• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Ghana


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Ghana, amtlich Republic of Ghana, ist ein Staat in Westafrika, der im Norden an Burkina Faso, im Osten an Togo, im Süden an den Golf von Guinea (Atlantik) und im Westen an die Elfenbeinküste grenzt. Auf die 535 km lange und 30 bis 60 km breite Küstenebene, folgt ein durch Täler stark gegliedertes Hochland, das in der Ashanti-Schwelle bis 788 m über NN anwächst und dann nach Norden hin ins Becken des mittleren Volta übergeht, wo nur noch 150 bis 300 m über NN erreicht werden. Der Hauptstrom Ghanas ist der Volta, der im Unterlauf zum Volta-See aufgestaut wird. Dieser ist mit 8482 km² der größte Stausee der Welt. Im Süden gibt es zwei Regenzeiten sowie Küstensavanne, tropischer Regenwald und regengrüner Feuchtwald. Im Norden dagegen gibt es nur eine Regenzeit und vor allem Trockensavanne. Die Bevölkerung Ghanas gliedert sich in über 50 Völker und Volksgruppen. Zu den größten Gruppen gehören die Akan (Ashanti, Fante etc. zusammen etwa 50% aller Einwohner), die Ewe (12%), die Mosi und Dagomba (16%) sowie die Hausa, die Fulbe und die Mande. Gut 2 Mio. Ghanaer leben jedoch im Ausland. Über ein Drittel der Bevölkerung wohnt in den Ballungsräumen Accra und Kumasi. Rund 71,2% aller Ghanaer sind Christen, etwa 17,6% sunnitische Muslime und rund 5,2% gehören indigenen afrikanischen Religionsgemeinschaften an.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Ghanas

In das Staatsgebiet des heutigen Ghana wanderten im 13./14. Jahrhundert die sogenannten Akan-Völker ein. Die ersten Europäer, die die Küste Ghanas erreichten, waren die Portugiesen im Jahr 1471. Sie bauten Stützpunkte, trieben Gold- und Sklavenhandel und blieben bis 1624. Ihnen folgten ab 1553 die Engländer, die Niederländer (von 1612 bis 1871), die Dänen (von 1658 bis 1850) und die Brandenburger (von 1683 bis 1717). Auch diese trieben Goldhandel, der durch Stützpunkte gesichert war, und beteiligten sich am Sklavenhandel, der vor allem im 17. und 18. Jahrhundert immense Ausmaße erreichte. Das Gros dieser afrikanischen Sklaven wurde auf den Zuckerrohr-, Tabak- und Baumwollplantagen Brasiliens, Westindiens und im Süden Nordamerikas eingesetzt. Nachdem der Sklavenhandel 1807 verboten worden war, übernahmen die Briten nach und nach die Verwaltung im Land und schufen 1874 die Kronkolonie Goldküste (Gold Coast). Dieser schlossen sie um die Jahrhundertwende das Reich der Ashanti sowie das nördliche Hinterland an. 1922 übernahmen sie dann auch noch die Verwaltung des Mandatsgebiets West-Togo (Togoland). 1954 räumte Großbritannien der Kronkolonie Goldküste Autonomie ein und entließ sie am 6. März 1957 als Staat Ghana in die Unabhängigkeit. Die Staatsbezeichnung Ghana wiederum geht auf das Reich Gana zurück, welches sich vom 9. Bis 13. Jahrhundert im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Mauretanien und Mali erstreckte. 1960 wurde die Republik Ghana ausgerufen und eine Präsidialverfassung verabschiedet. Kwame Nkrumah, der von 1951 bis 1960 Ministerpräsident und von 1960 bis 1966 Staatspräsident war, wurde 1966 durch einen Militärputsch aus der Macht gedrängt. 1969 stürzte ein parlamentarisches Regierungssystem unter Ministerpräsident A. Busia jedoch die Militärregierung und übernahm die Führung im Land. Zwischen 1972 und 1979 wurde Ghana jedoch erneut vom Militär regiert. Mit der Einführung der Verfassung von 1979 trat ein amtierender Präsident (H. Limann) an die Spitze des Landes, wurde jedoch 1981/82 durch einen Militärputsch gestürzt. Der Putschist J. J. Rawling lenkte Ghana von da an als Diktator. Zu Beginn der 1990er führte er jedoch ein wirtschaftliches Sanierungsprogramm und einen allmählichen Demokratisierungsprozeß ein. 1992 legalisierte man politische Parteien und garantierte fundamentale Menschenrechte. Die Präsidentschaftswahlen 1992 bestätigten J. J. Rawling als Staats- und Regierungschef. Und auch die Präsidenschaftswahlen von 1996 gewann Rawling erneut. Weil die neue Verfassung von 1993 nur eine einmalige Wiederwahl zuließ, wählte man den ehemaligen Oppositionspolitiker J. A. Kufuor zum Nachfolger Rawlings. Auch dieser wurde 2004 wiedergewählt. 2008 wurde dann J. Atta Mills an die Spitze des Staates gewählt. Nach seinem Tod 2012 übernahm sein Vizepräsident John Dramani Mahama das oberste Amt im Staat und gewann am 7./8. Dezember 2012 auch die Präsidentschaftswahlen.

