• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Finnland


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Finnland (finnisch Suomen Tasavalta, schwedisch Republiken Finland) befindet sich in Nordeuropa – ein Drittel des Landes liegt nördlich des Polarkreises – und grenzt im Norden an Norwegen, im Osten an Rußland, im Süden an den Finnischen Meerbusen, im Westen an den Bottnischen Meerbusen und im Nordwesten an Schweden. Zu Finnland gehören auch die Åland-Inseln, die sich 40 km vor der schwedischen Küste in der Ostsee befinden. Geprägt ist die Landschaft Finnlands von den Eiszeiten und deren Rückzugsstadien. Zahlreiche glaziale Seen, Moränenzüge, Findlingsblöcke, Drumlins, sind die offensichtlichsten Überbleibsel der Eiszeiten. Vor allem im Süden des Landes gibt es unzählige Seen (über 60 000 sollen es sein) – sie alle gehören zur Finnischen Seenplatte. Dem Bottnischen und dem Finnischen Meerbusen vorgelagert befinden sich zudem etwa 33 000 Inseln und Schären. Finnland steigt, geografisch betrachtet, vom Süden zum Norden hin an und erreicht in Lappland mit dem Haltiatunturi (1328 m über NN) seine größte Höhe. Überall im Land herrscht kontinentales Klima vor, das zum Teil subpolare Züge aufweist. Kalte und schneereiche Winter sowie mäßig warme Sommer sind die Regel. Von Januar bis März sind die Küstengewässer so vereist, daß die Åland-Inseln mit dem Südwesten des Landes über eine Eisbrücke verbunden sind. Finnland ist das waldreichste Land in Europa, 74% der Gesamtfläche sind von Wäldern bedeckt. 92% der Bevölkerung sind Finnen und 5,6% Schweden. In Finnisch-Lappland gibt es zudem noch ca. 5600 Samen. Rund 81% der Bevölkerung sind evangelischlutherisch und etwas mehr als 1% finnisch-orthodox. Darüber hinaus gibt es rund 9000 Mus-lime und rund 1200 Juden in Finnland. 17% aller Einwohner bekennen sich zu keiner Religion.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Finnlands

Nachdem finnische Stämme aus dem Baltikum und aus dem Osten Süd- und Mittelfinnland zwischen dem 2. und 8. Jahrhundert besiedelt hatten, christianisierten und eroberten die Schweden Finnland schrittweise. Im Jahr 1323 grenzten Schweden und das Fürstentum Nowgorod ihre Machtbereiche erstmals ab, indem sie die Ostgrenze Finnlands schriftlich fest-legten. Während der Herrschaft von Gustav Wasa (1523–1560) führte M. Agricola die Reformation im Land ein. 1581 erhoben die Schweden Finnland zwar zum Großfürstentum, verwalteten es allerdings auch weiterhin als schwedische Provinz. Trotzdem erlebte das Großfürstentum unter dem schwedischen Generalgouverneur Graf Per Brahe (1602–1680) eine ökonomische und kulturelle Blütezeit. Im Großen Nordischen Krieg (1700–1721) besetzte Rußland Finnland und sicherte sich 1721 Südwest-Karelien und 1743 weitere Gebiete im Südosten des Landes. Im Frieden von Fredrikshamn (1809), der auf den russisch-schwedischen Krieg von 1808/09 folgte, mußte Schweden schließlich ganz Finnland an Ruß-land abgeben. Daraufhin erklärte Zar Alexander I. Finnland zu einem autonomen Großfürstentum innerhalb Rußlands. Während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten die Finnen ein Nationalbewußtsein, das sich zum einen gegen Rußland und zum anderen gegen das kulturelle Übergewicht des Schwedischen richtete. Unter Zar Alexander II. folgte jedoch eine Reformphase: 1863 wurde ein finnischer Landtag einberufen und die Gleichberechtigung des Finnischen mit dem Schwedischen gesetzlich verankert. Darüber hinaus bekam Finnland 1864 eine eigene Münzstätte und 1878 eine eigene Armee. Zar Alexander III. führte allerdings eine Russifizierungspolitik ein und beseitigte 1899 auch die finnische Autonomie. Nach der russi-schen Revolution von 1905 erhielten die Finnen von Zar Nikolaus II. ihre Autonomie jedoch zurück und 1906 auch eine Landtagsreform. 1917, nach dem Sturz Nikolaus II., übernahm der finnische Landtag die Regierungsgewalt und erklärte Finnlands Unabhängigkeit am 6. De-zember 1917. Da sich die Finnen im Bürgerkrieg von 1918 mit Hilfe deutscher Unterstützung gegen die Bolschewisten durchsetzen konnten, wurde der finnische General Mannerheim im Dezember 1918 Reichsverweser und bekam Finnland ein halbes Jahr später eine republikanische Verfassung. Mit Rußland schloß es 1920 Frieden und erhielt das Petsamo-Gebiet. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, griff die Sowjetunion Finnland jedoch an, um strategisch wichtige Gebiete für sich zu gewinnen. Obwohl Finnland sich im Winterkrieg 1939/40 auch hartnäckig verteidigte, verlor es im Moskauer Frieden (März 1940) große Teile Westkareliens und etliche andere Gebiete seines Territoriums. 1941 trat Finnland auf deutscher Seite in den Krieg gegen die Sowjetunion ein und eroberte seine verlorengegangenen Staatsgebiete wieder zurück. Im Frieden von Paris (Februar 1947) mußte es diese Gebiete sowie das Petsamo-Gebiet allerdings wieder an die Sowjetunion abtreten. Finnland erholte sich von den Kriegsfolgen relativ schnell, bezahlte die geforderten Reparationen in Höhe von 300 Mio. Dollars und konnte seine Unabhängigkeit und Selbstständigkeit als unbesetztes Land bewahren. Danach bemühte es sich um ein „gutnachbarliches und konfliktfreies“ Verhältnis zur UdSSR, baute seine Beziehungen zu den skandinavischen Staaten und zu Westeuropa aus, wurde 1961 assoziiertes Mitglied der EFTA und schloß einen Handelsvertrag mit der EWG, der 1974 in Kraft trat. Gut 20 Jahre später, waren die Beziehungen zwischen Finnland und Westeuropa soweit gediehen, daß Finnland am 1. Januar 1995 Mitglied der Europäischen Union wurde und am 1. Januar 1999 auch den Euro einführte. Innenpolitisch streiten die einflußreichsten Parteien des Landes – Nationale Sammlungspartei, Sozialdemokratische Partei, Wahre Finnen, Zentrumspartei, Linksbund, Grüner Bund, Schwedische Volkspartei und Christdemokraten Finnlands – mit wechselndem Erfolg um die Wählergunst und die Macht im Staat. Dabei sind schon Regierungen entstanden, die aus fünf- oder gar sechs-Parteien-Koalitionen bestanden. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Armee ist seit 2012 Präsident Sauli Niiniströ von der Nationalen Sammlungspartei. Regierungschef ist der Ministerpräsident Juha Sipilä von der Zentrumspartei. Regieren tut aktuell eine Koalition aus Nationaler Sammlungspartei, Zentrumspartei und Wahren Finnen.

