• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Griechenland


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Griechische Republik amtlich „Elliniki Dimokratia“ liegt auf der Balkanhalbinsel in Südosteuropa. Sie grenzt im Nordwesten an Makedonien und Albanien, im Norden an Bulgarien, im Nordosten an den europäischen Teil der Türkei, wird im Osten vom Ägäischen Meer, im Süden vom Mittelmeer und im Westen vom Ionischen Meer umspült. Zu Griechenland zählen zudem die Ionischen Inseln, die Inseln Kreta, Rhodos sowie die Inselgruppe der Sporaden und Kykladen und einige der Ägäischen Inseln im Osten dicht vor der asiatisch-türkischen Küste. Die Küsten Griechenlands, die etwa 15 000 km umfassen (davon 4100 km Festlandsküsten), sind zumeist felsig und buchtenreich. Das Landesinnere besteht zu drei Viertel aus Gebirgen. Der Rest sind Beckenlandschaften mit zum Teil fruchtbaren oder versumpften Ebenen. Der höchste Berg ist der nördlich des thessalischen Beckens gelegene Olymp (2917 m über NN). Die Peloponnes ist die größte Halbinsel des Landes. Griechenland hat Mittelmeerklima mit heißen und trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern. Die Niederschlagsmenge im Westen ist höher als im Osten. Im Winter liegt in den Gebirgen regelmäßig Schnee. Die Bevölkerung Griechenlands setzt sich aus Griechen (98%) und diversen nationalen Minderheiten zusammen, z. B. Makedonier, Türken, Pomaken, Albaner, Aromunen, Sarakatsanen, Bulgaren und Roma. Rund 98% der Einwohner sind Christen, davon über 97% griechisch-othodoxe. Die restlichen 1% verteilen sich auf Katholiken und armenische Christen. Zu den nicht christlichen Religionsgemeinschaften zählen die gut 150 000 Muslime (Türken, Pomaken und Albaner) und die rund 4500 Juden.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Griechenlands

