• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Chile


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die im Südwesten Südamerikas gelegene Republik Chile – amtlich „República de Chile“ – grenzt im Nordosten an Bolivien, im Osten an Argentinien, im Süden und Westen an den Pazifischen Ozean und im Norden an Peru. Ebenfalls zu Chile gehören die Inseln Juan Fernández, San Félix, San Ambrosio, Gonzales, Sala y Gómez sowie die Osterinsel. Darüber hinaus beansprucht das Land 1,25 Mio km² der Antarktis (53º–90º westlicher Länge). Chile erstreckt sich über eine Länge von 4300 km von der Grenze Perus im Norden bis Feuerland im Süden. An der schmalsten Stelle ist es 90 km und an der breitesten 445 km breit. Klimatisch betrachtet ist Chile im Norden wüstenhaft trocken und nur an der Küste nebelreich. In der Mitte subtropisch mit weniger Regen im nördlichen und mehr im südlichen Teil und im Süden mit reichen Niederschlägen das ganze Jahr über und kühlen Sommern. Etwa 95% der Bevölkerung sind Mestizen und Weiße und rund 5% Mapuche- und Aimara-Indianer. Die größte Religionsgemeinschaft bilden die Christen mit 85% (davon 70% Katholiken).

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Chiles

Seit etwa 1480 waren Nord- und Mittelchile Bestandteil des Inka-Reichs. 1535 drangen die ersten Spanier in Chile ein. Vier Jahre später schickte Pizarro den Konquistador Pedro de Valdivia nach Chile. Dieser eroberte nach schweren Kämpfen mit den araukanischen Ureinwohnern einen Großteil des Landes und gründete 1541 Santiago de Chile. 1553 geriet er während eines Aufstands der Araukaner in Gefangenschaft und wurde getötet. Im Jahr 1778 wurde Chile zu einem selbständigen Generalkapitanat. Um 1810 griffen die Unabhängigkeitsbestrebungen der anderen spanischen Kolonien in Südamerika auch auf Chile über, das sich 1811 erhob und unabhängig wurde. Doch ab 1813 eroberten die Spanier das Land von Süden her wieder zurück. 1817 überquerte dann eine argentinisch-chilenische Armee unter der Führung von de San Martin und O’Higgins die Anden und schlug die Spanier bei Chacabuco vernichtend. Am 1. Januar 1818 rief Chile seine Unabhängigkeit aus. Da O’Higgins als Staatsoberhaupt aber diktatorisch regierte, wurde er 1823 gestürzt. Es folgten innere Wirren, aus denen in den frühen 1830ern die Konservativen als Sieger hervorgingen und das Land erhielt 1833 eine Verfassung. Durch ein Gesetz von 1845 wurde die aktive Einwanderung gefördert und hierdurch auch die wirtschaftliche Entwicklung begünstigt. 