• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Grenada


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Grenada, amtlich State of Grenada, ist Bestandteil der Kleinen Antillen (der Inseln über dem Winde, engl. Windward Islands). Zu Grenada gehören die Insel Grenada und die südlichen Grenadinen. Die Inseln Grenadas sind vulkanischen Ursprungs und Teil des vulkanischen Bogens der Ostkaribik. Die Hauptinsel Grenada hat eine Fläche von 311 km² und erhebt sich mit dem Mount Saint Catherine bis 840 m über NN. Obschon gebirgig, finden sich auf Grenada auch Reste des ursprünglichen tropischen Regenwalds. Die Südküste der Hauptinsel ist aufgrund vieler Flußmündungen und Buchten stark gegliedert. Zu den größten Inseln der südlichen Grenadinen wiederum zählen Carriacou, Ronde und Petit Martinique. Das Klima auf Grenada, das unter dem Einfluß des Nordostpassats steht, ist tropisch und während der Regenzeit heiß und feucht. In der Trockenzeit etwas kühler und trockener. Auf der Hauptinsel reichen die Niederschlagsmengen von 1500 bis über 5000 mm im Jahr. Die Durchschnittstemperatur liegt bei 28 °C. Da Grenada am südlichen Rand des Hurrikangürtels liegt, muß auch mit tropische Wirbelstürmen (Hurrikane) gerechnet werden. Seit 2004 trafen zwei Hurrikane das Land.

Die Bevölkerung Grenadas setzt sich wie folgt zusammen: etwa 82% Schwarze, 13% Mulatten und 3% Nachkommen ehemaliger indischer Kontraktarbeiter, die bereits im 19. Jahrhundert ins Land kamen. Gut 97% der Einwohner sind Christen (64% Katholiken, 22% Anglikaner und der Rest Adventisten, Angehörige von Pfingstkirchen, Methodisten und Zeugen Jehovas).

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Grenadas

Die Insel Grenada war 1498 von Christoph Kolumbus entdeckt und Concepción getauft worden. Da die Ureinwohner dieser Insel, die Kariben, aber kriegerisch waren, verzichteten die Spanier auf eine Besiedlung. Vermutlich tauften spanische Seefahrer die Insel später in Grenada um, in Anlehnung an die spanische Stadt Granada. Ein Besiedlungsversuch der Engländer scheiterte 1609. Ab 1649 kauften franzsösische Händler Land auf Grenada von karibischen Häuptlingen. Bald danach unterwarfen die Franzosen die gesamte Insel und rotteten die karibischen Ureinwohner aus. Sie nannten Grenada nun La Grenade und gründeten 1650 die Hafenstadt Fort Royal, die auch Hauptstadt wurde. 1674 machten sie die Insel dann zur französischen Kronkolonie. 1762, während des Siebenjährigen Kriegs, eroberten die Engländer La Grenade und nannten es 1763, nachdem es ihnen im Frieden von Paris zugesprochen worden war, Grenada. 1779, als die Briten in Amerika mit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg „beschäftig“ waren, eroberten die Franzosen Grenada zurück, mußten es jedoch 1783 im Frieden von Paris erneut an Großbritannien abtreten. Von da an blieb Grenada britisch, zumal sich eine französische Revolte 1795 auf der Insel nicht hatte durchsetzen können. Die Briten verwalteten Grenada ab da als Teil der British Windward Islands (Inseln über dem Winde) und machten es 1877 zur britischen Kronkolonie. Zwischen 1958 und 1962 war Grenada Teil der Westindischen Föderation. 1974 wurde es unabhängig und Mitglied im Commonwealth of Nations. Weil Eric Gairy, der Premierminister des Landes, aber zunehmend diktatorisch regierte, wurde er 1979 von der linken New Jewel Movement (Neue Juwel-Bewegung) unter der Leitung von Maurice Bishop durch einen unblutigen Putsch gestürzt. Bishops Versuche, Grenada blockfrei zu halten und sowohl zu den USA als auch zur Sowjetunion und zu Kuba gute Beziehungen zu wahren, scheiterten. Ein blutiger Staatsstreich 1983, in dem Bishop abgesetzt und später von Militärangehörigen Grenadas ermordet wurde, war die Folge. Aus Angst, Grenada könne sich in der Folge zu stark an Kuba oder Nikaragua anlehnen, starteten die USA und sieben weitere karibische Staaten am 25. Oktober 1983 eine militärische Invasion Grenadas, in deren Folge die linke Regierung gestürzt und das Land prowestlich wurde. Seit 1984 werden wieder regelmäßig freie Wahlen abgehalten. Da Grenada Mitglied im Commonwealth of Nations ist, ist die britische Monarchin Elisabeth II. auch Staatsoberhaupt des Landes. Sie wird in Abwesenheit von einem Generalgouverneur(in) vertreten – seit Mai 2013 von Cécile Ellen Fleurette La Grenade. Regiert wird Grenada von einem Zweikammerparlament – Senat mit 13 Senatoren, Abgeordnetenhaus mit 15 Abgeordneten – und einem Premierminister, den die stärkste Partei im Parlament stellt. Während die Senatoren von der Regierung und der Opposition ernannt werden, werden die Abgeordneten von der Bevölkerung für jeweils fünf Jahre gewählt. Seit dem 19. Februar 2013 regiert der Premierminister Keith Mitchell und die New National Party (NNP). Der National Democratic Congress (NDC) – die andere starke Partei Grenadas – ging vollständig in die Opposition.

