• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Guinea-Bissau


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Guinea-Bissau, amtlich República da Guiné-Bissau, ist eine in Westafrika gelegene Republik. Sie grenzt im Osten und Süden an Guinea, im Westen an den Atlantik und an die zu Guinea-Bissau gehörenden Bissagos-Inseln und im Norden an Senegal. Guinea-Bissau ist flach und durch die tief ins Landesinnere vordringenden Ästuare stark gegliedert. Der 160 km langen Küste vorgelagert, befinden sich die etwa 60 Bissagos-Inseln. In den erwähnten Ästuaren sind die Gezeiten bis über 100 km flußaufwärts zu spüren. Die dadurch erzeugten Überschwemmungen ermöglichen in den Flußtälern eine Bewässerungslandschaft. Auf den Bisagos-Inseln und im Küstengebiet herrschen Mangroven- und Regenwälder vor, die nach Osten hin in Feuchtsavanne übergehen. Das Klima Guinea-Bissaus ist randtropisch. Die Regenzeit dauert von Mai bis November. Die Bevölkerung des Landes besteht aus gut 20 verschiedenen Ethnien, von denen die Balante (30%), die Fulbe (25%), die Mandingo (12%) und die Manjaco (9%) die wichtigsten sind. Außer diesen leben in Guinea-Bissau noch Kapverdier, Portugiesen, Syrer und Libanesen. Mit rund 50% bilden die sunnitischen Muslime die größte Religionsgemeinschaft. Die zweitgrößte Gemeinschaft bilden die Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen (rund 40%). Etwa 10% sind Christen, vor allem Katholiken.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Guinea-Bissaus

1446 wurde das Gebiet des heutigen Guinea-Bissau vom Portugiesen Nuno Tristão entdeckt und von Portugal in Besitz genommen. 1640 gründete man das Kapitanat Cacheau und 1696 das Kapitanat Bissau. Beide wurden von den Kapverden aus verwaltet. 1897 vereinigte man beide Kapitanate, gründete aber die eigenständige Kolonie Portugiesisch-Guinea. 1951 erhielt diese den Status einer portugiesischen Überseeprovinz und 1955 die Autonomie. Während der frühen 1970er kämpfte der „Partido Africano da Independencia da Guiné e Cabo Verde“ (PAIGC) unter der Führung von A. Cabral (1924–1973) in einem Guerillakrieg für die Unabhängigkeit Portugiesisch-Guineas. Hierbei wurde er von der Republik Guinea und dem Befreiungskomitee der OAU unterstützt. Am 24. September 1973 rief der PAIGC dann den Staat Guinea-Bissau aus. Dessen Unabhängigkeit wurde am 10. September 1974 auch von der portugiesischen Regierung anerkannt. Zwar strebte der PAIGC Guinea-Bissaus gemeinsam mit dem in Kap Verde regierenden Parteiflügel einen Zusammenschluß von Guinea-Bissau und Kap Verde an, doch kam es letztlich nicht dazu, da Präsident L. Cabral (1973–1980) sein Amt nach einem Putsch an J. B. Vieira von der (PAIGC) abtreten mußte und sich der PAIGC schließlich spaltete. Ab da entwickelten sich die Kapverden eigenständig weiter. Auf internationalen Druck hin, schuf Guinea-Bissau 1991 ein durch die Verfassung garantiertes Mehrheitsparteiensystem. Bei den Parlamentswahlen von 1994 siegte der PAIGC jedoch wieder und bei den Präsidentschaftswahlen gewann J. B. Vieira. 1999 wurde Vieira dann durch einen Militärputsch gestürzt und durch den Übergangspräsidenten Malam Bacai Sanhá ersetzt. Die Präsidentschaftswahlen von 2000 brachten Kumba Yala von der „Partido da Renovação Social“ (PRS) an die Macht. Weil dieser allerdings 2002 das Parlament auflöste, Neuwahlen wiederholt verhinderte und die Meinungsfreiheit einschränkte, putschte das Militär nach mehreren Streiks 2003 unblutig und Henrique Pereira Rosa wurde neuer Übergangspräsident. Die Wahlen von 2004 gewann dann der PAIGC wieder und 2005 wählte die Bevölkerung den ehemaligen Präsidenten Vieira erneut ins höchste Amt. Die Parlamentswahlen von 2008 beließen den PAIGC zwar in der Regierung, doch wurde Vieira 2009 von aufgebrachten Soldaten ermordet. Sein Nachfolger wurde der ehemalige Präsident Malam Bacai Sanhá. Am 12. Januar 2012 verstarb dieser jedoch in einem Krankenhaus in Paris. Nachdem Carlos Gomez Júnior in der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen (18. März 2012) gewonnen hatte, putschten Teile der Armee im April, um seinen Sieg durch eine Stichwahl zu verhindern. Bei den Präsidentschaftswahlen vom 18. Mai 2014 konnte sich schließlich der ehemalige Finanzminister José Mario Vaz durchsetzen.

