• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Großbritannien und Nordirland


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Beim Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland (amtlich United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) handelt es sich um eine Inselmonarchie in Nordwesteuropa, die von der Nordsee, dem Atlantik, der Irischen See und dem Ärmelkanal umspült wird.

Zu Großbritannien und Nordirland gehören noch die Inseln Wight, Anglesey, Scilly, die Hebriden, die Orkney- und Shetland-Inseln. Die britischen Kanalinseln sowie die Isle of Man zählen jedoch nicht zum Vereinigten Königreich, sondern unterstehen direkt der Krone. Die britische Hauptinsel mit England, Wales und Schottland – ist beinahe 1000 km lang, aber nur an wenigen Stellen breiter als 500 km. Zudem ist sie durch zahlreiche Buchten und Mündungstrichter gegliedert. Im Gebiet Englands, d. h. im mittleren, südlichen und östlichen Teil ist sie vorwiegend eben und hügelig, während sie im Westen und Norden, in Wales und Schottland, deutlich bergiger ist. So steigt das Bergland von Wales über 1000 m über NN auf und erreichen die Berge in Schottland gar 1343 m über NN (Ben Nevis). Aber auch Nordirland wird vorwiegend von Hügel- und Bergland durchzogen. Das Klima ist ozeanisch, d. h. die Winter sind mild und die Sommer kühl. Im Osten Großbritanniens ist es wegen dem Einfluß des nordatlantischen Stroms allerdings trockener und wärmer als im Westen. Den größten Teil der Bevölkerung stellen die Engländer, gefolgt von Schotten, Walisern und britischen Iren. Zu den größten ethnischen Minderheiten zählen Inder, Black Caribbeans und Pakistaner. Die meisten von ihnen wohnen in den großen Städten, vor allem aber in London. Nun sind 72% der Bevölkerung zwar Christen doch gehören davon rund 45% der anglikanischen Kirche, rund 17% den protestantischen Kirchen und über 9% der katholischen Kirche an. Zahlenmäßig ist die anglikanische Kirche am stärksten in England und Wales, die reformierte Kirche in Schottland und die katholische Kirche in Nordirland vertreten. Darüber hinaus gibt es noch etwa 1,6 Mio. Muslime, 559 000 Hindus, 336 000 Sikhs, 270 000 Juden, 152 000 Buddhisten und 30000 Bahais.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Großbritanniens