Nachdem Konstantinopel 1453 von den Türken eingenommen worden war, eroberten diese bis 1461 auch ganz Griechenland und verleibten es dem Osmanischen Reich ein. Ab da blieb Griechenland ein Bestandteil dieses Reiches, bis sich die Griechen 360 Jahre später (am 25. März 1821) in einem allgemeinen bewaffneten Aufstand erhoben und gegen die osmanischen Besatzer zur Wehr setzten. Hierbei wurden sie von griechenfreundlichen Freischaren aus Westeuropa (sogenannte „Philhellenen“) unterstützt. Zwar erklärten sie sich bereits am 1. Januar 1822 in einer Nationalversammlung in Epidauros für unabhängig, doch konnten sie diese Unabhängigkeit erst verwirklichen, nachdem die Großmächte Großbritannien, Rußland und Frankreich sie in ihrem Kampf unterstützten und die Türken in der Seeschlacht bei Navarino (20. Oktober 1827) vernichtend schlugen. Danach, d. h. ebenfalls 1827, wurde eine provisorische Regierung eingesetzt. Im Londoner Protokoll vom 3. Februar 1830 wurde Griechenland – dessen Staatsgebiet nun aus Zentral- und Südgriechenland, aus Euböa und den Kykladen bestand – als unabhängige Erbmonarchie anerkannt. Da der 1827 gewählte Regent, I. A. Graf Kapodistrias am 9. Oktober 1831 aber ermordet wurde, wählten die Griechen 1832 auf Betreiben der Großmächte den 17 Jahre alten Wittelsbacher Prinzen Otto, er war ein Sohn König Ludwigs I. von Bayern, zu ihrem König. Weil die von „Fremden“ beherrschte Regierung unter König Otto I. in der Bevölkerung aber keinen Rückhalt fand, wurden die Wittelsbacher 1862 vertrieben und die Nationalversammlung wählte 1863 den dänischen Prinzen Wilhelm als Georg I. zu ihrem König. 1864 wurde Griechenland um die Ionischen Inseln und 1881 um das Gebiet Arta und den größten Teil Thessaliens erweitert. 1912/13 beteiligte sich das Land erfolgreich an den Balkan-Kriegen und konnte infolge dieser sein Staatsgebiet verdoppeln und sich mit Kreta vereinigen. König Georg I. war 1913 ermordet worden. Da sein Nachfolger Konstantin I. im Ersten Weltkrieg aber neutral bleiben wollte, wurde er durch die Gegenregierung Venizelos (hinter der Briten und Franzosen standen) aus der Macht gedrängt und dankte 1917 zu Gunsten seines Sohnes Alexander ab. Weil Alexander 1920 gestorben und Venizelos 1920 nicht mehr gewählt wurde, brachte eine Volksabstimmung König Konstantin I. zurück auf den Thron. Nach dem Ersten Weltkrieg (1919/20) war Griecheland um Thrakien und die Ägäischen Inseln erneut vergrößtert worden. Als Folge eines verlorenen Krieges gegen die Türken in Kleinasien mußte Griechenland Ostthrakien abgeben (1922) und 1,5 Mio. Griechen mußten die Türkei verlassen. Sie wanderten im Austausch gegen 600 000 Türken nach Griechenland ein. Am 25. März 1924 rief Venizelos die Republik aus, nachdem König Konstantin 1922 und Georg II. 1924 abgedankt hatten. Am 12. Oktober 1935 wurde die Monarchie durch eine Volksabstimmung jedoch wieder eingeführt und Georg II. wurde erneut König. Als deutsche, italienische und bulgarische Truppen Griechenland 1941 besetzten, ging der König ins Londoner Exil, wo er eine Gegenregierung bildete. Fast anderthalb Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte Georg II. nach Griechenland zurück (September 1946), das sich seit 1944 im Bürgerkrieg befand. Um Griechenland aber nicht an die Kommunisten zu verlieren, intervenierten die USA wirtschaftlich und militärisch, so daß der Bürgerkrieg 1949 schließlich zu Ungunsten der griechischen Kommunisten entschieden werden konnte. Nach dem Tod Georgs II. (1947) war sein Bruder Paul griechischer König geworden. Auf Paul folgte 1964 König Konstantin. Am 21. April 1967 kam es unter Ministerpräsident G. Papadopulos (1967–1973) und einer Gruppe konservativer Offiziere zur Errichtung eines diktatorischen Regimes. Da ein vom König gestützter Gegenputsch im Dezember 1967 scheiterte, ging Konstantin II. anschließend ins Exil. Papadopulos rief am 1. Juni 1973 die Republik aus und ließ sich zum Staatspräsidenten ernennen. Im November 1973 wurde er jedoch schon durch einen unblutigen Putsch aus der Macht gedrängt und im Juli 1974 brach die Militärdiktatur endgültig zusammen. Die neue Verfassung vom 11. Juni 1975 (inzwischen mehrfach überarbeitet) restaurierte die Monarchie aber nicht wieder, sondern bestimmte die parlamentarische Republik als die neue Staatsform Griechenlands. Laut Verfassung wird der Staatspräsident, der auch Oberbefehlshaber der Armee ist, auf fünf Jahre gewählt. Die Nationalversammlung, die max. 300 Abgeordnete hat, wird auf vier Jahre gewählt. Zu den einflußreichsten Parteien zählen: Neue Demokratie (ND), Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK), Koalition der radikalen Linken (SYRIZA), Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), Demokratische Linke (DIMAR), Goldene Morgenröte (XA) und Sammlungsbewegung des orthodoxen Volkes (LAOS). Griechenland war seit 1981 Vollmitglied der EG und ist seit 2001 EU-Mitglied und Mitglied der Europäischen Währungsunion. Amtierender Staatspräsident ist seit März 2015 Prokopis Pavlopoulos und amtierender Ministerpräsident ist seit 26. Januar 2015 Alexis Tsipras von der SYRIZA. Doch ganz gleich welche der politischen Parteien das Land in den letzten zehn Jahren regierte, die Staatschuldenkrise konnte bislang nicht gelöst werden und auch die wirtschaftlichen Erholungschancen Griechenlands scheinen nach wie vor in weiter Ferne.

