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Frankfurter Numismatische Gesellschaft


Am 21. September 2016 sprach Wilhelm Müseler über Neues aus Lykien: Ddenewele, der „vergessene“ Dynast von Xanthos. In der lykischen Stadt Xanthos befand sich ein bedeutendes Grabmal, das Nereiden-Monument aus dem frühen 4. Jh. v. Chr. Dessen überlieferte Fragmente sind heute in London im British Museum in einer im Jahr 1969 errichteten Rekonstruktion zu sehen. Der Bauherr dieses tempelähnlichen Bauwerkes ist unbekannt. Herr Müseler versuchte im Vortrag, den dafür in Frage kommenden Regenten anhand der vorhandenen Münzfunde zu identifizieren. Bekannt ist der etwa 410 v. Chr. verstorbene lykische Dynast Kherei. Dessen unmittelbarer Nachfolger war nicht, wie häufig angenommen, der Usurpator Erbinna. Aus Münzfunden kennen wir den Herrscher Ddenewele. Dieser hat nicht nur in Xanthos, sondern auch in Termessos und Tlos Münzen recht umfangreich prägen lassen. Vom späteren Usurpator Erbinna gibt es nur relativ wenige Gepräge und alle stammen aus Termessos. Dies weist auf Termessos als Zentrum seiner Herrschaft hin – was wiederum dafür spricht, dass er ein solch bedeutendes Grabmal nicht in Xanthos hätte erbauen lassen. Von Ddenewele wissen wir, dass er um 400 v. Chr. noch regierte; die Invasion des Erbinna erfolgte vermutlich um 395 v. Chr. In den rund 15 Jahren seiner Regierung mit Schwerpunkt in Xanthos hätte er also den Bau des Grabmals durchaus in Auftrag geben können. Die Usurpation des Erbinna unterbrach die Bauarbeiten, sie wurden erst später beendet. Am Bau sind auch heute noch Spuren einer solchen Bauunterbrechung zu erkennen. Im Vortrag wurde also wieder ein Beispiel dafür gegeben, wie die Numismatik bei historischen und archäologischen Fragestellen hilfreich sein kann. Die Münzdatierungen des entdeckten Römerlagers von Wilkenburg (aus der Zeit des Augustus) waren am 19. Oktober Vortragsgegenstand von Friedrich-Wilhelm Wulf aus Hannover. Vor 25 Jahren wurden auf Luftbildaufnahmen 8 km südlich von Hannover in einer Leineniederung auffällige Bodenstrukturen gefunden, die auf ein Marschlager der römischen Armee hindeuteten. Eine archäologische Erstbegehung erbrachte wenig, ein Marschlager bestand oft nur kurze Zeit und die verwendeten Materialien (z.B. Holzpalisaden und Zelte) wurden wieder mitgenommen. Da die Begehung ohne Metalldetektor erfolgte, konnten auch keine Metallgegenstände aufgespürt werden. Im Jahr 2015 gab es endlich eine systematische Untersuchung großer Teile des Geländes und einige Grabungen. Große Teile des Grabens um das Lager konnten nachgewiesen werden bis hin zur Lage der Tore. Viele gefundene Scherben waren aus vorrömischer Zeit, ein Hinweis darauf, dass diese Stelle schon früher als Siedlungsgebiet gedient hat. Vor allem der Einsatz von Metalldetektoren brachte hunderte Metallfunde, vor allem kaputt gegangene oder verlorene Gegenstände wie Zeltheringe, Pferdegeschirrteile, Fibeln und Nägel. Unter den zum Teil sehr schlecht erhaltenen Münzen befanden sich keltische Kleinbronzen sowie viele römische Münzen aus der Zeit von etwa 90 v. Chr. bis 2 n. Chr. Die Zusammensetzung der Münzfunde ist vergleichbar denen des Schlachtfeldes von Kalkriese. So ist zu vermuten, dass das Lager von Wilkenburg irgendwann zwischen 1 bis 5 n. Chr. bestand, also kurz vor der „Varus-Schlacht“.

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