• Christian Koch

Krefelder Münzfreunde e.V. (RMF)


Im Rahmen der Vortragreihe der Krefelder Münzfreunde berichtete Dr. Klaus Skupin am 1. Juni 2016 über „Ausbeutetaler von Westf(ph)alen“. Von einer Ausbeutemünze spricht man, wenn das Münzmetall aus dem Erz eines bestimmten Bergwerks gewonnen wurde und in der In- oder Umschrift oder im Münzbild darauf hingewiesen wird. Ausbeutemünzen waren normale Zahlungsmittel. Die Bezeichnung Ausbeutetaler resultiert aus der großen Anzahl, in der dieses Zahlungsmittel im Umlauf war. Im Gebiet des heutigen Westfalen wurden im ausgehenden Mittelter und der frühen Neuzeit mehrere schöne Ausbeutemünzen aus Silber und Gold geprägt. Auftraggeber waren die Fürstbischöfe von Köln, die Grafen von Berg sowie die Kurfürsten von der Pfalz bzw. Herzöge von Jülich-Berg, welche die Erzgruben von Wildberg im Oberbergischen sowie von Ramsbeck im Sauerland in Besitz hatten. Bei den silbernen Münzen handelte es sich um Gulden (= ⅔ Taler) sowie um ganze Taler, auf denen die Herkunft des Silbers angegeben wurde. Die Goldmünzen in Form eines doppelten Souvereigns d’or stammten von einem Goldvorkommen bei Beringhausen zwischen Brilon und Marsberg, von dem zwischen 1696 bis 1717 einige wenige Ausbeutemünzen angefertigt wurden. Im kurzzeitig von 1807 bis 1813 bestehenden Königreich Westphalen, das Teile Brandenburgs, Nordhessens und das östliche Niedersachsen umfasste, ließ der jüngste Bruder von Napoleon, Hieronymus Napoleon, aus dem Silber des Ober- und Unterharzes silberne Ausbeutemünzen prägen. Sie erinnern an eine Harzreise von Hie­ronymus Napoleon und seiner Frau Katharina von Württemberg im Jahre 1811, bei der er auch die Erzgruben in Clausthal (Oberharz) und Mansfeld (Unterharz) aufsuchte. Münzfreunde sammeln Geld verschiedener Epochen und Zeiten und tauschen mit Geld. Diese Thematik wurde am 2. November in dem Vortrag von Wilfried Kremer aus einer neuen und sicherlich ungewöhnlichen Perspektive beleuchtet, nämlich „Zeit ist nicht Geld, sondern eine U(h)rsache“. Winfried Kremer wies in seinem Vortrag auf die historischen Ursprünge der Zeitmessung hin und begann mit Stonehenge in England, vermutlich 2000 v. Chr. erbaut, war Stonehenge möglichweise als Tempel, Begräbnisstätte oder auch zugleich als Kalendarium bestimmt. Die Ägypter brachten den jährlichen Aufstieg des hellen Sterns Sirius mit der Nilflut in Zusammenhang und erfanden damit die Sonnenuhr als den ältesten Kalender. Unser heutiges Datumssystem basiert immer noch auf der jährlichen Reise der Erde um die Sonne. Um 1600 wurden ringförmige Äquinoktialuhren gebaut, die aus einem freihängenden Ring mit einem Loch im Reif bestehen, wodurch der Sonnenstrahl auf eine Skala im Innenreif gelenkt wird. Mit der technologischen Revolution verschob sich das Zeitsystem zunehmend auf die Zeiteinteilung der Räderuhren. Heute gilt oft der Satz „Tempus fugit“ (die Zeit enteilt), das Geld als unser Sammelgebiet bleibt uns hoffentlich noch lange erhalten.

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