1880 konnte Chile auch den letzten Widerstand der Araukaner brechen und diese vollständig unterwerfen. Aus dem Salpeterkrieg gegen Bolivien und Peru, zu dem es 1879 gekommen war, ging Chile in den frühen 1880ern als Sieger hervor und konnte sich in der Folge durch Gebietsanschlüsse aus beiden Staaten alle reichen Salpeterlager sichern. Dem Ersrten Weltkrieg blieb Chile als neutrale Macht fern. Als die internationale Nachfrage nach Salpeter aus Chile allerdings in den 1920ern nachließ, folgte der wirtschaftlichen Hochkonjunktur ein deutlicher Rückgang der Wirtschaft. Zwischen 1952 und 1958 ergaben sich zudem große soziale Spannungen aus einer fortschreitenden Inflation. Konservative und Liberale versuchten, diese Spannungen zwischen 1958 und 1970 durch Reformen wieder abzubauen, doch war der Erfolg nur mäßig. Mit der Wahl S. Allendes 1970 zum Präsidenten einer Volksfrontkoalition begann ein breit angelegtes Sozialisierungs- und Verstaatlichungsprogramm – Kupfer- und Kohlebergbau wurden enteignet, Bodeneigentum zum Teil abgeschafft und das Bankwesen kontrolliert –, das zu einer innenpolitischen Krise führte, die sich dann durch Terrorakte von links- und rechtsradikalen Gruppierungen noch verschärfte. Im September 1973 putschte die Armee, stürzte und tötete Allende. Danach schuf eine Militärjunta unter Augusto Pinochet Ugarte (seit 1974 Präsident) eine gnadenlose Militärdiktatur – löste das Parlament auf, verbot politische Aktivitäten, verfolgte alle Anhänger von Linksparteien und ließ viele von diesen ermorden oder „verschwinden“. Durch die neue Verfassung von 1980 wurde Pinochets Präsidentschaft bis 1989 festgeschrieben. Die nicht enden wollenden Menschenrechtsverletzungen der regierenden Militärjunta wurden aber immer kontraproduktiver und stärkten letztlich die Oppositionsbewegung im Land dermaßen, daß die Regierung 1987 die Bildung von Parteien legalisieren mußte und die Bevölkerung 1988 in einem Plebiszit die 2. Amtszeit Pinochets ablehnte. 1989 wurden zudem zahlreiche Verfassungsänderungen gebilligt und am 14. Dezember 1989 mit P. Aylwin Azócar ein neuer Präsident gewählt. Zwar endete Pinochets Militärdiktatur im März 1990, doch blieb er Oberbefehlshaber der Armee bis 1997 und Mitglied des Senats und des Nationalen Sicherheitsrats. Nach Pinochets Verhaftung in Großbritannien (1998) und der Aufhebung seiner Immunität Anfang des neuen Jahrtausends, wurden auch die Aufarbeitung der Menschenrechtsverletzungen und die Reformen der Verfassung und des Rechts weiter vorangetrieben. 2003 schloß Chile ein Freihandelsabkommen mit den USA und Südkorea und 2005 ein Assoziierungsabkommen mit der EU. 2006 wurde auch mit China ein Freihandelsabkommen geschlossen. 2010 wurde Chile zudem OECD-Mitglied. Von 2006 bis 2010 regierte die sozialistische Präsidentin M. Bachelet das Land. Ihr folgte 2010 mit S. Piñera Echeñique erstmals wieder ein Rechter seit Pinochet im Amt. Doch Ende 2013 gewann M. Bachelet die Wahlen erneut als Kandidatin eines Mitte-Links-Bündnisses und regiert seit 11. März 2014 Chile in einer 2. Amtszeit.

