• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Gibraltar


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Halbinsel Gibraltar liegt an der Südspitze Spaniens, am östlichen Eingang der Straße von Gibraltar und wird vom Mittelmeer und dem Atlantik umspült. Sie umfaßt eine Fläche von 6,5 km² und besteht aus einem Jura-Kalkfelsen, der bis auf 425 m über NN aufreicht. Dieser Fels ist wiederum durch eine flache, sandige Nehrung (etwa 800 m breit) mit dem spanischen Festland verbunden. Das Klima Gibraltars wird vom warmen Levante (Ostwind) und vom kühleren Poniente (Westwind) bestimmt. Die maximale Durchschnittstemperatur beträgt 21,7 °C. Die 58 Regentage im Jahr ergeben in Summe eine Niederschlagsmenge von 775 mm. Die Bevölkerung Gibraltars ist britischer, spanischer, italienischer, portugiesischer, maltesischer, israelischer und menorkinischer Herkunft. Zu einem geringen Teil gehören ihr aber auch Menschen aus anderen Staaten an. 78% der Einwohner sind Katholiken, 7% Anglikaner, 3% andere christliche Konfessionen, 4% Muslime, 2% Juden, 2% Hindus und der Rest mehrere andere Religionszugehörigkeiten.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Gibraltars

In der Antike bezeichnete man den Fels von Gibraltar und das an der afrikanischen Küste gegenüberliegende Bergmassiv Jabal Musa als die „Säulen des Herakles“. Im Jahr 711 eroberten die muslimischen Mauren unter ihrem Feldherrn Tariq bin Ziyad Gibraltar, das dann „Gabal Tariq“ (Berg des Tariq) genannt wurde und schließlich zur Bezeichnung Gibraltar führte. Die arabischen Mauren und Berber waren es auch, die hier ein erstes Kastell anlegten und Gibraltar 751 Jahre lang beherrschten. 1462 eroberten die Spanier dann den Fels von Gibraltar und regierten das Gebiet bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts Am 4. August 1704, während des Spanischen Erbfolgekriegs, nahm eine niederländisch-britische Flotte unter Admiral Rooke Gibraltar ein, das 1713 im Frieden von Utrecht an Großbritannien abgetreten wurde. Nachdem die Spanier unter Philipp V. während des Englisch-Spanischen Kriegs (1727–1729) vergeblich versucht hatten, Gibraltar zurück zu erobern und auch die spanisch-französischen Truppen zwischen 1779 und 1783 mit ihrem Eroberungsversuch gescheitert waren, erhoben die Briten Gibraltar am 25. Juni 1830 zur Kronkolonie. 1964 erhielt das Land weitgehende innere Autonomie und am 30. Mai 1969 auch eine Verfassung, die aus der Kronkolonie ein Abhängiges Gebiet (Dependent Territory) machte. 1967 war ein Referendum abgehalten worden, da Spanien Gibraltar immer noch für sich beanspruchte, bei dem sich 95% der stimmberechtigten Bevölkerung gegen einen Anschluß an Spanien aussprach. Zwei Jahre später, 1969 also, ließ Spanien seine Grenze zu Gibraltar sperren und öffnete diese erst 1985 nach längeren Verhandlungen wieder vollständig. Nun hatte es im Juli 2002 in der Tat einen britisch-spanischen Plan gegeben, die Souveränität über Gibraltar aufzuteilen, doch erteilte die Bevölkerung Gibraltars diesem Plan in einem Referendum vom 7. November 2002 mit überwältigender Mehrheit (99%) eine Absage, indem sie sich erneut für einen Verbleib bei Großbritan-nien aussprach. Am 2. Januar 2007 trat eine neue Verfassung in Kraft, die dem Land größere Eigenständigkeit, vor allem im Justizwesen einräumte. Dieser Verfassung zufolge ist Gibraltar ein britisches Überseeterritorium, das sich, wenn man von den Bereichen Verteidigung, innere Sicherheit und Außenpolitik absieht, selbst verwaltet und regiert. Die britische Monarchin Elisabeth II. ist Staatsoberhaupt, wird aber in Abwesenheit von einem amtierenden Gouverneur vertreten – dies ist seit Dezember 2013 James Dutton. Der Gouverneur ist zugleich Oberbefehlshaber der Armee und der Polizei. Das Gibraltar-Parlament (Gibraltar Parliament), bis 2006 Haus der Versammlung (House of Assembly) genannt, umfaßt 17 Parlamentarier. Im Parlament sind derzeit drei Parteien vertreten: Gibraltar Socialist Labour Party (GSLP), Gibraltar Social Democrats (GSD) und Gibraltar Liberal Party (Libs). Der Kandidat, der von der Mehrheit der Parlamentarier unterstützt wird, wird vom Gouverneur zum Regierungschef (Chief Minister) ernannt. Dies ist seit Dezember 2011 Fabian Picardo. Aktuell regiert eine Koalition aus GSLP und Libs.

