• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Estland


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Estland (estnisch Eesti Vabariik) befindet sich in Nordosteuropa, genauer gesagt im Norden des Baltikums. Sie grenzt im Osten an Rußland, im Süden an Lettland, im Westen an die Rigaer Bucht und die Ostsee und im Norden an den Finnischen Meerbusen. Insgesamt betrachtet, ist Estland sehr flach und weist nur geringe Höhenunterschiede auf. Die durchschnittliche Höhe beträgt etwa 50 m über NN. Die höchsten Landesteile finden sich im Südosten in Form isolierter kuppiger Erhebungen (bis 318 m über NN). Die teils flache und teils hügelige Landschaft weist zudem etliche Sümpfe und eiszeitliche Seen auf. Zu den größten Seen zählen der Peipus-See (dieser gehört zum Teil zu Rußland) und der Wirzsee. Vor der buchtenreichen Küste Estlands liegen etwa 1520 Inseln. Die größten davon sind: Saaremaa, Hiiumaa, Muhu und Vromsi. Zum Finnischen Meerbusen hin fällt die Küste steil ab. Das Klima ist aufgrund der Nähe zur Ostsee maritim, mit mäßig warmen Sommern und nicht allzu kalten Wintern. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt bei 550 bis 650 mm pro Jahr. Mischwälder (vor allem Kiefern, Birken, Fichten), Wiesen und Heiden prägen die Landschaft. Nahezu die Hälfte (48%) des Landes ist bewaldet. Die estnische Bevölkerung setzt sich aus 65% Esten, 28% Russen, 2,5% Ukrainer, 1,5% Weißrussen, 0,9% Finnen und 2,1% anderer Nationalitäten zusammen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist evangelisch-lutherisch und orthodox. Darüber hinaus gibt es noch etwa 4000 bis 5000 Muslime und 2500 Juden.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Estlands

Nach den Feldzügen des Kiewer Fürsten Jaroslaw des Weisen im 11. Jahrhundert in den Südosten Estlands unterwarfen Deutsche und Dänen die Esten zwischen 1207 und 1227 und christianisierten sie. Im Jahr 1346 verkaufte der dänische König Waldemar IV. seinen estnischen Anteil an den Deutschen Orden. Gut 200 Jahre später (1561) fiel Estland an Schweden. 1584 erhob man die Landschaften Harrien, Wierland, Jerwen und Wiek zum Herzogtum „Esthen“. Nach dem Großen Nordischen Krieg (1700–1721) und dem Sieg des russischen Zaren Peter I. über den schwedischen König Karl XII. trat Schweden Estland im Frieden von Nystad 1721 an Rußland ab. Danach wurde die autonome Stellung Estlands mehr und mehr abgebaut, bevor dann im 19. Jahrhundert eine starke Russifizierungspolitik begann. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs der Anteil der estnischen Bevölkerung in den Städten infolge von Industrialisierung und Urbanisierung. 1917, während der Herrschaft der provisorischen Regierung in Rußland, gelang es estnischen Politikern das Gouvernement Estland mit Nordlivland und den Inseln administrativ zusammenzulegen. Infolge der Oktoberrevolution von 1917 kam zwar auch in Reval (heute Tallinn) eine bolschewistische Räteregierung an die Macht, doch zogen die Bolschewiki im Februar 1918 aus Estland ab. Die kurze Frist zwischen Abzug der Bolschewiki und dem Einmarsch der Deutschen nutzend, proklamierte Estland am 24. Februar 1918 seine Unabhängigkeit. Nach der Niederlage des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg (November 1918) besetzte die Rote Armee Estland. Allerdings gelang es der estnischen Armee zusammen mit finnischen Freiwilligen und einem Regiment Balten Estland bis zum 24. Februar 1919 wieder unter estnische Kontrolle zu bringen. Das bolschewistische Rußland erkannte die Unabhängigkeit Estlands daraufhin im Frieden von Dorpat (2. Februar 1920) an. Danach führte Estland eine demokratische Verfassung ein und gewährte seinen Minderheiten (Deutschen, Russen und Schweden) weitgehende kulturelle Autonomie. Durch den Hitler-Stalin-Pakt (23. August 1939) gelangte Estland in den Einflußbereich der Sowjetunion, die das Land im Juni 1940 auch besetzte und im August 1940 als Estnische SSR annektierte. Zwischen 1941 und 1944 besetzte die deutsche Wehrmacht Estland. 1944 eroberte die Rote Armee das Land wieder zurück, das nun bis 1991 auch im Staatsverband der Sowjetunion blieb. Von der Reformpolitik Mihail Gorbatschows in der Sowjetunion indirekt ermuntert, strebten auch die Esten ab 1988 zunehmend nach ökonomischer, politischer und nationaler Freiheit und Unabhängigkeit. Am 20. August 1991 schließlich erklärten sie die Unabhängigkeit Estlands von der UdSSR. Diese wurde am 6. September 1991 auch vom Staatsrat der Sowjetunion anerkannt. Am 17. September 1991 wurde Estland Mitglied der UNO. Ende August 1994 verließen die letzten 2000 russischen Soldaten Estland, nachdem Präsident Boris Jelzin und der estnische Präsident L. Meri im Vorfeld einen entsprechenden Vertrag geschlossen hatten. Außenpolitisch lehnte sich das unabhängige Estland nun allerdings mehr und mehr an Westeuropa an. So wurde es 1993 Mitglied des EU-Rats, trat 1994 dem NATO-Programm „Partnerschaft für den Frieden“ bei und unterzeichnete ein Jahr darauf einen Assoziierungsvertrag mit der EU. Im Dezember 1995 stellte es einen Antrag auf Mitgliedschaft in der EU. 1999 wurde es zudem Mitglied der WTO. Volles Mitglied der NATO wurde Estland am 29. März 2004. Am 1. Mai desselben Jahres trat es schließlich auch der EU bei. Den Vertrag von Lissabon (den EU-Reformvertrag) billigte das estnische Parlament am 11. Juni 2008. Den letzten Schritt zur vollständigen EU-Integration unternahm Estland dann am 1. Januar 2011 mit der Einführung des Euro als offizielle Währung Estlands.