Die Münzen Chiles

Vor 1960 galten in Chile 100 Centavos = 1 Peso und 10 Pesos = 1 Cóndor. Die Goldmünzen zu 2, 5 und 10 Cóndores, die man zwischen 1946 und 1980 prägte, besaßen im Gegensatz zu denen, die man 1926 und 1932 ausgebracht hatte, keine Zahlungskraft mehr. Sie waren nur noch staatliche Neuprägungen, die der Befriedigung der Goldnachfrage dienten. Bestanden die Kursmünzen zu 1, 2 und 2½ Centavos vor dem Ersten Weltkrieg aus Kupfer und diejenigen zu 5, 10, 20, 40 und 50 Centavos aus Silber und die 1-Peso-Münze ebenfalls aus Silber, so brachte man nach dem Krieg und während der 1920er die 5-, 10- und 20-Centavos-Münzen nur noch aus Kupfernickel aus und prägte die 40- und 50-Centavos-Münzen gar nicht mehr. Die 1, 2 und 5 Pesos wurden 1927 noch aus Silber hergestellt, doch bereits in den 1930ern prägte man 2 und 5 Pesos nicht mehr und die 1-Peso-Münze nur noch aus Kupfernickel. Zwischen 1942 und 1954 brachte man dann 20 und 50 Centavos sowie 1 Pesos in Kupfer aus, ab 1954/56 die 1-, 5- und 10-Pesos-Stücke nur noch aus Aluminium. Am 1. Januar 1960 wurde mit dem Escudo eine neue Währung eingeführt. Dieser wurde in 100 Centésimos bzw. 1000 Milésimos unterteilt. Mit der Einführung des Escudo war allerdings auch eine Währungsreform verbunden. Diese erklärte 1000 Pesos = 1 Escudo. Zur Ausprägung gelangten aber keine Milésimos, sondern nur Centésimos und Escudos. Zu einer nominell umfangreicheren Münzprägung kam es aber erst ab 1971. Bis dahin emittierte man nämlich nur Kleinmünzen zu ½, 1, 2, 5 und 10 Centésimos. Interessant ist, daß man 1968 stattdessen eine ganze Reihe großer und recht schwerer Gold- und Silbermünzen herausbrachte, mit denen man 150 Jahre alten Institutionen oder Ereignissen gedachte, z. B. der Marineschule, der Befreiungsflotte, der Militärakademie, der chilenischen Münzproduktion, der Anden-Überquerung der Befreiungsarmee und der Nationalflagge. Bemerkenswert daran ist die Tatsache, daß diese Gedenkmünzen aber auf Pesos und nicht auf Escudos lauteten, wenngleich der Peso damals bereits außer Kurs gesetzt war. Gesetzliche Zahlungsmittel waren diese imposanten Gold- und Silberstücke also nie. Zwischen 1971 und 1975 emittierte Chile eine Vielzahl neuer unedler Umlaufmünzen. Und zwar: 10, 20 und 50 Centésimos aus Aluminium-Nickel-Bronze, 1, 2 und 5 Escudos aus Kupfernickel-Zink, 10 Escudos aus Aluminium sowie 50 und 100 Escudos aus Aluminium-Nickel-Bronze. Am 29. September 1975 führte das Land jedoch wieder eine neue Währung ein und eine erneute Währungsreform durch. Die neue Währung war der Chilenische Peso, der in 100 Centavos unterteilt wurde und die Währungsreform setzte 1000 Escudos mit 1 Chilenischen Peso gleich. Die Kursmünzen, die man ab 1975 emittierte – 1, 5, 10 und 50 Centavos, 1, 5 und 10 Pesos – trugen zwar die neuen Nominalbezeichnungen, hatten veränderte Münzgrößen und komplett überarbeitete Bildmotive, doch bestanden sie nach wie vor aus den unedlen Metallen bzw. Legierungen Aluminium, Alumi­nium-Nickel-Bronze und Kupfernickel-Zink. Münzen zum Nominalwert von 50 und 100 Pesos ergänzten das Repertoire der Umlaufmünzen ab 1981 und solche zu 500 Pesos ab 2000. Dem Zeitgeist entsprechend, produzierte man die 100- und 500-Pesos-Stücke nach 2000 allerdings als unedle Bimetallmünzen. Da die Militärjunta Pinochets den Putsch von 1973 nicht als Putsch, sondern als Chilenische Revolution interpretierte, wurden auf dies „denkwürdige“ Ereignis auch motivgleiche Edelmetallmünzen herausgebracht. 1976 zum dreijährigen Revolutionsjubiläum prägte man 10 Pesos in Silber und 50, 100 und 500 Pesos in Gold. Und auch zum zehnjährigen Revolutionsjubiläum gab es wieder Silber- und Goldstücke, doch diesmal als Barrenmünzen in Unzenstückelungen und ohne Nennwert. Chile beteiligte sich aber auch am Iberoamerika-Programm der lateinamerikanischen Länder und Spaniens und brachte 1991 eine 10 000-Pesos-Silbermünze auf den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas heraus. 1993 emittierte es dann eine 2000-Pesos-Silbermünze auf das 250-jährige Bestehen der Münzstätte San­tiago de Chile und 2010 eine 20- und eine 200-Pesos-Münze in einer unedlen Legierungauf den 200. Unabhängigkeitstag. Die Münzen Chiles wurden fast ausnahmslos in der Casa de Moneda de Chile S.A., in Santiago hergestellt. In wenigen Fällen ließ man aber auch bei der Royal Canadian Mint, der spanischen Münzstätte in Madrid und der südafrikanischen Münze in Pretoria prägen.

Quellen: Abb. 1: Emporium Hamburg, Hamburg; Abb. 2: Münzen am Zoo, Pollandt, Berlin; Abb. 3, 5 und 6: Münzversandt Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 4: Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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