Die Münzen Gibraltars

In Gibraltar galten ab 1898: 12 Pence = 1 Shilling, 5 Shillings = 1 Crown, 20 Shillings = 1 Pound Sterling. Zu den Münzen, die Gibraltar zwischen 1967 und 1970 verausgabte, gehörten bloß 1-Crown-Stücke in Kupfernickel, von denen für Sammler auch Abschläge in 500er Silber produziert wurden. Am 15. Februar 1971 führte das Land auf der Grundlage 100 (New) Pence = 1 Gibraltar Pound (1 Gibraltar-Pfund) eine neue Währung ein. 1 Gibraltar Pound stand übrigens pari mit 1 Pound Sterling. Vor 1988 emittierte man allerdings keine Kursmünzen, wenn man mal von dem 25-New-Pence-Stück in Kupfernickel von 1971 absieht. Statt-dessen prägte man ab 1972 bereits Gedenkmünzen zu 25 (New) Pence in Kupfernickel und Silber sowie diverse Gedenkmünzen zu 25, 50 und 100 Pounds in Gold. Zusätzlich verausgabte man 1-Crown-Münzen in Kupfernickel und Silber, die ¼ Pound bzw. 25 Pence ent-sprachen und ebenfalls Gedenkprägungen waren. Die ersten Kursmünzen in der neuen Dezimalwährung emittierte man erst ab 1988: 1 und 2 Pence in Bronze, 5, 10, 20 und 50 Pence in Kupfernickel und 1, 2 und 5 Pounds in Nickelmessing. Parallel dazu stellte man Gedenkmünzen in Stückelungen und Vielfachen des Sovereigns (1 Sovereign = 1 Pound) in Gold her und Barrenmünzen mit Gedenkcharakter in Silber und Gold, die entweder auf Stückelungen und Vielfachen der Crown oder auf Stückelungen und Vielfachen des Royal beruhten. 1 Royal in Kupfernickel und Silber entsprach ¼ Pound und 1 Royal in Gold 5 Pounds. Zwischen 1992 und 1996 verausgabte man zusätzlich Gedenkmünzen in der Kunstwährung ECU, die zunächst auf ECU und Pounds (2 Pounds = 2,8 ECU, 10 Pounds = 14 ECU, 50 Pounds = 70 ECU) und später nur noch auf ECU lauteten. Ab 1997 fielen die ECU-Emissionen dann ganz weg. Allerdings bezog man im Laufe der Zeit auch einige der Kursmünzen in die Gedenkmünzenemission mit ein und verausgabte Gedenkprägungen zu 50 Pence sowie 1, 2 und 5 Pounds. Die 2 Pounds stellte man ab 1997 aber nur noch als Bimetallprägung (Nickel-Messing/Kupfernickel) her. Die Ereignisse und Themen, die man mit dieser Vielfalt an Münznominalen abdeckt, ist übrigens gewaltig. Gedenkt man doch dem britischen Königshaus und seinen Mitgliedern, bedeutenden historischen Ereignissen und Persönlichkeiten aus der Geschichte Großbritanniens ebenso wie aus der Geschichte Gibraltars, vielen nationalen und internationalen Sportereignissen, wichtigen Ereignissen aus der EU, diversen internationalen Programmen und Institutionen, antiken historischen Mythen, den Weltwundern der Antike, bedeutenden Schiffen, verschiedenen königlichen Hunden, seltenen Tieren und Pflanzen, bekannten Märchenfiguren, der christlichen Jahrtausendwende, der Einweihung der Moschee von Gibraltar, der Evolution der Menschheit und vielem mehr. Als Münzmetalle für diese Gedenkemissionen verwendet man Kupfernickel, Nickelmessing, 925er und 999er Silber, 916,67er und 999,9er Gold und bisweilen auch Platin und Titan. Hergestellt wurden und werden die Münzen Gibraltars von der [British] Royal Mint und der Pobjoy Mint.

Quellen: Abb. 1: MA-Shops, A. M. Kohlross, Haiger; Abb. 2: MA-Shops, Künker, Osnab-rück; Abb. 3: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 4: MA-Shops, WAG Münzhandlung Udo Gans; Abb. 5: MA-Shops, Haubenwallner, Österreich; Abb. 6: MA-Shops, Münzhandel R. Schimmer GmbH, Nürnberg. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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