Die Münzen Finnlands

In Finnland galten seit dem 4. April 1860 100 Penniä (Pfennig) = 1 Suomen Markka (Finnische Mark). Zu den Kurmünzen, die zwischen 1895 und 1917 geprägt wurden, gehörten die Nominale 1 Penni, 5, 10, 25 und 50 Penniä sowie 1, 2, 10 und 20 Markkaa. Während die ersten drei kleinen Nominale in Bronze ausgebracht wurden, prägte man die letzten beiden in 900er Gold und die Nominale dazwischen in 750er bzw. 868er Silber. Das Hoheitszeichen dieser Münzen bildete der zaristische Doppeladler. Nachdem Finnland 1919 Republik geworden war, wurde der erwähnte Doppeladler durch den finnischen Wappenlöwen mit Schwert ersetzt, die Nominale aber im Prinzip beibehalten. Die Münzmetalle Silber und Gold wurden allerdings nicht mehr benutzt, sondern durch Kupfernickel, Bronze oder Messing ersetzt. Die 100- und 200-Markkaa-Goldmünzen von 1926 sind nur Ausnahmeerscheinungen, da sie aus einer Zeit stammen, als man versuchte, mit einer Rückkehr der Bindung an den Goldstandard die finnische Währung zu stabilisieren, diesen Versuch aber schon bald wieder aufgab. Zwischen 1943 und 1945 ersetzte man die Münzmetalle Bronze, Messing und Kupfernickel jedoch durch das billigere Eisen. Danach setzte man Bronze und Kupfernickel als Münzmetalle wieder ein, prägte größere Nominale (10, 20 und 50 Markkaa) aber aus einer neuen Aluminium-Nickel-Bronze-Legierung. Von 1956 bis 1959/60 brachte man die 100- und 200-Markkaa-Stücke jedoch aus 500er Silber aus. Nach der Währungsumstellung von 1963, als man 100 alte Markkaa in 1 neue umtauschte, prägte man auch die Kleinmünzen unter 1 Markka aus Aluminium-Nickel-Bronze. Die Markka wurde bis 1968 aus 350er Silber und von 1969 bis in die 1990er aus Kupfernickel hergestellt. Seit den späten 1960ern emittierte Finnland aber auch vermehrt Gedenkmünzen aus 500er, 830er, 900er und 925er Silber und 900er Gold. Am 1. Januar 1999 führte das Land dann den Euro auf der Grundlage 5,94573 Finnmark (FIM) = 1 Euro ein und verausgabte ab 2002 Euro-Kursmünzen und parallel dazu diverse Gedenk-münzen. Als Münzmetalle verprägte man hierfür 500er und 925er Silber, 916,7er Gold und unedle Bimetall-Legierungen, wie im Falle der 2-Euro-Kursmünzen mit Gedenkcharakter und der 5-Euro-Gedenkmünzen. Hergestellt wurden nahezu alle finnischen Münzen von der Suomen Rahapaja OY / Myntverket i Finland AB, Vantaa, Finland (der finnischen Münzstätte in Vantaa, die zur Hauptstadt-Agglomeration Helsinki gehört).

Quellen: Kapaan & Mades, Bochum; NUMIS WORLD, U. Winkler, Leipzig; Auktionshaus Künker, Osnabrück; Suomen Rahapaja OY / Myntverket i Finland AB, Vantaa, Finnland. Den erwähnten Münzhandlungen und der Münzstätte Finnlands sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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