Nur zwei Jahre nach dem der Hundertjährige Krieg (1338–1453) zwischen England und Frankreich zu Ende gegangen war – England hatte diesen verloren und damit auch alle Besitzungen in Frankreich mit Ausnahme von Calais –, brachen die „Rosenkriege“ (Thronkämpfe) zwischen den Dynastien Lancaster (rote Wappenrose) und York (weiße Wappenrose) aus. Diese endeten erst 1485 mit dem Tod Richards III. aus dem Hause York in der Schlacht bei Bosworth und der Thronbesteigung Heinrichs VII., des Erben der Lancaster. Heinrich VII. (1485–1509) begründete die Dynastie der Tudor, wandte sich von der Eroberungspolitik auf dem kontinentalen Europa (Frankreich) ab und stärkte sein Königtum gegenüber dem Parlament. Sein Nachfolger Heinrich VIII. (1509–1547) brach dann mit dem Papst und dem Katholizismus, schuf 1534 eine von Rom unabhängige Staatskirche und machte sich zu deren Oberhaupt. Bald darauf löste er die Klöster auf und zog deren Besitztümer ein. Vom irischen Parlament ließ er sich 1541 den Titel König von Irland übertragen und band Irland auf diese Weise endgültig an die Krone Englands. Die eigentliche protestantische Reform wurde aber erst durch die Uniformitätsakte und das Allgemeine Gebetbuch unter Eduard VI. (1547–1553) eingeführt. Unter Maria I. (1553–1558) – diese war mit Philipp II. von Spanien verheiratet – wurde jedoch der Katholizismus in England wieder restauriert. Ihre Nachfolgerin Elisabeth I. (1558–1603) kehrte 1559 durch eine erneuerte Uniformitätsakte aber zur anglikanischen Kirche zurück. 1568 ließ sie ihre schottisch-katholische Widersacherin Maria Stuart, die für die Katholiken Englands die rechtmäßige Königin war und die den Titel „Königin von England“ angenommen hatte, gefangennehmen und 1587 nach erwiesener hochverräterischer Kollaboration mit Spanien hinrichten. Die riesige Armada, die Philipp II. 1588 zur Eroberung Englands losgeschickt hatte, wurde von der englischen Marine im Ärmelkanal geschlagen und anschließend von einem gewaltigen Sturm in der Irischen See nahezu vollkommen vernichtet. Ab da begann Englands Aufstieg zur Seemacht. Durch die Gründung der ersten englischen Kolonie in Nordamerika (1584) und der Ostindischen Kompanie (1600) wurde zudem das Fundament für die künftige englische Kolonialmacht gelegt. Da Jakob I. (1603–1625), der Sohn Maria Stuarts, Elisabeths Nachfolger wurde, verbanden sich England und Schottland erstmals in Personalunion miteinander. Weil Karl I. (1625–1649) allerdings die kirchliche Versöhnung mit dem Papst und der römischen Kirche anstrebte und auch sonst am Parlament vorbei absolutistisch zu regieren suchte, kam es 1642 schließlich zum Bürgerkrieg, dem Aufstieg Oliver Cromwells zum obersten Kriegsherrn und Führer des Parlamentsheeres und zur Gefangennahme und Hinrichtung Karls I. (1649). Cromwell, der England hiernach zum „Commonwealth“ erklärte, regierte das Land zwischen 1653 und 1658 als Lord Protector diktatoriell und mit eiserner Hand. Doch schon zwei Jahre nach seinem Tod (1660 also) konnten die Stuarts die Monarchie wiederherstellen und Karl II. Stuart wurde neuer König. Karls katholikenfreundliche und absolutistische Bestrebungen konterkarierte das Parlament jedoch mit der „Testakte“ von 1673, derzufolge Katholiken von Staatsämtern ausgeschlossen wurden und mit der „Habeas-Corpus-Akte“ (1679), die die persönliche Freiheit der Bürger vor willkürlichen Zugriffen des Königs sicherte. Da sein Nachfolger Jakob II. (1685–1688) aber zum Katholizismus übertrat und die Testakte zu umgehen suchte, kam es zum Aufstand und Umsturz seitens des Parlaments. Dieses berief 1688 den Protestanten Wilhelm von Oranien – er war der Schwiegersohn Jakobs II. – und dessen Gemahlin Maria – die protestantische Tochter Jakobs II. – zu Königen von England. Wilhelm regierte ab 1689 als Wilhelm III. zusammen mit Maria bis 1694 und nach ihrem Tode allein bis zu seinem Ableben im Jahr 1702. Mit der „Glorreichen Revolution“ von 1689 gelang es dem Parlament in der „Bill of Rights“, sich gegen den Mißbrauch königlicher Gewalt abzusichern und die Protestanten auch außerhalb der anglikanischen Kirche durch die „Toleranzakte“ zu schützen. 1707 während der Regierung von Königin Anna (1702–1714) wurde Schottland und England dann von einer Personal- in eine Realunion umgewandelt und hieß von da an Großbritannien (Great Britain). Infolge des 1701 verabschiedeten „Act of Settlement“, das die protestantische Thronfolge sichern sollte, gelangten ab 1714 das Haus Hannover auf den britischen Thron. Georg I. (1714–1727), Georg II. (1727–1760), Georg III. (1760–1820), Georg IV. (1820–1830) und Wilhelm IV. (1830-1837) – sie alle regierten in Personalunion mit Hannover. In dieser Zeit baute Großbritannien sein Kolonialreich in Nordamerika, in Indien und Australien aus und stieg nach seinem Sieg über Napoleon 1815 auch zur europäischen Großmacht auf. Durch den „Act of Union“ von 1800 hatte es zudem auch die staatsrechtliche Vereinigung mit Irland umgesetzt und nannte sich ab da „Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Irland“ (ab 1927 dann Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland). Unter Königin Victoria (1837–1901) – diese hatte 1876 den Titel einer Kaiserin von Indien angenommen – und ihrem Sohn Eduard VII. (1901–1910) erreichte das britische Kolonialreich (das „British Empire“) schließlich seine größte territoriale Ausdehnung und wurde zum größten Imperium, das die Welt je gekannt hat und Großbritannien zur Beherrscherin der Meere und zur politischen Supermacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Großbritannien diese Position als Supermacht jedoch zunehmend an die USA, zumal sein koloniales Empire nach 1947 rapide zu schrumpfen begann, die ehemaligen Kolonien sich in großem Stil emanzipierten und Großbritannien diese nach und nach in die Unabhängigkeit entlassen mußte und sich heute im wesentlichen nur noch auf das Mutterland beschränkt.

