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Numismatischer Verein zu Dresden e.V., gegründet 1873


Abtei Pegau, Siegfried von Rekkin (1185–1224), Brakteat aus dem Fund Akkerman, Silber, Ø 36,7 mm, 0,96 g. Münzkabinett Berlin, Inv.-Nr. 1926/577 Am 22. September 2016 sprach im Rahmen der vom Münzkabinett und vom Numismatischen Verein zu Dresden veranstalteten Vortragsreihe Prof. Dr. Bernd Kluge, Direktor des Münzkabinetts der Staatlichen Museen Berlin i. R., zum Thema „Ein ungewöhnlicher Schatzfund deutscher Brakteaten aus dem Schwarzmeergebiet und die Brakteatenprägung in der Mark Meißen um 1200“. Im Jahre 1889 kam in der Hafenstadt Akkerman an der Schwarzmeerküste (heute Bilhorod-Dnistrowskij in der Ukraine) ein umfangreicher und zugleich bedeutender Schatzfund an mittelalterlichen deutschen Brakteaten, einseitig geprägten Pfennigen, zum Vorschein. Der größte Teil gelangte in das Münzkabinett der Eremitage in Sankt Petersburg, kleinere Portionen in die Sammlung des Generals von Graba in Dresden und in die Münzkabinette Berlin und München. Später konnte Eduard Fiala einen Teil der in die Eremitage gelangten Münzen für die berühmte Welfensammlung erwerben, den er 1910 in einer allgemeinen Fundübersicht veröffentlichte. Dieser befindet sich noch heute im Bestand des Niedersächsischen Landesmuseums Hannover. Vsevolod Potin publizierte 1963 den Großteil der in der Eremitage verbliebenen Brakteaten des Fundes. Die noch laufende Rekonstruktion des Berliner Fundanteils durch Bernd Kluge steht kurz vor dem Abschluss. Sie wird zeigen – so der Referent – dass der Schatzfund von Akkerman neben den Brakteatenfunden von Seega und Nordhausen der größte und typenreichste Münzfund deutscher Brakteaten aus der ersten Hälfte des 13. Jhs. ist. Er repräsentiert mit gut 420 verschiedenen Münztypen aus dem mitteldeutschen Raum einen fast vollständigen Querschnitt aller damals aktiven Brakteatenmünzstätten wie Pegau, Merseburg, Naumburg, Magdeburg, Quedlinburg, Halberstadt, Erfurt, Leipzig, Freiberg und Meißen. Es ist anzunehmen, dass es sich um die Barschaft eines aus diesem Raum stammenden Kreuzfahrers oder einer Kreuzfahrergruppe handelte, die auf dem Balkan aufgerieben oder abgedrängt wurde. Von wem der Schatzfund dann in Bessarabien an der Schwarzmeerküste vergraben wurde, ob von den Eigentümern oder anderen Personen, lässt sich heute nicht mehr ermitteln. Abschließend stellte der Referent zahlreiche neue und unbekannte Münztypen aus dem markmeißnischen Raum vor, die aus dem Münzfund von Akkerman stammen und 1926 als Nachtrag zum Fund von Seega in das Berliner Münzkabinett gelangt waren. Prof. Kluge wurde anschließend vom Vorsitzenden des Numismatischen Vereins zu Dresden, Matthias Grimm, mit der Ehrenmitgliedschaft geehrt. Jan-Erik Becker Über „Münzregal und Münzprägung im Deutschen Kaiserreich“ referierte am 20. Oktober das langjährige Mitglied des Numismatischen Vereins, Klaus Heinz: War im Alten Reich ursprünglich noch vom an die Person des Herrschers gebundenen Münzregal die Rede, hatte sich bis zur Reichsgründung von 1871 der moderne Begriff der staatlichen Münzhoheit durchgesetzt, wie er in der Reichsverfassung und im Reichsmünzgesetz von 1873 zum Ausdruck kam. Im späteren Königreich Sachsen war die Entwicklung zur modernen Auffassung über Zwischenschritte wie der mit der Verleihung der Kurwürde 1423 ausdrücklich