• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Guernsey


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Guernsey (englisch amtlich: Bailiwick of Guernsey, deutsch: Vogtei Guernsey) ist Bestandteil der Kanalinseln (englisch: Channel Islands) und befindet sich wie diese vor der Küste Nordfrankreichs im Ärmelkanal. Das Selbstverwaltungsgebiet Guernsey ist alter Besitz der englischen Krone und untersteht deshalb auch direkt der Krone und gehört nicht zum Vereinigten Königreich (United Kingdom). Zum Selbstverwaltungsgebiet Guernsey zählen die Inseln Guernsey (63 km²), Alderney (8 km²), Sark (5 km²), Brechou, Herm, Jethou und Lihou. Die Insel Guernsey ist hügelig, steigt nach Süden hin bis auf 100 m über NN an und fällt dann mit buchtenreicher Südküste steil ab. Die Hauptstadt Saint Peter Port befindet sich an der geschützten Ostküste der Insel. Auf Grund ihrer Nähe zum Golfstrom und ihrer geschützen Lage im Golf von Saint-Malo hat sie ein mildes ja fast schon mediteranes Klima, das Gemüse-, Obst- und Gartenbau sowie Viehzucht begünstigt und den Milchbauern hohe Erträge beschert. Und da Frost sehr selten ist, gedeihen hier sogar Zypressen, Bananen und Palmen. Die Einwohner der Insel sind meist britischer Herkunft und in ihrer Mehrheit christlichen Glaubens.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Guernseys

Nun war Wilhelm der Eroberer, der 1066 England eroberte, bereits Herzog der Normandie, bevor er König von England wurde. Da Guernsey ein Teil des Herzogtums der Normandie war und Wilhelm die Normandie nicht aufgab, als er englischer König geworden war, kam Guernsey in den Besitz der englischen Krone. Und auch als die Normandie 1450 an Frankreich fiel, blieb Guernsey in königlichem Besitz. Bestandteil Englands wurde es jedoch nie. Zu trauriger Berühmtheit gelangte die Insel im 17. Jh., als zahlreiche Hexenprozesse dort stattfanden und viele Frauen diesen zum Opfer fielen. In napoleonischer Zeit (1796-1814) errichtete man an den Küsten Guernseys zahlreiche Befestigungsanlagen, um gegen einen eventuellen Angriff und eine Landung der Franzosen gewappnet zu sein. Nachdem sich der französische Schriftsteller Victor Hugo 1851 mit Napoleon III. überworfen hatte und ins Exil mußte, ging er zunächst nach Brüssel, dann nach Jersey und schließlich nach Guernsey, wo er bis 1870 in St. Peter Port lebte und seiner literarischen Tätigkeit nachging. Als die Wehrmacht im II. Weltkrieg Frankreich besetzt hatte und die Briten fürchteten, die Deutschen könnten nun auch Guernsey besetzten, internierte man alle auf der Insel ansässigen Deutschen und Österreicher. Und am 20. Mai 1940 brachte man den Vizegouverneur und seine Familie, 1000 britische Soldaten, französische Soldaten und das gesamte Verwaltungspersonal von Guernsey per Schiff in Sicherheit. Zudem verschickte man viele Kinder nach England. Am 30. Juni 1940 landeten dann tatsächlich deutsche Wehrmachtsverbände auf Guernsey, ließen umgehend alle nicht auf der Insel geborenen britischen Staatsbürger nach Biberach an der Riß ins Lager Lindele verfrachten und auf Guernsey eine Reihe von Befestigungsanlagen errichten, von denen aus in der Folge England angegriffen werden sollte. Doch im Mai 1945 kapitulierten die deutschen Besatzer und gingen in die Gefangenschaft. Die britischen Soldaten und zahlreiche deutsche Gefangene räumten anschließend alle Minen – ebenso auch auf Alderney –, so daß die 1940 evakuierte Bevölkerung, zu einem Großteil Ende 1945 wieder zurückkehren konnte. Weil die Nachkriegssituation in Alderney jedoch schwieriger als in Guernsey war und die Wirtschaftsaussichten wenig optimistisch, wurde Alderney 1948 ein Teil der Vogtei Guernseys, behielt aber eine gewisse Unabhängigkeit (Sonderstatus) bis heute bei. Auf Guernsey entwickelte sich in den Jahrzehnten nach dem Krieg aber nicht nur die Landwirtschaft prächtig, sondern auch das Banken- und Finanzwesen – Guernsey ist heute ein bedeutendes internationales Finanzzentrum – und der Fremdenverkehr. Vor allem Natur- und Vogelliebhaber zieht es jedes Jahr in Scharen auf die Insel.

Staatsoberhaupt und Regierungschef von Guernsey ist Königin Elisabeth II., die auch Herzogin der Normandie (genauer gesagt der Vogtei Guernsey und der Vogtei Jersey) ist.