Die Münzen Griechenlands

Ab 8. Februar 1833 galten in Griechenland: 100 Lepta („Leichte“) = 1 Drachme („Handvoll“, Plural: Drachmai, ab 1982: Drachmes); 1 Obolos = 5 Lepta, 1 Diobolon = 10 Lepta, 1 Didrachmon = 2 Drachmai. Zu den Kursmünzen, die unter König Otto I. ausgegeben wurden, gehörten 1, 2, 5 und 10 Lepta in Kupfer, 1/4, 1/2, 1 und 5 Drachmen in Silber und 20 Drachmen in Gold. Unter König Georg I. verausgabte man ebenfalls 1, 2, 5 und 10 Lepta in Kupfer, 20 und 50 Lepta sowie 1, 2 und 5 Drachmen in Silber und 10 und 20 Drachmen in Gold. Die 5, 50 und 100 Drachmen in Gold, prägte man allerdings nur 1876 und nur in kleinen bzw. kleinsten Auflagen. Der Standard der Gold- und Silbermünzen entsprach dem der Lateinischen Münzunion, da Griechenland ab 1868 Mitglied der besagten Union war. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurden jedoch keine Edelmetall-Kursmünzen mehr geprägt und auch die Lepta-Stücke, stellte man nun aus Kupfernickel oder Aluminium her. Zur Zeit der Republik (1924–1935) emittierte man mit Ausnahme der 10- und 20-Drachmen-Münzen in 500er Silber nur noch unedle Kursmünzen. Auf die Restauration der Monarchie 1935 unter Georg II. emittierte Griechenland dann 100 Drachmen in Silber und 20 und 100 Drachmen in Gold. Während der Regierungszeit der Könige Paul I. (1947–1964) und Konstantin II. (1964–1973) wurden alle Kursmünzen nur noch aus unedlen Metallen geprägt. Einzige Ausnahme das 20-Drachmen-Stück von 1960, 1965 in 835er Silber. Und auch die Kurmünzen, die man zur Zeit der Militärregierung emittierte, und die von 10 Lepta bis 20 Drachmen reichten, bestanden durchweg aus Aluminium oder Kupfernickel. Einzig und allein die Sonderprägungen zu 20, 50 und 100 Drachmen mit der Jahreszahl 1967 wurden aus 900er Silber und 900er Gold ausgebracht. Nach der endgültigen Etablierung der Republik 1973 prägte man bis 2000 alle Kursmünzen aus unedlen Metallen und erweiterte die Nominalkette noch um die Nominale 50 und 100 Drachmen (letztere erst ab 1990). Am 1. Januar 2002 führte Griechenland den Euro auf der Grundlage 340,75 Drachmen = 1 Euro ein und gab Euro-Kursmünzen von 1 Cent bis 2 Euro aus. Parallel dazu setzte es die Tradition der Gedenkmünzenemission, die es bereits seit 1973 in großem Stil betrieb, weiter fort und emittierte nun auch eine Vielzahl von Euro-Gedenkmünzen auf die unterschiedlichsten Themenbereiche aus Sport, Natur, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Geschichte. Dabei brachte und bringt es seine Gedenkmünzen sowohl in unedlen Metallen als auch in Gold und Silber aus. Im Unterschied zu den frühen Münzen Griechenlands, die zu einem Großteil noch aus ausländischen Münzstätten kamen (Paris, Wien, Straßburg, Heaton, Bordeaux, King’s Norton, Poissy) stammen die meisten Münzen der Republik ebenso wie die Euro-Münzen aus der Münzstätte Athen.

Quellen: Abb. 1 und 2: MA-Shops, Kapaan & Mades, Bochum; Abb. 3: MA-Shops, Dr. Christoph Stadler e. K., Bremen. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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