• Helmut Kahnt

Rückblick: Rumänien erklärt dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn den Krieg


Bronzemedaille 1915 von Karl Goetz auf das Buhlen der Entente um die Staaten des Balkans für einen Kriegseintritt auf ihrer Seite. Hinter Gittern die Brustbilder der Könige Ferdinand von Rumänien, Konstantin von Griechenland und Ferdinand von Bulgarien. Links unten speit ein mit GROSS gekennzeichneter Fisch Geld, rechts unten erscheint eine gepanzerte Faust mit den Buchstaben RUSS. Im Abschnitt steht: „Hilfe ! Balkan ! Streit für uns !“ Rückseite: Die knienden Könige von Großbritannien, Italien, der Zar von Rußland und der französische Präsident.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wahrte das Königreich Rumänien Neutralität, zumal König Karl I. deutschstämmig war (Haus Hohenzollern-Sigmaringen). Das änderte sich, nachdem der König im Oktober 1914 gestorben war. Nun begann die rumänische Regierung, immer mehr der russischen und französischen Propaganda zu folgen. Der rumänischen Kriegserklärung an Österreich-Ungarn waren Geheimverhandlungen mit Rußland vorausgegangen. Rußland akzeptierte darin rumänische Gebietsansprüche auf die Bukowina, Siebenbürgen und das Banat. Mit dem Beitritt zur Entente und dem Einmarsch der rumänischen Armee in Siebenbürgen wurden die Mittelmächte gezwungen, eine weitere Front zu eröffnen. Die Gebietsgewinne waren für die rumänischen Eliten ein starker Köder.

In Bukarest wartete man nur noch auf den passenden Zeitpunkt für den Kriegseintritt. Der schien im Spätsommer gekommen, nachdem sich die deutschen Angriffe auf Verdun festgefahren hatten und die K.u.K.-Armee durch die russische Brussilow-Offensive in schwere Bedrängnis geraten war. So erfolgte am 27. August 1916 die Kriegserkärung Rumäniens an das Deutsche Reich und an Österreich-Ungarn. Der rumänische Ministerräsident Ion Bratianu verkündete in totaler Verkennung der Kampfkraft der rumänischen Streitkräfte: „100 000 Rumänen gegen Null Deutsche. Das wird ein leichter Sieg“. Rumäniens Armee bestand aus 564 000 Mann und 1300 Geschützen.

Das nur schwach verteidigte siebenbürgische Kronstadt (Brasov) konnte die rumänische Armee noch schnell einnehmen, danach änderte sich aber die militärische Lage grundlegend. Im Norden griff eine deutsch-österreichische Armee bei Hermannstadt (Sibiu) unter dem Befehl des Generals Erich von Falkenhayn an. Am südlichen Flügel rückte die deutsch-bulgarische Donau-Armee unter Generalfeldmarschall August von Mackensen vor, der dann den Oberbefehl an der Rumänien-Front erhielt. Am 6. September eroberten diese Truppen die starke Festung Tutrakan am Donau-Ufer, wobei 21 000 Rumänen in Gefangenschaft gerieten. Einen Monat später schlug die Armee Mackensen (70 000 Mann) ein vereinigtes rumänisch-russisches Heer (142 000 Rumänen, 40 000 Russen) in der Schlacht von Kronstadt (7./8. Oktober 1916) im Häuserkampf. Auf dem Rückzug über die Karpaten wurden die Rumänen und Russen von bayerischen Gebirgstruppen verfolgt und wurden bei Targu Jiu erneut geschlagen.Zusammen mit der russischen 6. Armee begannen die Rumänen im Süden unter General Constantin Prezan einen Gegenangriff vorzubereiten, um einer Einkesselung von Bukarest zu entgehen. Der Plan sah vor, die vorgehenden Truppen der Donau-Armee am südlichen und westlichen Vorfeld von Bukarest am Argesch an beiden offenen Flanken anzugreifen, noch bevor Bukarest eingekesselt werden konnte. Es blieb beim Wollen. Mackensen griff in den Flanken und im Rücken der Rumänen an, so daß diese sich fluchtartig zurückziehen mußten, um nicht eingekesselt zu werden. Danach konnte August von Mackensen siegreich in Bukarest einmarschieren. Der rumänische König Ferdinand floh nach Iasi.Die rumänischen Verluste in der Schlacht am Argesch und bei der Verteidigung von Bukarest waren verheerend. Die Gier nach Territo­rialgewinn hatte Rumänien etwa 150 000 Tote und Verwundete und ebenso viele Gefangene gekostet. Die deutschen Truppen verloren etwa 60 000 Soldaten.

Medaille 1916 von B. H. Mayer, Pforzheim auf den Verrat von Rumänien und die Einnahme von Bukarest. Die vier stilisierten Wappen von Bulgarien, Ungarn, Österreich und dem Deutschen Reich ins Kreuz gestellt, in den Winkeln wechselnd Halbmond und Stern, Umschrift: BULGARIEN . DEUTSCHLAND . ÖST . UNGARN . KÄMPFEN . EINIG . WIDER . RUMÄNIENS . VERRAT. Rückseite: Darstellung eines Gewitters, bei dem ein Blitz die rumänische Krone zerbricht, darunter das Spruchband ROMANIA DEVICTA (Rumänien ist besiegt), Umschrift: BUKAREST GENOMMEN 6 . 12. 1916 . GEN . FELDM . v. MACKENSEN, 40 mm

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