• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Gambia


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Gambia, amtlich Republic of the Gambia, ist ein Staat in Westafrika, der im Westen an den Atlantik grenzt und sonst nach allen Himmelsrichtungen hin von der Republik Senegal umschlossen ist. Als kleinster Staat des afrikanischen Kontinents erstreckt sich Gambia beiderseits des Flusses Gambia etwa 350 km ins Landesinnere. Seine größte Breite beträgt nicht mehr als 50 km. Im Mündungsgebiet des Gambia befinden sich zahlreiche Mangrovensümpfe. Landeinwärts folgen darauf Regenwald, Feucht- und Trockensavanne. In Gambia herrscht wechselfeuchtes Klima und es gibt eine Regen- und eine Trockenzeit. Die Regenzeit dauert von Mai/Juni bis Oktober. Etwa 88% der Bevölkerung gehören den ethnischen Bevölkerungsgruppen Malinke, Fulbe, Wolof, Diola und Soninke an, wobei die Malinke mit 44% den größten Teil ausmachen. 57% aller Einwohner leben in Städten. Zu den größten Städten zählen Serekunda und Bakau. Obwohl so klein, ist Gambia einer der am dichtesten besiedelten Staaten in Afrika. Die Muslime, d. h. in diesem Fall d

ie Sunniten malakitischer Rechtsschule, stellen mit 90% der Bevölkerung die größte Religionsgruppe. 9% der Bevölkerung sind Christen, davon die Mehrheit

Katholiken.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Gambias

Gambia gehörte im 10./11. Jahrhundert zum Reich Gana. Vom 13. bis 15. Jahrhundert war es Teil des Reiches Mali. Zum Ende des 15. Jahrhunderts schufen die Portugiesen Handelsniederlassungen am unteren Gambia. Ab 1588 betrieben die Engländer an der Mündung des Gambia-Flusses Handel und seit 1681 auch die Franzosen. Gut 100 Jahre später (1783) verdrängten die Briten die Franzosen aus dem Handel mit Gambia. 1816 wurde Bathurst (seit 1873 Banjul genannt) als Flottenstützpunkt der Briten gegründet und das Hinterland besetzt. 1843 wurde Gambia eine britische Besitzung und 1888 britische Kronkolonie. 1960 erhielt das Land die Autonomie und am 18. Februar 1965 die Unabhängigkeit innerhalb des Commonwealth of Nations. Am 24. April 1970 wurde in Gambia die Republik ausgerufen. Erster Präsident der Republik war D. K. Jawara, der später mehrfach wieder gewählt wurde. 1982 bildeten Gambia und Senegal die Konföderation Senegambia, doch kündigte die Republik Senegal diese 1989 wieder auf. 1994 kam es in Gambia zu einem Militärputsch, zum Sturz des Staatspräsidenten Jawara, zur Außerkraftsetzung der Verfassung und zu einem Verbot der politischen Parteien. Neuer Staatspräsident wurde Y. Jammeh. Infolge starken internationalen Drucks auf das Militärregime Gambias, wurde am 16. Januar 1997 eine neue Verfassung angenommen und auch das Parteienverbot bald darauf wieder aufgehoben. Gemäß dieser Verfassung ist das Land eine präsidiale Republik im Commonwealth of Nations. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird auf fünf Jahre direkt gewählt. Der Vizepräsident und die Mitglieder des Kabinetts werden von ihm ernannt. Die Nationalversammlung ist die Legislative und besteht aus 48 gewählten und aus fünf vom Präsidenten ernannten Abgeordneten. Zu den bedeutendsten wieder zugelassenen Parteien zählen: die „Alliance for Patriotic Reorientation and Construction“ (APRC), die „United Democratic Party“ (UDP), die „National Reconciliation Party“ (NRP) und die „National Alliance for Democracy and Development“ (NADD). Doch trotz neuer Verfassung und Parteienzulassung gibt es keine wahre Demokratie in Gambia, zumal Y. Jammeh in den Präsidentschaftswahlen von 1996, 2001, 2006 und 2011 immer wieder im Amt bestätigt wurde und auch die ihn stützende „Alliance for Patriotic Reorientation and Construction“ (APRC) die Parlamentswahlen von 1997, 2002, 2007 und 2012 stets gewann. Das autoritäre Regime, das Y. Jammeh seit 1994 führt, konnte auch durch mehrere Putschversuche nicht beseitigt werden, da all diese Versuche scheiterten.