Die Münzen Grenadas

Vor 1965 galten in Grenada 100 Cents = 1 Britisch-Westindischer Dollar (British West Indies Dollar). Seit dem 6. Oktober 1965 gelten: 100 Cents = 1 Ostkaribischer Dollar (East Caribbean Dollar). Da Grenada Mitglied der Ostkaribischen Währungsunion ist und seit 1981 auch zum Bund der Ostkaribischen Staaten (East Caribbean States) gehört, emittierte es nie eigenes Kleingeld für den allgemeinen Zahlungsverkehr, sondern nutzte vor 1981 die Kleingeldnominale 1/2, 1, 2, 5, 10, 25 und 50 Cents des British Westindischen Bundes (British Caribbean Territories Eastern Group) und danach die gemeinschaftlichen Kursmünzen der Ostkaribischen Staaten (East Caribbean States), 1, 2, 5, 10 und 25 Cents und 1 Dollar. Die einzigen Münzen, die Grenada als Einzelstaat herausbrachte, waren folglich Gedenkmünzen. Hierzu zählte vor der Unabhängigkeit nur eine 4-Dollars-Münze von 1970 in Kupfernickel auf die FAO und die Einweihung der Karibischen Entwicklungsbank (siehe Abb. 1). Zwar hatte es 1969 noch eine 25-Dollars-Silber- und eine 200-Dollars-Goldmünze auf die Ausstellung der Karibischen Freihandelszone in Saint George’s gegeben, doch waren dies bloß Souvenirprägungen zur Ausstellung gewesen, die keine gesetzliche Zahlungskraft besaßen. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit emittierte Grenada als erstes Gedenkmünzen auf den Besuch von Königin Elisabeth II. und Prinz Philipp auf Grenada (1985) – eine 10-Dollars-Münze in Kupfernickel und Sterlingsilber und ein 500-Dollars-Stück in 22karätigem Gold. 1988 gedachte das Land dann mit einer 100-Dollars-Sterlingsilbermünze der Vogelwelt der Karibik (siehe Abb. 2). Zu den letzten einzelstaatlichen Gedenkemissionen Grenadas gehören zwei 5-Dollars-Mini-Feingoldmünzen von 1997. Die eine auf den 70. Jahrestag des ersten Alleinflugs über den Atlantik ohne Zwischenlandung von Charles Lindberg und die andere auf den Valentinstag. Interessant und erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist, daß sowohl für Lindberg und seinen Flug, als auch für den Valentinstag noch motivgleiche Münzstempel für Nominale zu 10, 20, 50 und 75 Dollars in Gold hergestellt worden waren, man letztlich auf die Ausprägung dieser Münzen aber verzichtete (vgl. Gerhard Schön: Weltmünzkatalog, 20 Jh. 1901–2000. 44. Auflage 2016, S. 754). Alle bisher erwähnten Gedenkmünzen Grenadas mit Ausnahme der letzten beiden 5-Dollars-Goldstücke wurden bei der [British] Royal Mint geprägt. Die beiden 5-Dollars-Goldmünzen dagegen prägte die Valcambi SA in Chiasso / Balerna. Nun ist Grenada als Mitglied der Ostkaribischen Staaten (East Caribbean States) sicherlich auch am Kurs- und Gedenkmünzprogramm dieser Staaten beteiligt, doch tritt es dank einer motivisch einheitlichen Münzgestaltung, genau wie die übrigen Mitgliedsstaaten, optisch nicht mehr in Erscheinung. Denn alle Münzen nennen nun auf ihren Rückseiten nur noch die Staatsbezeichnung EAST CARIBBEAN STATES. Abdecken tun allerdings auch diese Gedenkmünzen wichtige Jubiläen des britischen Königshauses sowie bedeutende Sport- und Kulturereignisse (siehe Abb. 3). Des weiteren gedenken sie wichtigen Institutionen (Zentralbank, Universitäten) des Staatenbundes, bedeutenden Persönlichkeiten nationalen und internationalen Ranges, internationalen Jahren der UN und vielem mehr. Hergestellt wurden und werden die Münzen der Ostkaribischen Staaten größtenteil bei der [British] Royal Mint. Zu den meist verwendeten Münzmetallen bei Gedenkmünzen zählen Kupfernickel, Sterlingsilber und 22karätiges Gold.

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 2: MA-Shops, Münzhandlung Hans Linnartz, Köln; Abb. 3: MA-Shops, MGS A. Franz, Köln. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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