Maya und wurde ab 1200 von den Stämmen Quiché und Cakchiquel beherrscht. 1524 unterwarf der spanische Konquistador Pedro de Alvarado die Maya-Stämme von Mexiko aus, schuf das Generalkapitanat Guatemala und setzte sich 1527 als erster Generalkapitän an die Spitze dieses Kapitanats. In den folgenden Jahrzehnten wurden auch die Gebiete der heutigen Staaten El Salvador, Costa Rica, Honduras und Teile Südmexikos dem Generalkapitanat angegliedert. Während der Unabhängigkeitsbewegung trennte sich Guatemala 1821 von Spanien, erklärte seine Unabhängigkeit (15. September 1821) und schloß sich dem mexikanischen Kaiserreich an. Doch nach dem Sturz Iturbides (1823) vereinigte es sich mit den anderen mittelamerikanischen Provinzen zu den „Provincias Unidas del Centro de América“ (Vereinigten Provinzen von Zentralamerika). Nach dem Zerfall dieser Konföderation und kriegerischen Auseinandersetzungen innerhalb derselben, ging Guatemala eigene Wege und wurde 1839 selbständige Republik. Aber schon bald kämpften Liberale und Konservative im Land um die Macht und das bis ins 20. Jahrhundert hinein. Beeinflußt wurde dieser Machtkampf in zunehmendem Maße von den US-amerikanischen Pflanzergesellschaften, allen voran von der United Fruit Company, die eigene Interessen in Guatemala verfolgte. Zwar konnte General J. Ubico (1931–1944) Staat und Wirtschaft etwas stabilisieren, allerdings nur durch Anwendung starker sozialer Repressionen. Diese wiederum trugen schließlich zu seinem Sturz bei. Seine gewählten Nachfolger, J. Arévalo (1945–1951) und J. Arbenz Guzmán (1951–1954) setzten Reformen durch – auch eine radikale Bodenreform mit Enteignung in- und ausländischer Grundbesitzer –, was dann 1954 zum Putsch führte. Einem Putsch, der von den USA unterstützt worden war und an dessen Ende die Rücknahme der Reformen stand. Da die sozialen Spannungen hierdurch aber keineswegs gelöst, sondern eher verschärft worden waren, kam es um 1960 zum Bürgerkrieg zwischen den Militärs der Regierung einerseits und der Guerilla-Organisation URNG (Nationale Revolutionäre Einheit Guatemalas) andererseits. In der Folge regierten die Militärs oder beherrschten die gewählten Regierungen. Durch den Putsch des Generals J. E. Rios Montt von 1982 wurde die Verfassung außer Kraft gesetzt und jegliche Opposition im Land gewaltsam unterdrückt. Nach dem Putsch von General O. H. Mejia Victores (1983) wurde nach und nach die Zivilverwaltung eingeführt und 1984 Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung abgehalten. Doch blieben die Militärs auch hiernach, d. h. sogar nach der Wahl des Präsidenten M. V. Cerezo Arévalo (1985–1991), an den Schalthebeln der Macht, was dazu führte, daß Gewalt und Gegengewalt nicht abebbten. Während der Präsidentschaft von J. Serrano Elias (1991–1993) wurden schließlich Friedensgespräche im Beisein eines UN-Vertreters aufgenommen. Aber nachdem der Präsident im Mai 1993 die Verfassung außer Kraft gesetzt hatte, entmachtete ihn das Militär und sein Nachfolger wurde R. de León Carpio (ein Menschenrechtsbeauftragter). Er setzte die Friedensgespräche mit der URNG fort, worauhin diese zur Beteiligung an der Präsidentschaftswahl von 1995 aufrief. Sieger wurde E. A. Arzú Irigoyen. Im April 1996 wurde dann von der URNG ein unbefristeter Waffenstillstand verkündet und im Dezember 1996 ein Friedensabkommen geschlossen. Der Bürgerkrieg, der von ca. 1960 bis 1996 gewütet, hatte insgesamt etwa 200 000 Tote und über 1 Million Flüchtlinge gefordert. In den darauf folgenden Jahren, konnte Guatemala nach und nach entmilitarisiert werden. Die wachsende Gewaltkriminalität im Inneren sowie die anhaltende Armut weiter Bevölkerungsteile konnte bisher allerdings auch im 21. Jahrhundert kein gewählter Präsident beseitigen, egal welcher Partei er auch angehörte. Zu den bedeutendsten und einflußreichsten Parteien im Land zählen die Nationale Einheit der Hoffnung (UNE), die Große Nationale Allianz (GANA), die Patriotische Partei (PP), die Republikanische Front Guatemalas (FRG), die Unionistische Partei (UP) und die Partei des Nationalen Fortschritts (PAN). Amtierender Präsident ist seit 14. Januar 2016 Jimmy Morales.

