• Michael Kurt Sonntag

Weltmünzenatlas – Eritrea


Lage, Landesnatur, Bevölkerung und Religion

Die Republik Eritrea („Rotes Land“) befindet sich in Nordostafrika. Sie grenzt im Osten an das Rote Meer, im Südosten an Dschibuti, im Süden an Äthiopien und im Westen und Nordwesten an den Sudan. Die Küste Eritreas ist gut 1000 km lang und verläuft im Süden bis zur Straße von Bab el-Mandeb, die das Rote Meer mit dem Indischen Ozean verbindet. Im Landesinneren findet sich im Norden ein Randgebirge, das bis auf 2633 m aufreicht und im Süden die Danakil-Berge mit etlichen Vulkanen. Der höchste Gipfel Eritreas ist der südöstlich von Asmara gelegene Soira (3018 m). Die südliche Küstenebene des Landes ist halbwüstenhaft und Bestandteil der geologisch aktiven Afar-Senke. Da weite Teile Eritreas in der Vergangenheit abgeholzt wurden, ist Bodenerosion ein weit verbreitetes Phänomen. In den Monaten März bis Juli weht bisweilen ein heißer, staubiger Wind, der von der Arabischen Halbinsel kommt. Die Temperaturen in der regenarmen und schwülheißen Küstenebene sind im Sommer recht hoch – in der Hafenstadt Massaua erreichen sie im August bis zu 46 °C – und somit weitaus unangenehmer als im kühleren eritreischen Hochland. Deshalb siedeln die meisten Menschen (hierzu gehören die Tigray, Tigre, Kunama und Saho) auch im Hochland. Das Hirtenvolk der Afar dagegen lebt im Südosten. Die Araber wiederum wohnen in der Grenzregion zum Sudan. In den Städten leben nur etwa 21% der Bevölkerung. Ca. 1 Million Eritreer befinden sich im ausländischen Exil. Ungefähr die Hälfte aller Einwohner sind Christen (hiervon die Mehrheit eritreisch-orthodoxe) und die andere Hälfte Muslime.

Kurzer Streifzug durch die Geschichte Eritreas

1557 eroberten die Türken die Hafenstadt Massaua, traten sie 1866 aber an Ägypten ab. Nachdem die Italiener bereits 1881 Assab erworben hatten – dies lag fast am Ausgang des Roten Meeres – besetzten sie 1885 auch Massaua und drangen von da aus ins eritreische Hochland vor. Am 2. Januar 1890 erklärte Italien Eritrea zur italienischen Kolonie. 1895 bis 1896 expandierte Italien weiter nach Äthiopien, konzentrierte sich nach der Niederlage von Adua (1. März 1896) allerdings wieder nur auf Eritrea und dessen wirtschaftlichen Ausbau. 1936 besiegte Italien Äthiopien, schuf das Kaiserreich Italienisch-Ostafrika und verleibte diesem auch Eritrea ein. 1941, während des Zweiten Weltkriegs, mußte Italienisch-Ostafrika jedoch kapitulieren und Eritrea gelangte unter britische Verwaltung. 1952 kam Eritrea aufgund eines UN-Beschlusses als autonomes Gebiet an Äthiopien, das seine Autonomie 1962 aber aufhob. Nachdem die Monarchie in Äthiopien 1974 gestürzt worden und die Marxisten an die Macht gekommen waren, probten die Separatisten in Eritrea, die es schon seit 1961 dort gab, den Aufstand gegen die äthiopische Zentralregierung. Die separatistische Unabhängigkeitsbewegung wurde u. a. von der Eritreischen Volksbefreiungsfront (EPLF) gestützt. Die äthiopische Regierung versuchte ihrerseits den Aufstand mit Hilfe kubanischer Truppen niederzuschlagen. Da sie militärisch dazu aber nicht in der Lage war, suchte sie den Konflikt politisch zu entschärfen und erklärte Eritrea 1987 zur autonomen Re­gion. 1991 brach das kommunistische Regierungssystem in Äthiopien jedoch zusammen und die EPLF, die sich überall in Eritrea durchsetzen konnte, bildete eine provisorische Regierung. Diese konnte 1993 mit der neuen äthiopischen Regierung eine Übereinkunft erreichen und am 24. Mai 1993 die unabhängige Republik Eritrea proklamieren. 1994 wurde aus der EPLF die Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit (PFDJ) gebildet. 1998 mußte Eritrea die Hanisch-Inseln auf Grund eines Urteils des internationalen Gerichtshofs an den Jemen zurückgeben, wodurch ein dreijähriger Streit mit dem Jemen beendet wurde. Ebenfalls 1998 kam es mit Äthiopien zu einem Grenzkrieg infolge unterschiedlicher Gebietsansprüche, der sich bis 2000 bis nach Eritrea hinein ausweitete, dann aber durch einen Friedensvertrag doch noch gestoppt wurde. 2001 wurde eine UN-Friedenstruppe im Land stationiert und 2002 der Grenzverlauf zwischen Eritrea und Äthiopien durch eine internationale Kommission festgelegt. Äthiopien akzeptierte zwar, war aber mit dem Ergebnis unzufrieden, so daß der Konflikt bis heute nicht wirklich bereinigt ist. Und auch mit dem Nachbarn Dschibuti kam es 2008 zu Kämpfen wegen Grenzstreitigkeiten. 2010 verständigten sich beide Staaten allerdings darauf, alles dran zu setzten, eine Lösung am Verhandlungstisch herbeizuführen. Innenpolitisch betrachtet, ist Eritrea seit der Verabschiedung der Verfassung vom 23. Mai 1997 eine präsidiale Republik. Laut Verfassung ist der Präsident Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee. Da diese Verfassung aber nicht umgesetzt wurde, fanden bis jetzt weder Präsidentschafts- noch Parlamentswahlen statt und die Nationalversammlung arbeitet immer noch als Übergangsparlament. Die 150 Abgeordneten der Nationalversammlung gehören alle der PFDJ, der einzig legalen Partei Eritreas an. Präsident ist Isayas Afewerki, Vorsitzender der PFDJ. Viele internationale Beobachter betrachten das Land wegen zahlreicher Menschenrechtsverletzungen, fehlender Pressefreiheit und längst überfälliger politischer Reformen bis heute als repressiven Einparteienstaat oder gar als Diktatur.

