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Berliner Münzfeunde eV.


September-Sitzung 2016:

U. Pilz hielt einen Vortrag über kursächsische Halbtaler mit Ergänzung der Vierteltaler und Taler unter Bezug auf seinen Artikel in Münzen und Sammeln, Heft 7-8, 2016, S. 76. Unter dem Titel „Interessante kursächsische Halbtaler von ,Vater August‘“. Zahlreiche Stücke konnte er vorlegen und erklären, da es mehrere Varianten gibt. Diese wurden in den Münzstätten Annaberg, Freiberg und Dresden hergestellt. Am 10. Oktober hielt Lutz Fahron einen Vortrag über die in Berlin-Spandau 1899–1945 ansässige „Lehr-, Zucht- & Versuchsanstalt für Heeresbrieftauben“. Für die Auszeichnung der Leistungen in der Zucht und dem Einsatz der Militär-Brieftauben gab es im Deutschen Kaiserreich eine Anzahl von Medaillen und ein Ehrenkreuz, die vorgestellt wurden. Anlass zu diesem Vortrag war die diesjährige Herbstexkursion des Numismatischen Arbeitskreises Brandenburg/Preußen, die im 1906 erbauten Taubenmeister-Wohnhaus, heute liebevoll umgebaut zu einem Restaurant und Hotel, stattfand. Nach dem verstärkten Einsatz von Brieftauben durch die französische Armee im belagerten Paris 1870 begann sich auch das deutsche Heer für dieses Kommunikationsmittel zu interessieren. 1883 gründete die Heeresleitung in Köln den Verband Deutscher Brieftaubenliebhaber und richtete in der Folge eigene Zucht- und Ausbildungsstationen ein. Eine der größten Abteilungen wurde in Berlin-Spandau errichtet (und 1958 fast komplett abgerissen). Über den gesamten Zeitraum überbrachten etwa 25.000 Brieftauben Nachrichten von der Front an die Kommandozentralen. Im 1 .Weltkrieg vor allem im Einsatz bei den schweren Stellungskämpfen in Frankreich und am Beginn des 2. Weltkrieges erfolgte der Brieftaubeneinsatz vorranging beim Westfeldzug. Seit 1883 wurden 268 Gold-, 4.345 Silber- und 11.248 Kupfer/Bronzemedaillen ausgegeben. Dazu kamen kriegsbedingt noch 2.101 Medaillen aus Eisen, deren letzte Bestellung bei der Berliner Münze im August 1918 erfolgte. Auf der Vorderseite sieht man eine aufsteigende Taube über einer Festungsanlage mit Zweckinschrift und auf der Rückseite den Kopf von Wilhelm I. bzw. Wilhelm II. In den Jahren 1895–1909 gab es diese ähnlich gestaltete Medaille auch „Für Verdienste im Marine-Brieftaubenwesen“ mit insgesamt 1.930 Stück in Gold, Silber und Bronze. Elke Bannicke hat alle diese Ausgaben in den „Beiträgen zur Brandenburgisch/preußischen Numismatik“, Numismatisches Heft Nr. 4, 1997, akribisch katalogisiert. Hier wird auch die im Namen des Kaisers 1918–1921 (!) in 549 Exemplaren ausgegebene tragbare Medaille (aufgrund der Form als „Kreuz“ bezeichnet) am blauen Band für Verdienste um das Militär-Brieftaubenwesen beschrieben. Auch die Alliierten setzten in beiden Weltkriegen Brieftauben ein und 1943 wurde in Großbritannien die Dickin Medal (nach Maria Dickin) als höchste britische Auszeichnung für Tiere, die sich im Kriegseinsatz verdient gemacht haben, gestiftet. So bekam 1944 die Taube „G.I.-Joe“ diese Medaille für die Überbringung einer wichtigen Nachricht, die nachweislich mindestens 1.000 Soldatenleben rettete. Zum Abschluss sei bemerkt, dass die schweizerische Armee ihr Brieftaubenkorps erst 1995 auflöste. In ihren Dienstvorschriften war nachzulesen, dass es sich bei Brieftauben um „selbstreproduzierende Kleinflugkörper auf biologischer Basis mit festprogrammierter automatischer Rückkehr aus allen beliebigen Richtungen und Distanzen“ handelt.

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