Der Verfassung vom 16. Mai 1984 entsprechend – diese wurde inzwischen mehrfach modifiziert – ist Guinea Bissau eine präsidiale Republik. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist ein auf fünf Jahre direkt gewählter Präsident, der nur einmal wiedergewählt werden darf. Die Legislative bildet eine Nationalversammlung von 102 Abgeordneten, die auf vier Jahre gewählt wird. Zu den einflußreichsten und bedeutendsten Parteien zählen: „Partido Africano da Independencia da Guiné e Cabo Verde“ (PAIGC), „Partido da Renovação Social“ (PRS), Partido Republicano para a Independência e o Desenvolvimento (PRID) und Partido Unido Social-Democrata (PUSD).

Die Münzen Guinea-Bissaus

Vor 1976 galten in Guinea-Bissau, d. h. in der Kolonie Portugiesisch Guinea (1879–1951) und in der Überseeprovinz (1951–1974), 100 Centavos = 1 Portugiesischer Escudo; 100 Centavos = 1 Guinea-Escudo (Escudo Guineano). Im 20. Jahrhundert, genauer gesagt ab 1933, zählten zu den Münzen des allgemeinen Zahlungsverkehrs 5, 10 und 20 Centavos aus Bronze und 50 Centavos und 1 Escudo aus einer Kupfernickel-Zink-Legierung. Ab 1952 fertigte man die 50 Centavos aus Bronze und erweiterte das Repertoire der Umlaufmünzen noch um die Nominale 2½ Escudos (Kupfernickel), 10 Escudos (Silber 720er) und 20 Escudos (Silber 720er). 1973 brachte man dann die 10 Centavos aus Aluminium, die 20 Centavos und 1 Escudo aus Bronze aus. Neu hinzu kamen 5 Escudos aus Kupfernickel. Die Prägung der 10- und 20-Escudo-Silbermünzen war seit 1952 nicht mehr fortgesetz worden; stattdessen prägte man die 10 Escudos ab 1973 in Kupfernickel. Nachdem 1974 die Republik Guinea-Bissau auch von Portugal und der internationalen Staatengemeinschaft anerkannt worden war, führte das Land am 28. Februar 1976 eine neue Währung ein. Ab da galten 100 Centavos = 1 Guinea-Peso (Peso Guineano). Die alte Währung wurde paritätisch umgetauscht (1 Guinea-Escudo = 1 Guinea-Peso). Zu den Kursmünzen mit Gedenkcharakter, die man 1977 in merhfacher Millionenhöhe emittierte, gehörten 50 Centavos (Aluminium), 1 Peso und 2½ Pesos (Nickelmessing), 5 Pesos und 20 Pesos (Kupfernickel). Von da an brachte man bis 1997 keine weiteren Kursmünzen mehr aus. Stattdessen konzentrierte man sich während der 1980er und 1990er auf die Emission zahlreicher Gedenkmünzen. So verausgabte man beispielsweise Münzen auf die Olympischen Spiele von Los Angeles (1984) und Barcelona (1992), auf den II. Kongreß des Partido Africano da Independencia de Guiné e Cabo Verde, auf den 10. Jahrestag des Regierungsantritts von Präsiden João Bernardo Vieira, auf den 545. Jahrestag der Entdeckung von Guinea-Bissau, auf die Fußball-WM 1994, auf prähistorische sowie bedrohte Tiere, auf den Naturschutz, auf die FAO, auf die Geschichte der Seefahrt, aber auch auf so exotische Themen wie z. B. Deutsche Segelschiffe. Diese Münzen bestehen größtenteils aus 999er oder 925er Silber, wurden zum Teil aber auch aus Kupfernickel und bisweilen sogar aus mit Nickel galvanisiertem Eisen gefertigt. Übrigens, die ersten Gedenkmünzen brachte das Land bereits 1946 zum 500. Jahrestag der Entdeckung von Guinea-Bissau heraus – es waren dies 50-Centavos- und 1-Escudo-Stücke aus Bronze. Gedenkmünzen aus Gold wurden indes nie geprägt. Während die erwähnten Gedenkmünzen nahezu ausnahmlos in Kuba gefertigt wurden, prägte man die Umlaufmünzen größtenteils in Portugal und nur in Ausnahmefällen bei der British Royal Mint.

Da Guinea-Bissau am 2. Mai 1997 der Westafrikanischen Währungsunion beitrat, gilt seither der CFA Franc (Franc de la Communauté Financière Africaine) ohne Unterteilung. Die Währung Guinea-Bissaus wurde auf der Grundlage 65 Guinea-Pesos = 1 CFA Franc umgetauscht. 1 CFA Franc stand übrigens pari mit 1 Französischen Franc und seit 1. Januar 1999 gelten: 655,957 CFA Francs = 1 Euro. Als Mitglied der Westafrikanischen Währungsunion prägt Guinea-Bissau keine eigenen nationalen Münzen mehr, sondern beteiligt sich, numismatisch betrachtet, nur noch an den Gemeinschaftsausgaben der Westafrikanischen Währungsunion.

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, Stephan Knopik, Eckartsberga; Abb. 2: MA-Shops, Altonaer Münzenkontor, Till Kleyer, Bremen; Abb. 3: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden; Abb. 4: MA-Shops, Münzhandlung Brom, Berlin; Abb. 5+6: MA-Shops, Beutler, Münzen und Edelmetalle, Gärtringen. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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