Die Münzen Guernseys

Vor 1971 galten in Guernsey: 8 Doubles (Double Tournois) = 1 Penny (Denier), 12 Pence = 1 Shilling, 20 Shillings = 1 Pound Sterling. Zu den Münzen, die man für den allgemeinen Zahlungsverkehr prägte, gehörten: 1-, 2-, 4- und 8 Doubles. Diese bestanden allesamt aus Bronze und trugen bis 1949 den Leopardenschild mit Dreiblatt auf ihrer Vorder- und die Wertangabe auf ihrer Rückseite. Die Landesbezeichnung lautete GUERNESEY (französische Schreibweise der Insel). Als man 1956 erneut Kursmünzen verausgabte – 4- und 8 Doubles in Bronze sowie 3 Pence in Kupfernickel –, war der offizielle Name Guernseys Vogtei Guernsey (Bailiwick of Guernsey), und die Münzen zeigten auf ihren Vorderseiten das Wappensiegel der Vogtei, das um den Leopardenschild herum die lateinische Umschrift S[IGILLUM] BALLIVIE INSULE DE GERNEREVE trug. Auf den Rückseiten der drei Nominale fanden sich nun erstmals auch Bildmotive – Blüte der Guernseylilie (4 Doubles), drei Blüten der Guernseylilie (8 Doubles) und Guernseykuh (3 Pence). 1966, zum 900. Jahrestag der Schlacht von Hastings prägte man außerdem noch eine 10-Shillings-Gedenkmünze in Kupfernickel. Daß man für den allgemeinen Zahlungsverkehr keine größeren Münznominale als das 3-Pence-Stück prägte, mag darin begründet gewesen sein, daß hier immer auch die Münzen Großbritanniens und die der Vogtei Jersey umliefen und höhere Nominale somit nicht erforderlich waren. Am 15. Februar 1971 führte man dann auf Guernsey die Dezimalwährung auf der Grundlage 100 (New) Pence = 1 Pound Sterling ein. Die Münzen der neuen Währung lauteten auf: ½ New Penny, 1 New Penny, 2-, 5-, 10- und 50 New Pence. Die Münzmetalle waren Brone für die ersten drei Nominale und Kupfernickel für die übrigen. Ab 1977 ließ man den Zusatz „New“ in der Nominalangabe allerdings wieder fallen. Erweiterte das Repertoire der Kursmünzen aber 1981 um ein 1-Pound-Stück (Nickelmessing), 1982 um eine 20-Pence-Münze (Kupfernickel) und 1998 um ein 2-Pound-Stück (unedles Bimetall). War dieses 2-Pound-Stück die erste Kursmünze, die statt des Wappensiegels der Vogtei das Porträt ihrer Majestät trug, so übenahm man diese Praxis zwischen 1998 und 2003 nach und nach auch für die übrigen Kursmünzen-Nominale, setzte links neben das Königinnenporträt aber trotzdem auch noch den kleinen Leopardenschild. Auf den Gedenkmünzen, die Guernsey bis heute fleißig emittiert, fand und findet sich dagegen das Porträt ihrer Majestät bzw. das Porträt und der kleine Leopardenschild auf der Vorderseite sowie die Umschrift QUEEN ELIZABETH THE SECOND oder QUEEN ELIZABETH II BAILIWICK OF GUERNSEY. Mit diesen zahlreichen Emissionen gedenkt die Vogtei in erster Reihe den vielen bedeutenden Jubiläen im englischen Königshaus. Doch auch Ereignisse wie die Schlacht von Hastings, die Landung der Allierten in der Normandie und die Befreiung derselben oder die frühen normannischen Herrscher stehen in diversen Ausgaben im Mittelpunkt des Interesses. Darüber hinaus widmete Guernsey bereits etliche Gedenkmünzen auf bedeutende britische Persönlichkeiten aus Geschichte und Kultur, auf internationale Naturschutzorganisationen, internationale Sportwettkämpfe, auf britische Architekturmonumente oder das britische Militär. Aber auch so ungewöhnliche Ereignisse wie die Christliche Jahrtausendwende (2000), der 150. Jahrestag des Krimkrieges oder der 40. Jahrestag der Mondlandung von „Apollo 11“ fanden Beachtung in der Gedenkprägung Guernseys. Während die Münzmetalle der Kursmünzen durchweg unedel waren und sind, bestehen die Gedenkmünzen in ihrer Mehrheit aus Kupfernickel, Sterlingsilber und 916,67er oder 999er Gold. Mit Ausnahme der frühen bronzenen Doubles-Münzen, die noch aus den Prägestätten Boulton & Watt oder Ralph Heaton & Sons aus Birmingham kamen, stammen sowohl die Kursmünzen ab 1956 als auch alle Gedenkmünzen aus der königlichen Münzstätte „Royal Mint“.

Quelle: Abb. 1-2: MA-Shops, Münzhandlung Dirk Löbbers, Wettringen; Abb. 3-5: MA-Shops, Münzen Frank, Nürnberg; Abb. 6: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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