Die Münzen Eritreas

Ab 1890 galten in Eritrea 100 Centesimi = 1 Lira und 5 Lire = 1 Tallero Eritreo (auch Birr, Rial oder Mariatheresientaler genannt). Zu den Kurmünzen, die geprägt wurden, gehörten die Nominale 50 Centesimi, 1 Lira, 2 Lire und 5 Lire. Sie alle zeigten auf ihren Vorderseiten das nach rechts gewandte bekrönte Brustbild des italienischen Königs Humbert I. (1878 bis 1900) und trugen auf ihren Rückseiten den Landesnamen COLONIA ERITREA. Die Nominale unterhalb der 5-Lire-Münze bestanden aus 835er Silber und die 5-Lire-Münze aus 900er Silber. Das einzige Münznominal, das man noch zur Kolonialzeit verausgabte, war eine 1-Tallero-Münze aus 835er Silber aus dem Jahr 1918. Diese unter König Viktor Emanuel (1900–1941) geprägte Münze trug aber weder das Brustbild des Königs noch die Bezeichnung Colonia Eritrea, sondern ähnelte dem Mariatheresientaler und zeigte auf ihrer Vorderseite die Allegorie der Italia mit der Umschrift REGNUM ITALICUM und auf ihrer Rückseite einen bekrönten Adler mit dem Savoyer Brustschild. Flüchtig betrachtet, meint man einen Mariatheresienthaler vor sich zu haben, so sehr kopiert diese Tallero-Münze das österreichisch-habsburgische Vorbild. Numismatisch gesehen, erlebte Eritrea zwischen 1918 und 1993 eine riesige Durststrecke, da es bis zu seiner Unabhängigkeit (24. Mai 1993) niemanden mehr gab, der eigens für den Zahlungsverkehr in Eritrea Münzen prägte – die Italiener und die Briten nicht und auch die Äthiopier nicht. Interessant ist allerdings, daß auch Eritrea zwischen 1993 und 1997 keine echten Umlaufmünzen verausgabte, sondern nur Gedenkmünzen – Gedenkmünzen zu 1 Dollar in Kupfernickel, zu 10 Dollars in 999er oder 925er Silber und zu 50 Dollars und 100 Dollars in 999er oder 999,9er Gold. Seit 1952 galten nämlich in Eritrea 100 Cents (Santeem) = 1Äthiopischer Dollar (Birr). Mit diesen Münzen gedachte man dann der Unabhängigkeit des Staates, den Reptilien der Urzeit, den bedrohten Tieren und dem US-Kinofilm „Jurassic Park“. Am 8. November 1997 stellte Eritrea seine Währung von Dollar bzw. Birr jedoch auf Nakfa um. Grundlage hierfür war 1 Birr = 1 Nakfa. Die neue Währung lautete: 100 Cents = 1 Nakfa. 5 Nakfa wiederum entsprachen 1 US-Dollar. Der Name Nakfa bezeichnete ursprünglich eine Guerillabasis der rebellischen Eritreer im Unabhängigkeitskrieg gegen Äthiopien. Die Münzen, die 1997 geprägt wurden, waren dagegen echte Kursmünzen, umfaßten die Nominale 1, 5, 10, 25, 50 und 100 Cents und bestanden allesamt aus mit Nickel galvanisiertem Eisen. Sie wurden bei der [British] Royal Mint geprägt. Die Gedenkmünzen in Kupfernickel, Silber und Gold prägte die Pobjoy Mint® in Sutton/Kingswood und die Kolonialmünzen fertigte man in Rom mit Ausnahme der 50-Centesimi-Münzen, die in Mailand hergestellt wurden.

Quellen: Abb. 1: Münzhandlung Hans Linnartz, Köln; Abb. 2 und 3: Münzversand Hardelt, Kaiserslautern; Abb. 4: Joliedor, Tönjes, Wilhelmshaven. Den erwähnten Münzhandlungen sei an dieser Stelle ausdrücklich und herzlich gedankt.

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