2001 schloß Guatemala ein Handelsabkommen mit Mexiko, Honduras und El Salvador. Mit El Salvador besteht seit 2004 zudem eine Zollunion. Seit 2008 ist Guatemala Mitglied der Petrocaribe und seit 2010 Mitglied der CELAC.

Die Münzen Guatemalas

Vor 1924 galten in der Republik Guatemala: 100 Centavos = 8 Reales = 1 Peso. Zu den Kursmünzen, die für den allgemeinen Zahlungsverkehr ab 1871 geprägt wurden, gehörten: 1 Centavo in Bronze, 5, 10 und 25 Centavos in Silber sowie 1 Peso-Münzen in Silber. Parallel dazu emittierte man aber auch noch bis in die ausgehenden 1890er ¼, ½, 1, 2 und 4 Reales-Stücke in Silber. Zu den Goldmünzen, die ab 1872 verausgabt wurden, gehörten 5 und 20 Pesos-Stücke. Die goldenen 4, 8, 10 und 16 Pesos sowie die meisten 20 Pesos in Gold wurden allerdings nur während der 1860er geprägt. Nach 1878 prägte man jedoch sehr lange keine Gold- und nach 1897/99 auch sehr lange keine Silbermünzen mehr. Zu den Kursmünzen, die zwischen 1900 und 1923 ausgebracht wurden, zählen: ¼, ½ und 1 Real in Kupfernickel, 12 ½ und 25 Centavos in Kupfer sowie 50 Centavos, 1 und 5 Pesos in Aluminium-Bronze. Am 26. November 1924 führte man dann eine neue Währung auf der Grundlage 100 Centavos = 1 Quetzal („Vogel“) ein. Die alten Pesos konnten danach auf der Basis 60 Pesos = 1 Quetzal eingetauscht werden. Als Kursmünzen emittierte man ab 1925: ½, 1 und 2 Centavos in Messing bzw. Bronze, 5 und 10 Centavos in Silber und ¼, ½ und 1 Quetzal ebenfalls in Silber. Doch bestanden diese Silbermünzen nicht mehr aus 900er oder 835er Silber, wie das Gros der Ausgaben des 19. Jhs., sondern allesamt nur noch aus 720er Silber. Zusätzlich verausgabte man 1926 goldene 5-, 10- und 20-Quetzal-Münzen. Diese bestanden aus 900er Gold und entsprachen in Gewicht und Legierung exakt den US-amerikanischen 5-, 10- und 20-Dollars-Goldstücken. Nach 1965 wurden jedoch keine Kursmünzen mehr aus Edelmetall geprägt und auch die unedlen Metallkompositionen noch um die Metalle Alumium und die Legierungen Kupfernickel-Zink, Nickel-Messing und mit Messing galvanisiertem Eisen ergänzt. Seit 1992 gesellen sich allerdings zu den guatemaltekischen Kursmünzen noch eine Reihe von Gedenkmünzenemissionen in Sterlingsilber, z. B. Münzen auf den 100. Geburtstag von Carlos Mérida, auf den 100. Jahrestag der Handelskammer von Guatemala, auf den 50. Jahrestag der Zentralbank des Landes und zahlreiche Ausaben im Rahmen des Iberoamerika-Programms, an dem sowohl Spanien als auch eine Vielzahl anderer latein- und mittelamerikanischer Staaten beteiligt sind. Geprägt wurden und werden die Münzen Guatemalas in Guatemala Stadt aber auch in diversen internationalen Münzstätten, wie beispielsweise Monnaie de Paris, Birmingham, British Royal Mint, Royal Canadian Mint, Koninklijke Nederlandse Munt, US-Mint Philadelphia, US-Mint San Francisco, Hamburgische Münze, Empresa Cubana de Acuñanciones etc.

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, Auktion & Münzhandel, Dr. Christoph Stadler, Bremen; Abb. 2 und 5: MA-Shops, Comptoire des Monnaies (F); 3: MA-Shops, Beutler, Münzen und Edelmetalle, Gärtingen; Abb. 4: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 6: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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