verbundenen Münzhoheit sowie der im Westfälischen Frieden von 1648 endgültig anerkannten Regalien der Reichsfürsten gegangen. Hatte man 1870 im Norddeutschen Bund noch an die Errichtung einer zentralen Münzstätte für alle Bundesstaaten gedacht, blieb es nach der Reichsgründung bei den Münzstätten der einzelnen Staaten, die aber einem einheitlichen System von Münzzeichen mit Buchstaben von A bis J unterworfen wurden. Die königlich sächsische Münze in Dresden, nach 1887 in Muldenhütten, erhielt den Buchstaben E. Die erste Prägung von Goldmünzen nach der Reichswährung entsprechend dem Gesetz über die Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 erfolgte hier 1872. Die Münzstätten waren zwar Einrichtungen der Länder geblieben, prägten aber im Reichsauftrag und nach einheitlichen technischen Vorgaben. Reichsmünzkommissare prüften die Ausmünzung. Die auf die einzelnen Prägestätten festgelegten Quoten wurden zentral nach Einwohnerstärke der Bundesländer festgelegt, Sachsen war zunächst mit 6,9 % an den Prägungen beteiligt. Der Schlagschatz kam dem Reichsfiskus zu Gute, die einzelnen Prägestätten erhielten den Preis für die Ronden und den Aufwand für die Prägung erstattet. Die politischen Bestrebungen Sachsens, das bis 1873 eine Silberwährung hatte, an einem eigenständigen Münzrecht festzuhalten, waren gescheitert. Mit der Umstellung der Haushaltsrechnung auf die Mark-Währung zum 1.1.1875 war die neue Reichswährung in Sachsen endgültig angekommen. Zu Gast in Dresden war am 10. November Frau Mag. Anna Fabiankowitsch, Kuratorin am Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums Wien. Sie trug vor über „Eine runde Sache. Die Wiener Medaillenproduktion unter Maria Theresia (1740–1780)“. Während der Regierung Maria Theresias wurden über 300 Medaillen auf die Kaiserin und andere Angehörige des Kaiserhauses geschaffen, die Anlässe waren meist dynastischer Natur, sie dienten generell der Repräsentation der Monarchin. Auch tragische Ereignisse spiegeln sich in diesen Medaillen wider, wie bei der Hochzeitsmedaille für Erzherzogin Marie Josepha, die wenige Tage vor der geplanten Hochzeit mit dem König von Neapel 1767 starb. Die Schwester, Erzherzogin Marie Karoline trat an ihre Stelle, die für sie geschaffene Medaille ist der für ihre Schwester geschaffenen sehr ähnlich. Frau Fabiankowitsch stellte dar, dass die einzigartigen Bestände des Kunsthistorischen Museums nicht nur an Medaillen, sondern auch an den Stempeln und den zugehörigen Akten reichlich neue Erkenntnisse über die Hintergründe der Medaillenproduktion versprechen. Die Referentin verwies auf den Umfang der Produktion, der bei einzelnen Medaillen zu einer Gesamtauflage in allen Metallen von bis zu 20.000 Stück führte. Ein Großteil der Medaillen wurde an das Publikum verkauft, was sogar zu einem positiven Geschäftsergebnis dieser Sparte des Wiener Hauptmünzamtes führte. Selbst die technischen Details der Medaillenproduktion stießen auf das persönliche Interesse der kaiserlichen Familie. Die Erzherzoge Ferdinand (später Statthalter in Mailand) und Max (wurde Erzbischof und Kurfürst in Köln) besaßen sogar als Kinder eine kleine Spindelpresse. Für Sammler interessant war die Information, dass die Medaillen von vorhandenen Stempeln bis in die 1950er Jahre vom Hauptmünzamt im Einzelauftrag nachgeprägt wurden. MH

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