Die Münzen Gambias

Ab 1892 galten in Gambia 12 Pence = 1 Shilling, 4 Shillings = 1 Dalasi ((Dirham, Dërëm), 20 Shillings = 1 Pound (ab 1912: West African Pound). Zu den Münzen, die Gambia 1966 im ersten Jahr nach seiner Unabhängigkeit emittierte, gehörten 1 Penny in Bronze, 3 und 6 Pence in Kupfernickel sowie 1, 2 und 4 Shillings in Kupfernickel. 1970 kam dann noch ein 8-Shilling-Stück in Kupfernickel dazu, von dem auch 925er Silberabschläge gefertigt wurden. Da das Land zu dieser Zeit noch keine Republik war, trugen all diese Münzen auf ihren Vorderseiten das Porträt Elisabeths II. von Arnold Machin und nannten die Staatsbezeichung THE GAMBIA. Nachdem 1970 die Republik ausgerufen worden war, kam es am 1. Juli 1971 zur Einführung einer neuen Währung. Danach galten 100 Bututs (Kleine) = 1 Dalasi. 100 Dalasis wurden Keeme und 1000 Dalasis Wuli genannt. Die alte Währung konnte auf der Grundlage 4 Shillings = 1 Dalasi umgetauscht werden. Zu den Münzen, die ab 1971 in Umlauf gebracht wurden zählten: 1 und 5 Bututs in Bronze, 10 Bututs in Nickelmessing, 25 und 50 Bututs in Kupfernickel und 1 Dalasi ebenfalls in Kupfernickel. Diese zeigten nun vorderseitig nicht mehr das Porträt der britischen Monarchin, sondern die nach links gewandte Büste des gambischen Präsidenten Sir Dawda Kairaba Jawara. Auch lautete die Staatsbezeichnung nun auf REPUBLIC OF THE GAMBIA. Bemerkenswert ist, daß man nach dem Militärputsch von 1994 das Aussehen der Kursmünzen nicht dahingehend veränderte, das Bild des Präsidenten Jawara durch das Porträt des neuen Präsidenten Y. Jammeh zu ersetzen, sondern zunächst gar keine neuen Umlaufmünzen emittierte. Erst 1998 prägte man neue Kursmünzen. Doch trugen diese statt des alten Präsidentenbilds das Staatswappen Gambias auf ihren Vorderseiten. Während man bei der Ausbringung der 25 und 50 Bututs sowie der 1 Dalasi bei Kupfernickel blieb, prägte man die 1, 5 und 10 Bututs aus mit Kupfer oder Messing plattiertem Eisen. Das Gros der Münzen Gambias stellen allerdings die bereits seit 1974 emittierten Gedenkmünzen. Hierzu benutzte man in der Regel 500er, 925er und 999er Silber sowie 583,33er, 900er, 916,67er und 999er Gold, bisweilen aber auch Kupfernickel. Mit diesen gedachte und gedenkt man sowohl diversen Jubiläen und Ereignissen im britischen Königshaus, großen internationalen Organisationen (FAO, WWF, UNO), der Unabhängigkeit Gambias, internationalen Sportereignissen (Olympiaden, Fußball-Weltmeisterschaften, etc.), bedrohten Tierarten, dem Schutz der Meere, den Entdeckern der Welt, der Geschichte der See- und Raumfahrt, dem päpstlichen Besuch in Gambia, der christlichen Jahrtausendwende, der Geschichte des Goldes und vielem mehr. Geprägt wurden die meisten Münzen Gambias bei der [British] Royal Mint in London / Bridgend / Llantrisant, aber auch bei der Royal Canadian Mint in Ottawa, der Valcambi SA in Chiasso / Balerna, der Cape Mint Pty Ltd in Kapstadt oder der Bernhard Heinrich Mayer’s Kunstprägeanstalt GmbH in Pforzheim.

Quelle: Abb. 1: MA-Shops, Auktionen & Münzhandel, Dr. Christoph Stadler, Bremen; Abb. 2: MA-Shops, Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 3, 4 u. 5: MA-Shops, Münzzentrum Dürr, Niederwürschnitz; Abb. 6: MA-Shops, Münzen & Briefmarken Strasser GmbH, Salzburg (A); Abb. 7: MA-Shops, Günter Weiner e.K., Münzen & Banknoten, Wangen im Allgäu. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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