Die Münzen Estlands

In der jungen Republik Estland galten 100 Penni = 1 Estnische Mark. Zu den Kursmünzen, die 1922 geprägt wurden, gehörten die Nominale 1, 3 und 5 Marka. Kleinmünzen (also Pennis) wurden nicht hergestellt. Bestanden diese ersten Münzen noch aus Kufpernickel, so brachte man die gleichen Nominale ab 1924/25 in Nickel-Messing aus. Zusätzlich emittierte man 1925 noch eine 10-Marka-Münze, ebenfalls in Nickel-Messing. Alle diese Münzen waren motivgleich und zeigten auf ihren Vorderseiten die drei Wappenlöwen und auf ihren Rückseiten den Nominalwert. Ab 1926 brachte man die erwähnten Nominale zwar ebenfalls in Nickel-Messing aus, doch wiesen die Münzen nun auf ihren Vorderseiten das Staatswappen im Eichenlaub und nicht mehr nur die drei Wappenlöwen auf. 1928 führte man auf der Grundlage 100 Senti = 1 Krone (Kroon) eine neue Währung ein und parallel dazu auch eine Währungsreform durch. Danach tauschte man 100 Marka = 1 Kroon ein. Die erste Münze, die 1928 geprägt wurde, war ein 25-Senti-Stück aus Nickel-Messing. Zwischen 1929 und 1936 emittierte man Münzen mit den Nominalen 1, 2, 5, 10, 20 und 50 Senti sowie 1 und 2 Krooni. Dabei bestanden alle Nominale mit Ausnahme der 2-Krooni-Münze aus unedlen Metall-Legierungen – Bronze (1 Sent 1929, 2 und 5 Senti), Messing (1 Sent 1939), Nickel-Messing (10, 20 und 50 Senti), Aluminium-Nickel-Bronze (1 Kroon). Nur die 2-Krooni-Münze von 1930 war aus 500er Silber hergestellt. Ebenfalls aus 500er Silber bestanden die beiden Gedenkmünzen, die Estland 1932 und 1933 emittierte – 2 Krooni (1932) auf die 300-Jahrfeier der Universität von Tartu (Dorpat) und 1 Kroon (1933) auf das X. Estnische Sängerfest in Tallinn (Reval). Nachdem Estland 1940 von der Sowjetunion besetzt worden war, mußte es seine eigene Münzprägung jedoch einstellen, da fortan der russische Rubel alleiniges Zahlungsmittel war. Eine Neuauflage estnischer Münzprägung erlebte das Land erst ab dem 20. Juni 1992, als die Republik Estland wieder zu ihrer alten Währung auf der Grundlage 100 Senti = 1 Kroon zurückkehren konnte. Der Russische Rubel wurde im Verhältnis 10 Rubel = 1 Kroon umgetauscht. Zu den Kursmünzen, die nun ausgebracht wurden, zählten: 5 Senti (bis 1995), 10, 20 und 50 Senti sowie 1 Kroon. Als Münzmetall wurde Aluminium-Nickel-Bronze verwendet. Allein die 1-Kroon-Münze der Jahrgänge 1992, 1993 bestand aus Kupfernickel. Ab 1998 prägte man aber auch sie aus Aluminium-Nickel-Bronze. Parallel dazu emittierte Estland noch eine ganze Reihe von Gedenkmünzen. Münzen mit denen es beispielsweise der Wiedereinführung der nationalen Währung, diverser Olympischer Spiele, bedeutender estnischer Institutionen (Zentralbank, Nationaltheater, Nationalmuseum), estnischer Geschichte, estnischer Natur, estnischer Feste oder mehrfachen Jubiläen der Republik gedachte. Die dafür verwendeten Münzmetalle waren vor allem 999er Silber und 999er Gold aber auch 999er Platin und Aluminium-Bronze in Ausnahmefällen. Am 1. Januar 2011 führte Estland dann den Euro auf der Grundlage 15,6466 Krooni = 1 Euro ein und verausgabte außer den Euro-Kursmünzen – die die Landkarte Estlands auf ihren nationalen Seiten zeigen – noch diverse Gedenkmünzen. Mit diesen erinnert die Republik z. B. an ihre Mitgliedschaft im Euro, an verschiedene Olympiaden sowie an herausragende Persönlichkeiten Estlands. Als Münzmetall verprägte man hierfür 999,9er und 925er Silber, 999,9er Gold und eine unedle Bimetall-Legierung, wie im Falle der 2-Euro-Kursmünzen mit Gedenkcharakter (10 Jahre Euro-Bargeld und 30 Jahre EU-Flagge). Hergestellt wurden die estnischen Münzen zum Teil in Tallinn und zum Teil im Ausland (Staatliche Münze Berlin, Aron Hirsch & Sohn AG, Halberstadt/Berlin, [British] Royal Mint, Lithuanian Mint, Koninklijke Nederlandse Munt).

Quellen: Abb. 1: Münzversand Udo Helmig, Bielefeld; Abb. 2: Halbedel, Münzen & Medaillen, Salzburg (A); Abb. 3: Auktionen & Münzhandel, Dr. Christoph Stadler e. K.; Abb. 4 und 5: BMV Wolfgang Mehlhausen, Berlin-Karow. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt

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