Der Verfassung vom 7. Januar 1993 zufolge ist Ghana eine präsidiale Republik mit Mehrparteiensystem. Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Armee und Regierungschef ist ein auf vier Jahre gewählter Präsident. Das Parlament ist ein Einkammerparlament mit 275 Abgeordneten, die für vier Jahre gewählt werden. Die einflußreichsten Parteien im Land sind: die Neue Patriotische Partei (NPP) und der Nationaldemokratische Kongreß (NDC).

Die Münzen Ghanas

In Ghana galten 12 Pence = 1 Shilling, 20 Shillings = 1 Pound (ab 1912: West African Pound und ab 14. Juli 1958: Ghana Pound). Zu den Münzen, die Ghana zwischen 1957 und 1960 ausgab, gehörten: ½ und 1 Penny in Bronze, 3 Pence, 6 Pence, 1 Shilling und 2 Shillings in Kupfernickel und 10 Shillings in 925er Silber. Obwohl Elisabeth II. zu dieser Zeit auch Königin von Ghana war, zierten die Münzen nicht ihr Porträt, sondern das des Ministerpräsidenten und späteren Staatspräsidenten Kwame Nkrumah. Nach Ausrufung der Republik 1960 emittierte Ghana zwar keine neuen Kursmünzen, führte am 19. Juli 1965 aber eine neue Währung ein. Hiernach entsprachen 100 Pesewas = 1 Cedi. Die alte Währung konnte auf der Grundlage 1 Penny = 1 Pesewa; 8 Shillings + 4 Pence = 1 Cedi und 1 Ghana Pound = 2,40 Cedi eingetauscht werden. Zu den Münzen, die für den allgemeinen Zahlungsverkehr geprägt wurden, zählten: ½ und 1 Pesewa in Bronze sowie 5, 10, 25 und 50 Pesewas in Kupfernickel. Am 17. Februar 1967 ersetzte man den Cedi durch den Neuen Cedi und tauschte die Ghana Pounds auf der Basis 1 Ghana Pound = 2 Neue Cedis ein. Ab 23. Mai 1967 hieß der Neue Cedi allerdings nur noch Cedi. Zwischen 1967 und 1979 verausgabte man neue Kursmünzen zu 2½, 5, 10 und 20 Pesewas in Kupfernickel und 1 Cedi in Aluminium-Bronze. 1984 prägte man die 50 Pesewas und die 1 und 5 Cedi-Münzen aus Nickelmessing. Während der 1990er emittierte man jedoch keine Pesewa-Stücke mehr, sondern nur noch Münzen zu 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Cedis. Diese bestanden aus mit Kupfer oder Nickel galvanisiertem Eisen oder aus Kupfernickel, aus unedlem Bimetall oder aus Nickelmessing. Da sich die Inflation bis 2007 aber stark erhöht hatte, führte man am 1. Juli 2007 den Ghana Cedi auf der Grundlage 100 Ghana Pesewa = 1 Ghana Cedi ein und tauschte 10 000 (alte) Cedis gegen 1 Ghana Cedi. Zwischen Ghana Cedi und US-$ herrscht Währungsparität. Zu den Kursmünzen, die ab 2007 ausgegeben wurden, gehörten nun auch wieder 1, 5, 10, 20 und 50 Pesewas aus mit Kupfer oder mit Nickel galvanisiertem Eisen und 1-Cedi-Stücke aus bimetallisch galvanisiertem Eisen. Doch die Republik Ghana prägte nicht nur Kursmünzen, sondern bereits seit 1960 auch Gedenkmünzen oder Gedenkmedaillen aus Kupfernickel, Silber (925er), Gold (900er, 916,7er, 999er) und bisweilen auch Platin (999er). Mit diesen gedachte sie beispielsweise der Einführung der Republik, der FAO, der Weltpfadfinderbewegung, der afrikanischen Gipfelkonferenzen, dem Internationalen Jahr der Behinderten, den XIII. Commonwealthspielen in Edinburgh, dem 50. Jahrestag der Zentralbank oder dem 60. Jubiläum der East African Safari Rally. Die umfangreichen Serien von Gedenkprägungen, die zwischen 1997 und 2006 von der Zentralbank Ghanas autorisiert wurden und auf die symbolischen Nominalangaben Sika („Gold“, „Geld“) lauten, sind keine gesetzlichen Zahlungsmittel. Hergestellt wurden die gesetzlichen Zahlungsmittel Ghanas bei der [British] Royal Mint, der Ralph Heaton & Sons (Birmingham), der Royal Canadian Mint, der South African Mint und der Tower Mint (London).

Quellen: Abb. 1, 3 und 4: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 2 und 6: MA-Shops, Pollandt, Münzen am Zoo, Berlin; Abb. 5: MA-Shops, Münzen & Banknoten, Dr. Bernd Steidl, Dresden. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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