Die Münzen Großbritanniens

Im 19. Jahrhundert galten in Großbritannien: 4 Farthings = 1 Penny, 12 Pence = 1 Shilling, 2 Shillings = 1 Florin, 5 Shillings = 1 Crown, 20 Shillings = 1 Sovereign (1 Pound Sterling). Zu den Kursmünzen, die für den allgemeinen Zahlungsverkehr geprägt wurden, gehörten: 1 Farthing ½ Penny 1 Penny, 3 Pence, 4 Pence, 6 Pence, 1 Shilling, 2 Shillings bzw. 1 Florin, 2½ Shillings bzw. ½ Crown, Double Florin [4 Shillings] (nur 1887–1890), 1 Crown, ½ Sovereign, 1 Sovereign, 2 Sovereigns und 5 Sovereigns. Während man die Nominale Farthing bis 1 Penny aus Bronze prägte, brachte man die Nominale von 3 Pence bis 1 Crown aus Sterlingsilber und die Sovereign-Münzen aus 22karätigem Gold aus. Im Prinzip blieb man bis 1971 bei diesem Währunssystem, doch prägte man die Silbermünzen zwischen 1920 und 1946 nur noch aus 500er und nicht mehr aus 925er Silber. Ab 1949 brachte man dann alle Münzen mit Ausnahme des Pennys und des 3-Pence-Stücks nur noch aus Kupfernickel aus. Die goldenen Sovereigns prägt man indes bis heute weiter, doch zirkulieren sie seit Großbritannien vom Goldstandard abging (1914/1931) nicht mehr, sondern dienen nur noch zur Goldanlage oder für Sammlerzwecke. Am 15. Februar 1971 stellte man die Währung dann auf der Grundlage 240 (alte) Pence = 100 New Pence um und führte die Dezimalwährung ein, derzufolge 100 (New) Pence = 1 Pound Sterling gelten. Zu den britischen Kursmünzen gesellen sich seit dem 20. Jahrhundert jedoch auch eine Vielzahl von Gedenkmünzenemissionen. Diese widmet man in erster Linie den zahlreichen bedeutenden Ereignissen rund um das britischen Königshaus. Doch auch Themen aus Sport, Natur, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Geschichte finden Beachtung und werden mit Münzen aus Kupfernickel, Silber, Gold und Platin gewürdigt. Seit 1987 emittiert Großbritannien zudem regelmäßig Goldbarrenmünzen (diverse Britannia-Motive) und seit 1997 auch regelmäßig Silberbarrenmünzen (ebenfalls mit verschiedenen Britannia-Motiven). Geprägt wurden und werden die britischen Münzen nahezu ausnahmslos von der Royal Mint in Llantrisant (Wales).

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, Künker am Dom, München; Abb. 2 und 4: MA-Shops, Münzen Sänn, Grasbrunn; Abb. 3: Münzhandlung, Ritter, Düsseldorf; Abb. 5: Münzhandlung Künker, Osnabrück. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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